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Zahnschienen-Hersteller Smile Direct Club kommt mit Foto-Behandlung nach Deutschland

Der US-Vorreiter für Zahnschienen bringt seine Shops nach Deutschland – und will auf telemedizinische Behandlungen setzen. Das ist umstritten.
06.01.2020 - 08:46 Uhr Kommentieren
Die transparenten Zahnschienen sollen leichte bis mittlere Fehlstellungen der Zähne korrigieren können. Quelle: Imago
Aligner

Die transparenten Zahnschienen sollen leichte bis mittlere Fehlstellungen der Zähne korrigieren können.

(Foto: Imago)

Düsseldorf Die deutschen Aligner-Start-ups wie Dr Smile oder Plus Dental bekommen Konkurrenz aus den USA. Smile Direct Club (SDC) expandiert in den deutschen Markt, wie das börsennotierte Unternehmen Handelsblatt Inside vorab mitteilte. Im ersten Quartal 2020 wolle man bereits seine Zahnschienen hierzulande anbieten.

SDC ist einer der Vorreiter bei der Aligner-Therapie, über eine Dreiviertel Millionen Kunden hat das Unternehmen nach eigenen Angaben bereits behandelt. Bei einer Aligner-Therapie tragen die Patienten transparente Zahnschienen bis zu 22 Stunden täglich, um leichte Fehlstellungen von Zähnen zu korrigieren.

Die Aligner-Therapie geht auf den US-Konzern Align Technology zurück, der bis vor kurzem 19 Prozent an SDC hielt. Align Technology, das bis 2017 ein Patent auf die Aligner hatte, war exklusiver Lieferant für SDC. Nach 2017 öffnete sich der Markt, zahlreiche Start-ups drängten in das Feld – und bestimmten bisher auch den deutschen Markt. Das könnte sich nun ändern.

SDC plant hierzulande mit dem gleichen Geschäftsmodell wie in den weiteren sechs Ländern, in denen das 2014 gegründete Unternehmen aus Tennesse tätig ist. So haben Kunden die Möglichkeit, einen SDC-Shop aufzusuchen und dort per Interoral-Scan ein Modell des eigenen Kiefers erstellen zu lassen, anhand dessen die Aligner produziert werden.

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    Berlin und Hamburg werden womöglich die ersten deutschen Städte mit SDC-Shops sein, nach und nach will das Unternehmen in allen größeren deutschen Städten vertreten sein. Ob die dort angestellten Zahnärzte wie in den USA auf freiberuflicher Basis oder fest angestellt sein werden, ist noch unklar. Alternativ können Kunden sich ein Abdruck-Set mit Alginat-Masse nach Hause liefern lassen, um selbst ein analoges Kiefer-Modell zu erstellen und zu SDC zu schicken.

    Tele-Medizin kaum verbreitet

    Bei der weiteren Behandlung spielt Telemedizin eine wichtige Rolle. Nach 90 Tagen werden Kunden aufgefordert, Bilder ihres Mundraums in die SDC-Cloud hochzuladen, die ein Zahnarzt des Unternehmens begutachtet. Die durchschnittliche Behandlung dauert insgesamt sechs Monate.

    „Die absolut überwiegende Mehrheit lädt in den USA ihre Daten hoch, um schnell und einfach den Fortschritt der Behandlung sicherzustellen“, sagt Kay Oswald, Leiter der internationalen Geschäfte bei SDC, gegenüber Handelsblatt Inside.

    Tele-Zahnmedizin oder Teledentologie ist ein in Deutschland bisher kaum verbreitetes Phänomen – sicherlich auch, weil Videosprechstunden in der Zahnmedizin seltener möglich sind als in der Allgemeinmedizin. Allerdings könne Teledentologie dabei helfen, die Versorgung im ländlichen Raum zu sichern, sagt Oswald: „Teledentistry kann auch die Kostenexplosionen im Gesundheitsmarkt mit reduzieren.“

    Dass Teledentologie die Zahnmedizin sinnvoll ergänzen kann, sieht auch Wolfgang Eßer so, Präsident der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV), etwa bei der Versorgung von pflegebedürftigen Patienten oder in Pflegeheimen.

    Unter keine Umständen aber könne Teledentologie einen niedergelassenen Zahnarzt ersetzen, sagte Eßer Handelsblatt Inside: „Eine eingehende und gründliche Untersuchung sowie fachlich gesicherte interorale Befunde und präzise Diagnosen setzen immer zwingend den persönlichen Kontakt mit dem Zahnarzt in der Praxis voraus.“ SDC betont, Zahnärzte ergänzen, nicht ersetzen zu wollen.

    Rechtlich sind zahnmedizinische Videosprechstunden schon heute erlaubt, allerdings gibt es noch ein paar Regelungslücken. Die KZBV erarbeitet derzeit mit dem GKV-Spitzenverband eine Vereinbarung über die technischen Vorgaben für Videosprechstunden, die für eine Zertifizierung von Teledentologie-Anbieter verlangt werden.

    Der Berufsverband der Deutschen Kieferorthopäden (BDK) ist deutlich kritischer. Der Vorsitzende, Hans-Jürgen Köning, sagte Handelsblatt Inside: „Ich habe vielfach die Fotos gesehen, die Leute zur Überprüfung an die Aligner-Hersteller schicken. Dort ist oft rein gar nichts zu erkennen, was auf eventuelle Nebenwirkungen hinweist. Selbst wenn die Aligner-Start-ups eine sinnvolle Therapie anbieten würden, ist so eine ausschließlich telemedizinische Überwachung vollkommen nutzlos und gefährdet enorm die Patientensicherheit.“

    SDC-Manager Oswald entgegnet: „Smartphone-Kameras werden immer besser und damit auch die Qualität der Bilder. Teledentologie pauschal als minderwertige Qualität zu bezeichnen, zeugt von fehlendem technischen Wissen.“ Außerdem behandle SDC nur kosmetische Probleme.

    Mehr: Die Digitalisierung des Gesundheitswesens soll durch die Telematikinfrastruktur vorangetrieben werden. Nun hat der Chaos Computer Club Sicherheitslücken dabei aufgedeckt.

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