Bundesliga: DFL verengt Investoren-Bieterfeld
Frankfurt. Bei der Investorensuche für einen Anteil an den Einnahmen aus den Bundesliga-Medienrechten will der Liga-Dachverband DFL Finanzkreisen zufolge das Bieterfeld bereits kommende Woche verkleinern. Voraussichtlich sollen am Dienstag zwei der fünf Bieter aus der ersten Runde aussortiert werden, wie mit der Angelegenheit vertraute Personen dem Handelsblatt sagten.
Den Finanzinvestoren EQT, Blackstone und CVC werden dabei gute Chancen eingeräumt, weiterzukommen. Allerdings spielt nicht nur der Preis eine Rolle. Die DFL verlangt in den Ausschreibungsunterlagen, die dem Handelsblatt vorliegen, auch klare Mehrwerte – vor allem ein internationales Netzwerk. Abzüge gibt es für Interessenkonflikte. Beobachter schätzen daher die Chancen von CVC als etwas geringer ein. Beworben haben sich auch die Investoren Advent und Bridgepoint – letzterer allerdings nur für einen Anteil an den internationalen Medienrechten. Diese Variante wird derzeit nicht mehr ernsthaft erwogen.
Die DFL will einen Anteil von sechs bis acht Prozent an den künftigen Fernsehrechten verkaufen und dabei 900 Millionen bis eine Milliarde Euro einnehmen, woraus sich eine Gesamtbewertung der zu schaffenden DFL MediaCo errechnen lässt. Für diesen Schritt hatte sich der Ligaverband erst am Montag von der Mitgliedervollversammlung mit einer knappen Zweidrittelmehrheit ein umfassendes Verhandlungsmandat besorgt.
Finanzkreisen zufolge bewertet das Gebot von EQT die gesamte MediaCo mit 12,7 Milliarden Euro. Die Offerte von CVC kalkuliert mit 12,5 Milliarden, die von Blackstone mit 11,9 Milliarden, Advent taxiert den Wert auf 10,8 Milliarden. Bridgepoint kommt mit seiner abweichenden Transaktionsstruktur hochgerechnet auf 13,8 Milliarden Euro. Bei einem im Frühsommer geplatzten Versuch eines Anteilsverkaufs hatten noch Bewertungen von 15 bis 18 Milliarden Euro im Raum gestanden.
Die Finanzinvestoren wollen Finanzkreisen zufolge alle einen Anteil in Höhe von glatt acht Prozent erwerben, bis auf EQT, die für 7,9 Prozent bietet. EQT und CVC wollen dafür jeweils eine Milliarde Euro zahlen, Blackstone 950 Millionen und Advent 850 Millionen. Das liegt im Erwartungsrahmen der DFL. Die DFL und die Finanzinvestoren lehnten Stellungnahmen ab.
Die DFL will sich in ihrer Bewertung der Angebote nicht nur von der Gebotshöhe leiten lassen, sondern bezieht auch Erfahrung in der Sportvermarktung ein und macht klare Vorgaben zur Corporate Governance.
In ihren Gesprächen mit den 36 Fußballklubs sei die Einhaltung „roter Linien“ zugesichert worden. Dazu gehört laut DFL-Beschlussvorlage, dass die DFL einen Bieter ablehnen könne, wenn dieser zehn Prozent oder mehr an einem direkten Wettbewerber hält. So ist CVC mit 13 Prozent an der französischen Ligue 1 und mit acht Prozent an der spanischen La Liga beteiligt. Das würde nach Einschätzung der DFL auch noch einer umfangreichen kartellrechtlichen Prüfung bedürfen. CVC ist zudem Eigentümer des Sportwettenanbieters Tipico.
CVC hat der DFL angeboten, dass es keine personellen Überschneidungen bei der Besetzung von Gremien der Ligen mit CVC-Vertretern geben soll, wie aus internen Unterlagen der DFL hervorgeht. Zudem sollen die Anreizsysteme für die lokalen CVC-Teams getrennt voneinander laufen und Informationsbarrieren zwischen diesen Teams errichtet werden. Gleichzeitig wirbt CVC mit möglichen Synergien etwa in der Vermarktung durch die Beteiligung an den verschiedenen Ligen. Allerdings sollen die Synergien nur gezogen werden, wenn es aus DFL-Sicht Sinn mache, wie eine mit der Angelegenheit vertraute Person sagte. Ihr zufolge argumentiert CVC auch damit, dass es nicht um einen Wettkampf der europäischen Fußballligen gehe, sondern vielmehr um den Kampf mit anderen Sportarten um Aufmerksamkeit im globalen Mediengeschäft.
Auch bei Blackstone hat die DFL den Unterlagen zufolge Interessenkonflikte ausgemacht. So ist Topmanager David Blitzer persönlich mit seiner Bolt Football Holdings an mehreren Klubs, darunter dem FC Augsburg, beteiligt. Das Problem könne gelöst werden, indem Blitzer kein Mitglied zentraler MediaCo-Gremien werde und indem sichergestellt werde, dass keine Informationen zu FC-Augsburg-Wettbewerbern an den Milliardär fließen.
Spannend ist in den Unterlagen auch: Die DFL behält sich weitere Teilverkäufe an der MediaCo vor, vorbehaltlich eines Vorkaufsrechts des künftigen Partners – und der Bedingung, dass dadurch keine Anteile verwässert werden.