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E-Lkw Zweifel an Start-up Nikola stellen neue Allianz mit GM infrage

Nach der SEC untersucht auch das Justizministerium die Vorwürfe gegen Nikola. GM steht weiter zu seinem Deal – auch, weil es nichts zu verlieren hat.
16.09.2020 - 18:39 Uhr 1 Kommentar
Gemeinsam mit General Motors will das Unternehmen aus Phoenix einen elektrischen Pick-up namens „Badger“ auf die Straße bringen. Quelle: Reuters
Nikola

Gemeinsam mit General Motors will das Unternehmen aus Phoenix einen elektrischen Pick-up namens „Badger“ auf die Straße bringen.

(Foto: Reuters)

New York Es ist gerade einmal eine Woche her, dass Nikola, das Start-up für batterie- und wasserstoffbetriebene Lkws, seinen neuen Coup angekündigt hat: Gemeinsam mit General Motors (GM) will das Unternehmen aus Phoenix einen elektrischen Pick-up namens „Badger“ auf die Straße bringen. Damit wollen GM und Nikola vor allem dem Cybertruck von Tesla Konkurrenz machen, der bereits im kommenden Jahr auf den Markt kommen soll.

Doch nun stellen schwere Vorwürfe des Finanzinvestors Hindenburg die Fähigkeiten von Nikola infrage. Nach der US-Börsenaufsicht SEC untersucht nun auch das Justizministerium die Vorwürfe des auf fallende Kurse wettenden Shortsellers Hindenburg. Der wirft dem Start-up-Gründer Trevor Milton vor, heiße Luft zu verkaufen und Investoren und Partner zu betrügen.

In einem Video etwa soll Nikola einen Lkw einen Berg runterrollen haben lassen, weil das Fahrzeug noch nicht fahrtüchtig gewesen sei. Angesichts dieser schweren Anschuldigungen fragen sich nun Beobachter, ob damit auch der Deal mit GM in Gefahr ist.

Die GM-Chefin Mary Barra selbst sprang Nikola diese Woche zur Seite: „Wir haben schon mit vielen verschiedenen Partnern gearbeitet, und wir haben ein sehr fähiges Team, das die angemessene Due Dilligence durchgeführt hat“, sagte Barra auf einer Investorenkonferenz von RBC Capital.

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    Auch die meisten Beobachter sehen die Lage gelassen. „Ich bin nicht wirklich besorgt, weil GM nicht viel riskiert – außer dass es peinlich sein könnte, falls die Vorwürfe sich als wahr herausstellen“, meint die bekannte Automobil-Beraterin Rebecca Lindland von Rebeccadrives.com.

    Risiko für General Motors ist gering

    Tatsächlich birgt der jüngste Deal mit Nikola kaum Risiken für General Motors: GM erhält eine elfprozentige Beteiligung an Nikola im Wert von zwei Milliarden Dollar, ohne Cash oder Aktien hinlegen zu müssen.

    Weitere zwei Milliarden sollen an GM fließen, wenn der Autokonzern die Pick-ups in seinen Fabriken herstellt, seine Ultium-Batterien und später auch Brennstoffzellen liefert. Nikola bekommt damit Zugriff auf GMs Know-how. General Motors kann seine Produktionsstätten dafür besser auslasten und sich dank Nikola stärker als Innovator präsentieren.

    In der Autostadt Detroit hat die Allianz die wenigsten wirklich überrascht. „Die generelle Entwicklung war abzusehen, nachdem Ford sich bei Rivian eingekauft hat“, sagt der in Detroit ansässige Automobil-Berater Joern Buss von Oliver Wyman.

    Bereits seit einiger Zeit wechselten Ingenieure zwischen den großen Konzernen, Rivian, Nikola und auch Tesla, hin und her. „GM kann mit dem Nikola-Deal seine eigene E-Auto-Plattform breiter aufstellen und seine Produktionsstätten besser auslasten“, ist Buss überzeugt.

    Grafik

    Der Berater sieht den Deal langfristig durch die Vorwürfe der Shortseller nicht in Gefahr. Auch das Video mit dem Lkw, der noch nicht fahren konnte, schockt ihn wenig: „Was auf Auto-Salons vorgestellt wird, ist auch nicht immer fahrfähig“, bemerkt Buss.

    Ähnlich sieht das die Beraterin Lindland: „Wenn der Hauptvorwurf von Hindenburg der eines irreführenden Prototyps ist, dann ist das ein ziemlich schwaches Argument. Schließlich ist es Usus, dass ein Prototyp kein fertiges Produkt ist.“

    In Deutschland stellt Nikola mit Iveco in Ulm Elektro-Lkws her, die später mit Brennstoffzellen ausgerüstet werden sollen.

    Für die traditionellen Autohersteller sind die Partnerschaften mit kleinen Start-ups enorm wichtig. Sie funktionieren oft als Inkubatoren, die verschiedene Innovatoren miteinander verbinden und oft digitales Know-how wie Softwaresteuerung einbringen. Den Traditionskonzernen helfen die Allianzen mit den Start-ups außerdem auch in ihrer Wahrnehmung.

    GM ist bei E-Autos weiter, als viele denken

    „GM hat schon sehr früh die Weichen Richtung E-Autos gestellt und sie sind damit bereits gut fortgeschritten“, lobt der Berater Buss. „Das wird aber wie bei vielen großen Herstellern nicht immer so wahrgenommen.“ Das gelte auch für die Bewertung an der Börse: „Die traditionellen Hersteller haben das Problem, dass sie an der Börse nur als Autobauer bewertet werden, während Namen wie Tesla, Rivian oder Nikola an ihnen vorbeiziehen.“

    Der Deal zwischen GM und Nikola „bringt die Investoren dazu, endlich zumindest einen Teil des Werts von GMs führender E-Technologie anzuerkennen“, schreibt der Analyst Emmanuel Rosner von der Deutschen Bank. Wenn es nach ihm ginge, sollte GM seinen E-Auto-Bereich komplett in ein eigenständiges Unternehmen abspalten.

    Das würde den Markt dazu zwingen, die Technologie angemessen zu bewerten, und würde das Einsammeln von Kapital und das Anwerben von Talenten erleichtern, argumentiert er.

    Mehr: Nikola-Gründer Trevor Milton kämpft um sein Lebenswerk.

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