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Voltaren, Sensodyne, Therma-Care Glaxo und Pfizer schaffen neuen Weltmarktführer für rezeptfreie Medikamente

Die beiden Arzneihersteller bündeln Marken wie Voltaren, Thermacare und Spalt in einem Milliarden-Joint-Venture. Der Börsengang ist bereits geplant.
19.12.2018 Update: 19.12.2018 - 17:29 Uhr Kommentieren
Das Schmerzgel wird von Glaxo-Smithkline aus Großbritannien produziert. Quelle: obs
Voltaren

Das Schmerzgel wird von Glaxo-Smithkline aus Großbritannien produziert.

(Foto: obs)

Düsseldorf, Frankfurt Monatelang hatte Pfizer-Chef Ian Read vergeblich einen Käufer für sein rund 3,5 Milliarden Dollar schweres Geschäft mit freiverkäuflichen Arzneimitteln (OTC) gesucht. Jetzt hat die Sparte eine neue Heimat gefunden: Pfizer bringt sie in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem OTC-Geschäft des britischen Konkurrenten Glaxo-Smithkline ein.

Dadurch entsteht ein Konzern, der auf Augenhöhe mit Johnson & Johnson aus den USA liegt. Mittelfristig könnten Glaxo und Pfizer zur klaren Nummer eins aufsteigen.

In dem Joint Venture mit aktuell 12,7 Milliarden Dollar Umsatz werden bekannte Marken zusammengeführt: Glaxo-Smithkline (GSK) bringt Produkte wie das Schmerzgel Voltaren, die Zahnpasta Sensodyne und Otriven-Nasentropfen ein. Pfizer besitzt Marken wie das Nahrungsergänzungsmittel Centrum, die Wärmepads Thermacare und die Schmerzpille Spalt.

Die Transaktion soll in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres abgeschlossen werden. An der Börse kamen die Pläne gut an: In London legten die Titel von GSK um mehr als sieben Prozent zu.

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Standort erkennen

    Beide Unternehmen hatten zuvor bereits angekündigt, ihre OTC-Segmente in selbstständige Einheiten zu verlagern. Deswegen sieht DZ-Bank-Analyst Elmar Kraus die Pläne für einen Zusammenschluss „als folgerichtige nächste Stufe“.

    In dem noch weitgehend fragmentierten Markt dürfte das neue Unternehmen in der Lage sein, große Synergien zu heben, erwartet er. Gleichzeitig verschafften sich beide Unternehmen mehr Spielraum zur Stärkung ihres Kerngeschäfts mit innovativen, rezeptpflichtigen Arzneien.

    Abspaltung geplant

    Die Briten werden mit 68 Prozent die deutliche Mehrheit an dem Gemeinschaftsunternehmen haben und auch die operative Führung sowie den Namen GSK stellen. Sie sehen das Joint Venture mit einem Marktanteil von 7,3 Prozent als global führend an. Bis zum Jahr 2022 sollen die gemeinsamen Kosten um umgerechnet 650 Millionen Dollar gesenkt werden.

    Angepeilt wird eine operative Marge im mittleren bis hohen 20-Prozent-Bereich. 2017 lag sie in dem Geschäftsbereich bei 17,6 (GSK) respektive 17,3 Prozent (Pfizer). Wie viele Stellen durch den Zusammenschluss wegfallen, wurde nicht konkretisiert. GSK-Chefin Emma Walmsley sagte, der Deal habe einen „unvermeidlichen Einfluss“ auf Arbeitsplätze.

    Pfizer will sich schon seit Längerem auf die Entwicklung innovativer Medikamente konzentrieren. Die seit 2017 amtierende Walmsley hingegen hat bisher immer die diversifizierte Struktur von GSK verteidigt und Forderungen zur Abspaltung zurückgewiesen. Jetzt soll genau dies kommen: Binnen drei Jahren will sich GSK in einen OTC- und einen Pharmahersteller aufteilen. Das Gemeinschaftsunternehmen mit Pfizer soll bis dahin abgetrennt und an die Börse gebracht werden.

    Den strategischen Schwenk erklärt Walmsley damit, dass die Kombination mit Pfizer eine einmalige Gelegenheit zur Neuausrichtung sei. GSK könne dadurch Investitionen in seine Pharmaforschung besser planen. Die Briten hatten kürzlich bekanntgegeben, für 5,1 Milliarden Dollar den US-Krebsspezialisten Tesaro übernehmen zu wollen. Dadurch soll die Pipeline in der wichtigen Krebstherapie gestärkt werden. Ein weiteres größeres Standbein von GSK ist das Impfstoffgeschäft.

    Die beiden Pharmagiganten treiben mit ihrem Deal die seit einigen Jahren laufende Konsolidierung im OTC-Markt weiter voran. So übernahm die französische Sanofi 2017 das Geschäft mit rezeptfreien Mitteln von Boehringer Ingelheim – die Deutschen bekamen im Gegenzug die Tierarznei-Sparte von Sanofi.

    Der Bayer-Konzern hatte 2014 die Consumer-Health-Division des US-Pharmakonzerns Merck & Co. für 14 Milliarden Dollar übernommen – ein Deal, an dem die Leverkusener wegen schlecht laufender Produkte noch heute zu knabbern haben. Die Darmstädter Merck KGaA wiederum verkaufte ihre rezeptfreien Mittel Mitte dieses Jahres für drei Milliarden Dollar an den Konsumgüterkonzern Procter & Gamble.

    Mehr E-Commerce

    Hinter der Neuordnung des Marktes und der nun angekündigten Zusammenlegung von GSK und Pfizer stecken zwei Entwicklungen. Zum einen brauchen die Pharmakonzerne im Kerngeschäft mit forschungsgetriebenen Arzneien mehr Finanzkraft und trennen sich daher von anderen Geschäften. Auch die Investoren fordern immer häufiger eine Fokussierung der Aktivitäten.

    Zum anderen sind im sogenannten Consumer-Health-Geschäft Größenvorteile gefragt. Denn die Wachstumsraten sind deutlich zurückgegangen und die Gewinnspannen kräftig unter Druck. Das Geschäft mit rezeptfreien Mitteln wird immer mehr zu einem typischen Konsumartikel-Markt: Lange Zeit wurden die Produkte im wichtigsten Markt USA allein über Apotheken und Pharma‧stores verkauft. Nun aber verlagert sich das Geschäft immer mehr in den E-Commerce.

    Neue Anbieter wie Amazon und andere Onlineplattformen drängen in das Geschäft – mit der Folge, dass die Preise rutschen und die etablierten Marken an Bedeutung verlieren. Die Pharmafirmen müssen kräftig ins Marketing und in die Produktentwicklung investieren. Dazu setzen sie auf Größe und gebündelte Vertriebskraft.

    Pfizer hatte sich bei dem Versuch, seine OTC-Sparte zu verkaufen, in den vergangenen Monaten eigentlich bei allen großen Playern einen Korb geholt. Die Preisvorstellung von angeblich 15 bis 20 Milliarden Dollar waren wohl zu hoch. Auch GSK hatte im Frühjahr bereits abgewinkt. Über den Weg des Joint Ventures findet der US-Konzern nun aber doch mit den Briten zusammen.

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