Thyssen-Krupp: Gutachten gibt positive Prognose für Stahltochter
Düsseldorf. Der Industriekonzern Thyssen-Krupp hat einen positiven Ausblick für seine krisengeschüttelte Stahltochter erhalten. Das von der Thyssen-Krupp AG und der Tochter Thyssen-Krupp Steel Europe AG gemeinsam beauftrage IDW-S11-Gutachten sei zu einer positiven Fortführungsprognose für die Stahlsparte des Konzerns gekommen, erklärte das Unternehmen am Sonntag.
Das Gutachten nach dem Standard IDW S11 gibt Auskunft über die rechnerische Sanierungsfähigkeit des Unternehmens, zeigt aber keine Maßnahmen auf, die aus der Krise herausführen könnten. Für Angaben zu weiteren Maßnahmen und der Wahrscheinlichkeit, mit der das Unternehmen Sanierungsmaßnahmen erfolgreich umsetzen und langfristig fortführen kann, wurde ein weiteres Gutachten nach IDW S6 beantragt.
Rein rechnerisch ist die Sanierung möglich
Durch den positiven Ausblick habe der Mutterkonzern Thyssen-Krupp nun eine Finanzierungszusage getroffen, die die Liquidität des Stahlgeschäfts in den kommenden zwei Jahren sicherstelle. Damit herrsche nun Klarheit über die Finanzierungssituation des Stahlbereichs. Der Konzern bestätigte damit einen Vorabbericht des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“.
Das Gutachten ist die Grundlage für die Finanzierung der Stahltochter durch den Mutterkonzern für die nächsten zwölf bis 24 Monate. Das Gutachten könne laut Insidern außerdem auch endlich Klarheit über die nötige Summe geben, die der Mutterkonzern seiner Stahlsparte beim geplanten weiteren Teilverkauf mitgeben sollte.
Das Industriekonglomerat hatte seine Stahlsparte in den vergangenen Jahren bei Investitionen derart knapp gehalten, dass einige Anlagen grundlegend erneuert werden müssen. Dies kostet viel Geld – wie auch eine Rücklage für die Pensionsverpflichtungen, die der Konzern bisher nicht ausfinanziert hat.
Anlagen und Pensionen kosten viel Geld
Thyssen-Krupp-Chef Miguel Lopez will die Stahlsparte verselbstständigen und in ein 50:50-Joint-Venture mit der Holding des tschechischen Milliardärs Daniel Kretinsky führen. Der Investor hatte in diesem Jahr bereits 20 Prozent des Stahlherstellers übernommen, in einem weiteren Schritt sollen noch 30 Prozent hinzukommen. Mit einem positiv ausfallenden Sanierungsgutachten ist dafür eine entscheidende Hürde genommen.
Lopez hatte sich mit dem damaligen Stahlchef Bernhard Osburg überworfen, der inzwischen mit zwei weiteren Vorstandsmitgliedern zurückgetreten ist. Die Erkenntnisse des jetzigen Gutachtens sind auch bedeutend für den neuen Businessplan für die konjunkturell geschwächte Stahlsparte.
Neuer Anlauf nach Meinungsverschiedenheiten
Immer wieder hatte der noch ausstehende Businessplan für die Stahlsparte für Aufregung gesorgt. Ursprünglich sollte der neue Plan bereits im April vorliegen, doch wegen Unstimmigkeiten zwischen den beiden Vorständen und unterschiedlichen Vorstellungen zur Performance war die Bekanntgabe immer weiter verschoben worden.
Der Konzern will seine Stahlsparte mit 26.000 Beschäftigten stark umbauen. Die Produktionskapazitäten des Stahlherstellers sollen aufgrund der anhaltend geringen Auslastung stark reduziert werden. Insider befürchten, dass an dem Szenario zwischen 9000 und 10.000 Arbeitsplätze hängen könnten.
Mit Agenturmaterial.
Erstpublikation: 24.11.2024, 16:52 Uhr.