Ford: US-Autobauer streicht bis zu 1000 Stellen in Köln
Düsseldorf, Köln. Fords Traditionsstandort in Köln steht vor weiteren Problemen. Der US-Autobauer will im kommenden Januar die Produktion seiner Elektromodelle Explorer und Capri von zwei Schichten auf eine Schicht reduzieren – und damit bis zu 1000 Stellen in der Fertigung und angrenzenden Bereichen streichen.
Erst vor wenigen Monaten hatten Belegschaft und Management einen großen Jobabbau vereinbart, jetzt wird die Zahl noch einmal ausgeweitet.
Das Unternehmen bestätigte am Dienstag die Informationen gegenüber dem Handelsblatt und erklärte den Schritt mit der schwachen Nachfrage nach elektrischen Pkw. Diese liege „weiterhin deutlich unter den Prognosen der Branche“, heißt es. Daher werde Ford die Produktion im Werk in Köln ab Januar 2026 auf einen Einschichtbetrieb umstellen, was zu einem Abbau von bis zu 1000 Stellen im „Cologne Electric Vehicle Center“ in Köln-Niehl führe.
Seit 1930 baut Ford in Köln Autos, lange war der Kleinwagen Fiesta Hauptprodukt des Werks. Doch ebenso wie andere Autobauer reduziert Ford die Zahlen seiner Autos mit Verbrennungsmotor und stellt stattdessen auf Elektromodelle um. Zwei Milliarden Euro investierten die Amerikaner in den Kölner Standort, um die E-Zukunft einzuleiten. Der damalige Bundeskanzler Olaf Scholz kam 2023 zur Einweihung. Doch kurz vor Produktionsbeginn kappte die Bundesregierung die Kaufprämie, die sie zuvor für Elektroautos gewährt hatte, die Nachfrage nach E-Autos brach ein.
Statt des preisgünstigen Fiesta produziert Köln nun SUVs im 40.000-Euro-Bereich. Ausgerechnet diese Preisklasse läuft aber im schwachen Marktumfeld nur schleppend. Zahlen des Branchendiensts Dataforce zeigen zudem, dass Fords Elektro-Marktanteil in Europa weiter unter der wichtigen Marke von fünf Prozent liegt. Im ersten Quartal waren Fords Elektroverkäufe sogar rückläufig.
Abfindungspakete gelten als attraktiv
Bis 2027 sollten bei Ford nach dem bisherigen Sanierungsplan ohnehin 2900 Stellen abgebaut werden. Nun kommt die neue Schichtstreichung obendrauf. Den Betroffenen sollen Abfindungen und Altersteilzeit angeboten werden, betriebsbedingte Kündigungen sind vorerst ausgeschlossen. Doch Gewerkschafter fürchten, dass der Druck steigt, wenn zu wenige Mitarbeiter freiwillig gehen.
Für die Belegschaft ist die Nachricht ein Schock. „Nur eine Woche nach der Vertragsunterschrift ist diese Entscheidung ein schlechtes Signal für Ford“, kritisierte Betriebsratschef Benjamin Gruschka. Ein Werk rechne sich nur mit drei Schichten – bei einer Schicht lägen die Stückzahlen bei gerade einmal etwas über 300 Fahrzeugen pro Tag.
Sollten die Pläne umgesetzt werden, hätte Ford in gut zwei Jahren nur noch etwa 7600 Beschäftigte, Ende des vergangenen Jahrzehnts waren es rund 20.000. Die Konditionen für das freiwillige Ausscheiden werden aus dem ersten Sparprogramm übernommen. Das von der IG Metall ausverhandelte Abfindungspaket gilt als relativ attraktiv für Arbeitnehmer.
Branchenexperten sind nicht überrascht von dem verschärften Sparkurs. „Das war leider absehbar: Ford verkauft viel zu teure Autos und bekommt sie nicht verkauft, die Firma produziert auf Halde“, sagt Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach. Die Marke Ford stehe für solide und günstige Autos, daher würden Elektro-Pkw in der Preiskategorie unter 30.000 Euro besser zum Image passen. „Die Amerikaner haben seit Langem den falschen Blick auf den europäischen Markt und schießen produkttechnisch daneben – die Entwicklung von Ford in Köln ist ein Trauerspiel“, urteilt Bratzel.
Ein Einschichtbetrieb in einer modernen, teuren Anlage, die auf eine hohe Kapazität ausgelegt ist, sei überdies wirtschaftlich fragwürdig. „Es erscheint mir hier fast unmöglich, mit einer Schicht profitabel zu arbeiten“, sagt Bratzel. „Es geht bei Ford nur darum, Verluste einzudämmen.“ Die Firma brauche schnell neue preisgünstige Modelle, um am Markt doch noch Erfolg zu haben. „Sonst geht der Abbau weiter.“
Konkurrenz und Zulieferer sparen ebenfalls
Der Abbau bei Ford reiht sich ein in weitere Meldungen über Stellenstreichungen in der Branche: Volkswagen hat erst Ende vergangenen Jahres mit dem Betriebsrat ein Milliarden-Sparpaket vereinbart, das bis 2030 den Abbau von rund 35.000 Stellen vorsieht. Audi will bis 2029 rund 7500 Arbeitsplätze in Deutschland streichen, Porsche 1900 bis Ende des Jahrzehnts.
Auch Zulieferer stehen massiv unter Druck: ZF plant, weltweit bis zu 14.000 Stellen zu kürzen, Continental weitere 3000 in seiner Autozuliefersparte. Erst diese Woche hat außerdem Bosch angekündigt, den Sparkurs noch einmal deutlich zu verschärfen. „Wir müssen die jährlichen Kosten um weitere 2,5 Milliarden Euro senken“, erklärten Mobility-Chef Markus Heyn und Personalchef Stefan Grosch gegenüber der „Stuttgarter Zeitung“. Nach bereits 9000 gestrichenen Jobs sind dort weitere Tausende Arbeitsplätze gefährdet – vor allem in Deutschland.
IG Metall und Betriebsräte kritisieren das Fehlen einer klaren Zukunftsstrategie, sie fordern Investitionen statt einer „Salamitaktik“. Auch Wettbewerber wie Schaeffler, Webasto und Daimler Truck fahren parallel drastische Sparprogramme. Damit wird deutlich: Der Sparkurs von Ford ist keine isolierte Maßnahme, sondern Ausdruck einer tiefen Krise, in der sich die Branche aufgrund der Umstellung auf die Elektromobilität befindet.
Mit Material der Nachrichtenagentur dpa
Erstpublikation: 16.09.2025, 14:36 Uhr.