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Spezialchemie-KonzernClariant-Chef Keijzer tauscht Vorstände aus und kündigt Konzernumbau an

CEO Conrad Keijzer bricht endgültig mit der Strategie seines Vorgängers Hariolf Kottmann. Der Spezialchemiekonzern setzt nun auf Dezentralisierung.Jakob Blume 22.06.2022 - 15:33 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Dem Schweizer Konzern steht ein größerer Umbau bevor.

Foto: Reuters

Zürich. Clariant-Chef Conrad Keijzer treibt den Umbau des Spezialchemiekonzerns voran: Wie das Unternehmen am Mittwoch in Basel mitteilte, beruft er drei neue Vorstände: Angela Cackovich, Jens Cuntze und Christian Vang. Zwei bisherige Mitglieder des operativen Vorstands, Hans Bohnen und Bernd Hoegemann, müssen das Unternehmen verlassen.

Zudem streicht Clariant zwei der insgesamt fünf Geschäftsfelder zusammen: In Zukunft will das Unternehmen das operative Geschäft nur noch in drei Sparten aufgliedern: Katalysatoren, Adsorptionsmittel und Additive sowie Pflegechemikalien.

Für den seit Januar 2021 amtierenden CEO Keijzer ist es der dritte und letzte Baustein des von ihm angestoßenen grundlegenden Konzernumbaus. Er hatte nach seinem Amtsantritt das Portfolio des Chemiekonzerns verschlankt und Geschäftsbereiche verkauft, die nicht mehr zur Strategie passen. Zudem hatte Keijzer dem Konzern, der unter anderem auch im Chemiepark Hoechst in Frankfurt einen großen Standort betreibt, Sparprogramme auferlegt und tausende Stellen gestrichen.

Der Clariant-CEO treibt den Umbau voran.

Foto: Clariant

Keijzer sagte im Gespräch mit dem Handelsblatt über den Umbau: „Das ist ein logischer Schritt. Wir haben uns im Laufe der Jahre verkleinert, da wir Geschäftsbereiche, die nicht zum Kerngeschäft gehören, veräußert haben. Aber das Unternehmen hatte die Managementfunktionen nie angepasst.“ Der jüngste Umbau dürfte nun insbesondere auf der oberen Managementebene für Einsparungen sorgen. So sollen insbesondere Doppelstrukturen aus Regionalleitern und Spartenchefs vermieden werden.

Vermeidung von Doppelstrukturen

Die neuen Vorstände übernehmen daher die Leitung der neu formierten Sparten und parallel dazu die regionale Verantwortung für jene Märkte, die für ihr Geschäftsfeld am wichtigsten sind. Cackovich kommt vom Klebstoffhersteller Tesa und leitet künftig die Additiv-Sparte sowie den europäischen Markt. Cuntze übernimmt das Geschäft mit Katalysatoren und die Verantwortung für Asien. Vang wird Chef der Pflegechemikalien und des US-Markts.

Verwaltungsratschef Günter von Au sagte: „Clariant hat in den letzten Jahren einen erfolgreichen Portfolioumbau vollzogen und ist heute ein echtes Spezialchemieunternehmen. Nun ist der richtige Zeitpunkt, die Organisation stärker auf die Kunden und Märkte auszurichten.“

Der Clariant-Chef setzt damit auf Dezentralisierung – und den endgültigen Bruch mit der Ära Kottmann. Hariolf Kottmann hatte die Geschicke von Clariant über ein Jahrzehnt maßgeblich mitbestimmt, als CEO, Verwaltungsratschef und Interims-CEO. Er hatte den Baseler Konzern durch die chaotische Zeit rund um die gescheiterte Übernahme Clariants durch den US-Konzern Huntsman geführt. Doch unter seiner Führung war Clariant stark zentralisiert und hierarchisch geprägt.

Die Nachwehen der Ära Kottmann – so stellt man es zumindest heute am Konzernsitz in Pratteln dar – bekam das Unternehmen im Februar zu spüren: Interne Whistleblower deckten auf, dass in der Buchhaltung von Clariant getrickst wurde. Rückstellungen und Abschreibungen wurden so verbucht, dass der Vorsteuergewinn (Ebitda) zu niedrig ausfiel – und der Anstieg im Folgequartal besser aussah.

Mit der neuen Management-Struktur geht Keijzer auch auf die Clariant-Belegschaft zu: „Es ist genau das, was unsere Mitarbeiter wollen.“ Bei einer internen Umfrage hätten Mitarbeiter vom Managementteam eine schnellere Entscheidungsfindung und einen stärker kundenorientierten Ansatz gefordert.

Applaus von Investoren

Die Strategie markiert jedoch auch einen neuen Ansatz für Zukäufe, erläutert Keijzer: „In der Vergangenheit haben wir uns auf große transformatorische Transaktionen konzentriert.“ Diese seien zentral aus der Zentrale in Pratteln gesteuert worden. Nun sollen vor allem die neuen Bereichsvorstände in ihren Märkten nach Übernahmezielen zu suchen: „Sie haben die wichtige Aufgabe, gut mit Kunden und Märkten vernetzt zu sein und kleinere Unternehmen zu identifizieren, die perfekt zu uns passen.“

Gleichzeitig soll die neue Struktur auch dabei helfen, die Unabhängigkeit von Clariant zu bewahren. Mit einer Börsenbewertung von rund 5,8 Milliarden Franken gilt der Spezialchemiekonzern in der Branche als Übernahmeziel. Hinzu kommt: Mit der Hauptversammlung am Freitag laufen Verträge mit dem Ankeraktionär Sabic aus, die es dem saudischen Chemieriesen unmöglich gemacht hatten, den 25-Prozent-Anteil an Clariant abzustoßen oder aufzustocken. Keijzer sagt dazu: „Wenn ein Unternehmen unterdurchschnittliche Leistungen erbringt, ist es anfälliger für eine Übernahme. Was ich als CEO tun kann, ist, die finanzielle Leistung zu verbessern.“ Er ist überzeugt: „Die Änderung unseres Management-Modells wird uns helfen, unsere Wachstumsziele zu erreichen.“

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Die Investoren teilen die Sichtweise des Konzernchefs: Die Aktie legt am Mittwoch zeitweise um rund fünf Prozent zu. Die Analysten der Baader Bank urteilten, der Umbau könnte „die Effizienz- und Einsparziele von Clariant beflügeln.“ Die Analysten von Vontobel schreiben, dieser werde für „zusätzliche Transparenz und Verantwortung“ sorgen. Ob das reicht, um die Eigenständigkeit zu bewahren, muss sich noch zeigen.

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