Jennifer Li wechselt in Verwaltungsrat: Eine Zahlenkünstlerin für ABB
Li mag nicht nur Zahlen, sondern auch Kunst.
Foto: BloombergZürich, Peking. Ihre Arbeit nimmt Jennifer Li ziemlich ernst. So antwortete die damalige General-Motors-Managerin 2008 auf eine E-Mail von Baidu-Gründer Robin Li, der um ein Gespräch bat, lapidar: „Ich bin sehr beschäftigt. Lassen Sie uns am Wochenende sprechen.“ Das Gespräch mit ihrem Namensvetter, dem Chef des chinesischen Internetriesen, kam trotzdem zustande, und kurz darauf setzte sie sich in Detroit mit ihrem einjährigen Kind in den Flieger nach Peking, um ihren Job als Baidu-Finanzchefin anzutreten.
Demnächst stehen für Li weitere Langstreckenflüge an: Der schweizerische Industriekonzern ABB hat sie zusammen mit Geraldine Matchett und Gunnar Brock für den Verwaltungsrat nominiert. Noch müssen die Aktionäre den dreien ihren Segen erteilen, doch ABB-Verwaltungsratschef Peter Voser lobt sie bereits als „außergewöhnliche Persönlichkeiten“.
Tatsächlich machte Li eine außergewöhnliche Karriere: Sie studierte Fremdsprachen an der Eliteuniversität Tsinghua und machte ihren MBA an der kanadischen University of British Columbia. Sie gilt als Kunstliebhaberin. In der sonst gläsernen Zentrale von Baidu ließ sie eine Wand errichten, um zwei Kalligrafie-Werke und eine Dartscheibe aufzuhängen.
In den zehn Jahren bei Baidu hat sie sich auch als treffsichere Finanzchefin bewiesen. In ihrer Amtszeit stieg Baidus Wert von vier Milliarden auf 86 Milliarden US Dollar. Seit April leitet sie den Investmentarm des Internetriesen Baidu Capital. Bei ABB hofft man, von ihrem Know-how in Sachen Digitalisierung zu profitieren.