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Nach Corona-SchockVW stoppt Pläne für neues Werk in der Türkei

Mit der Coronakrise ist der Absatz von Volkswagen eingebrochen. Mit einer schnellen Erholung rechnet man offenbar nicht. Pläne für ein neues Werk wurden gestoppt.Ozan Demircan 01.07.2020 - 13:04 Uhr aktualisiert

Die schwankende Währung bereitet vielen Unternehmern in dem Land wachsende Sorgen.

Foto: dpa

Istanbul. Der VW-Konzern stoppt die Pläne für den Bau eines neuen Werks in der Türkei. „Hintergrund ist der durch die Coronakrise erfolgte Einbruch der globalen Automobilnachfrage“, erklärte das Unternehmen am Mittwoch in Wolfsburg. Das Projekt für die Fabrik in Manisa bei Izmir war eigentlich so gut wie beschlossen, hatte aber zuletzt auf Eis gelegen.

Im Sommer hatte VW-Vorstandschef Herbert Diess Verhandlungen mit dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan geführt. Auch Betriebsratschef Bernd Osterloh hatte sich Berichten zufolge im Juli 2019 mit türkischen Gewerkschaftern getroffen und anschließend grünes Licht gegeben.

Jetzt heißt es: „Der Aufbau zusätzlicher Kapazitäten ist daher aus heutiger Sicht nicht notwendig“, wie der VW-Konzern erklärte. Die Türkei bestätigte die Absage von VW für das Werk.

Das Hin und Her bei der Entscheidung um ein neues VW-Werk in der Türkei hatte aber nicht nur wirtschaftliche Gründe. Schon nach den ersten Berichten über eine mögliche neue Fabrik nahe der westtürkischen Stadt Izmir hagelte es Kritik an Volkswagen, mit der Milliardeninvestition den türkischen Präsidenten Erdogan indirekt politisch zu unterstützen. Insgesamt sind nach Angaben der Auslandshandelskammer Türkei rund 7000 deutsche Firmen in der Türkei aktiv, darunter Mittelständler und Dax-Konzerne wie Siemens, die Deutsche Bank oder die Allianz.

Dann marschierte das türkische Militär im Oktober 2019 zum dritten Mal in Syrien ein. Kritiker sahen die Türkei nicht berechtigt zu dem Einsatz, die USA führten kurzzeitig Sanktionen ein, europäische Regierungen konnten sich nicht auf gemeinsame Strafmaßnahmen einigen. In Deutschland demonstrierten Menschen gegen den Einsatz, darunter PKK-Anhänger und Kriegsgegner.

Zunächst hieß es bei VW, der für Mitte Oktober geplante Beschluss für das neue Werk werde vertagt, „auch wenn das Investment aus betriebswirtschaftlicher Sicht weiterhin sinnvoll ist“. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), der für das Land als Anteilseigner im Aufsichtsrat bei VW sitzt, erklärte im Oktober, er könne eine solche Entscheidung nicht fällen, so lange der türkische Kampfeinsatz andauere.

Passat geht nach Bratislava

Dann meldete sich der Betriebsrat. „Solange die Türkei versucht, ihre politischen Ziele mit Krieg und Gewalt zu erreichen“, werde die Arbeitnehmervertretung im Konzernaufsichtsrat nicht zustimmen, erklärte der Betriebsratsvorsitzende Osterloh. Der „Braunschweiger Zeitung“ sagte er, Volkswagen habe wegen seiner Geschichte in der Nazizeit eine besondere Verantwortung als Industriekonzern: „Volkswagen darf und muss moralisch sein.“

Für die Türkei ging es immer um ein Prestigeprojekt, für Volkswagen um die Zukunft der Produktion des Verkaufsschlagers Passat. Wenn das Investment scheitert, hieß es monatelang, dann müsse einerseits Volkswagen umdenken. „Wir erwarten von Volkswagen, dass sie nicht politisch, sondern wirtschaftlich entscheiden“, erklärte der türkische Industrie- und Technologieminister Mustafa Varank im Gespräch mit dem Handelsblatt im Herbst.

Statt in der angedachten Fabrik in Manisa nahe Izmir in Westanatolien wolle VW den Mittelklassewagen Passat und den baugleichen Skoda Superb in der slowakischen Fabrik Bratislava bauen. Dafür wolle VW zusätzliche Investitionen von einer halben Milliarde Euro bereitstellen. Dazu äußerte sich VW nicht.

Die bisherigen Fertigungsstandorte dieser Modelle in Emden und Kvasiny sollen früheren Informationen zufolge neue Modelle bekommen – Emden wird auf Elektroautos umgestellt, das tschechische Skoda-Werk soll künftig SUV bauen.
Ursprünglich hatte der Konzern für rund eine Milliarde Euro in Manisa ein Mehrmarkenwerk mit einer Jahreskapazität von 300.000 Fahrzeugen und rund 4000 Beschäftigten hochziehen wollen. Ende 2020 sollte mit dem Bau begonnen werden, der Produktionsstart wäre dann für 2022 vorgesehen gewesen.

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