Intel: Chipkonzern will angeblich 20 Prozent der Stellen abbauen
Portland, Santa Clara. Der Chiphersteller Intel plant laut einem Medienbericht den Abbau von mehr als 20 Prozent der Stellen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg am Mittwoch unter Berufung auf eine mit der Angelegenheit vertraute Person. Die Maßnahme solle noch in dieser Woche bekannt gegeben werden. Ziel sei in erster Linie, Bürokratie abzubauen.
Die Entscheidung soll helfen, die Managementstrukturen zu vereinfachen und eine innovationsgetriebene Unternehmenskultur wiederherzustellen. Es wäre die erste große Umstrukturierung unter dem neuen Vorstandschef Lip-Bu Tan, der erst seit einem Monat im Amt ist. Ein Intel-Sprecher wollte gegenüber Bloomberg keinen Kommentar abgeben.
Bereits im Vorjahr hatte der Konzern angekündigt, 15.000 Stellen abzubauen. Bis Ende 2024 reduzierte sich die Belegschaft dadurch von 124.800 auf 108.900 Mitarbeiter.
Intel: Der neue CEO will den Chipkonzern umkrempeln
Tan möchte den traditionsreichen Technologiekonzern nach Jahren der Rückschläge gegenüber Konkurrenten wieder stärken. Das Unternehmen aus Santa Clara, Kalifornien, hat seinen technologischen Vorsprung verloren und versucht, im Bereich der künstlichen Intelligenz mit Nvidia mitzuhalten. Dies führte dazu, dass der Umsatz drei Jahre in Folge sank und die Verluste wuchsen.
Tan hat angekündigt, Geschäftsbereiche von Intel auszugliedern, die nicht zentral für seine Strategie sind, und bessere Produkte entwickeln zu wollen. So verkaufte das Unternehmen vergangene Woche 51 Prozent seiner Sparte für programmierbare Chips, Altera, an den Finanzinvestor Silver Lake.
Intel müsse neue Ingenieure einstellen, seine Finanzen stabilisieren und die Produktion stärker an den Wünschen der Kunden ausrichten, erklärte Tan im April auf einer hauseigenen Konferenz.
Am Donnerstag wird Intel die Ergebnisse des ersten Quartals präsentieren. Tan dürfte die Gelegenheit nutzen, seine Strategie genauer zu erklären. Analysten erwarten zwar, dass die größten Umsatzrückgänge überwunden sind. Es könne jedoch noch Jahre dauern, bis Intel das Niveau früherer Zeiten erreicht.
Expansionsbemühungen wurden großteils eingestampft oder verschoben
Der 65-jährige Tan ist seit vergangenem Jahr im Konzern und folgte im April auf Pat Gelsinger. Dieser wurde entlassen, weil er sein Sanierungskonzept für Intel nicht umsetzen konnte. Gelsinger hatte ein teures Projekt zur Erweiterung des Fabriknetzes gestartet und versucht, Intel zu einem Auftragsfertiger zu machen.
Intel hat viele seiner Expansionspläne verschoben. Dazu gehört auch eine geplante Anlage in Ohio, die einmal das größte Chip-Produktionszentrum der Welt werden sollte. Intel sollte auch der größte Empfänger von Geldern aus dem „2022 Chips and Science Act“ werden. Dieses Programm steht unter Präsident Donald Trump nun auf der Kippe.
Auch eine gemeinsame Produktion mit dem Auftragsfertiger TSMC, über die Anleger in den letzten Monaten spekuliert hatten, scheint ebenfalls unwahrscheinlich. TSMC-Chef C. C. Wei sagte vergangene Woche, das Unternehmen werde sich weiterhin auf sein eigenes Geschäft konzentrieren.
Das Unternehmen soll seinen Wettbewerbsgeist wiederfinden
In der Zwischenzeit hat Intel das lukrativste neue Geschäftsfeld der Chipindustrie seit Jahrzehnten verpasst. Das Unternehmen, das lange den Markt für PC- und Rechenzentrumsprozessoren dominierte, reagierte nur zögerlich auf den Trend zur Künstlichen Intelligenz (KI). Dieser machte Nvidia von einem Nischenanbieter zum wertvollsten Halbleiterunternehmen der Welt. Der Umsatz von Nvidia übertrifft inzwischen den von Intel.
Der ehemalige Intel-Chef Gelsinger hatte eingeräumt, dass das Unternehmen seinen Wettbewerbsgeist verloren habe. Er zeigte sich frustriert über die langsame Reaktion auf den sich wandelnden Markt. Tan erklärte bei seinem ersten öffentlichen Auftritt als CEO im April, dass der Wandel Zeit benötige. „Es wird nicht über Nacht geschehen“, sagte er. „Aber ich bin zuversichtlich, dass wir es schaffen können.“
Erstpublikation: 23.04.2025, 05:04 Uhr