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Morning BriefingUnd wenn Trump eines Tages Friedrich Merz entführen lässt?

05.01.2026 - 05:54 Uhr Artikel anhören
Morning Briefing

Venezuela: Einmal Regime Change und zurück

vor 2 Std.
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser!

War es eine gute Idee von Donald Trump, den Menschenschinder Nicolás Maduro in Venezuela gefangen nehmen zu lassen? Und wie wird dieser Schritt die Weltordnung verändern? Lassen Sie uns mit einem kleinen Gedankenexperiment beginnen, an dessen Ende Sie selbst entscheiden können, wie abseitig Sie es finden:

Nach dem Scheitern der derzeitigen Bundesregierung geht die AfD als stärkste Partei aus den anschließenden Neuwahlen hervor. Da sie jedoch die absolute Mehrheit verfehlt und niemand mit ihr koalieren will, hat die Partei keine Aussicht, ihre Spitzenkandidatin Alice Weidel als Bundeskanzlerin durchzusetzen. Stattdessen bleibt Friedrich Merz geschäftsführend im Amt – wie es das Grundgesetz vorsieht und obwohl er sich auf keine parlamentarische Mehrheit mehr stützen kann.

In den Monaten darauf mehren sich aus dem Weißen Haus die Forderungen, dem vermeintlichen Willen des Volkes zu entsprechen und Weidel die Regierungsgeschäfte zu übertragen. Im hiesigen politischen Establishment nimmt das niemand so recht ernst – bis Deutschland eines Morgens aufwacht und erfährt: US-Spezialkräfte haben Merz und seine Frau auf ein amerikanisches Kriegsschiff in der Nordsee verschleppt. Dem Rest der Bundesregierung diktiert Trump nun seine Forderungen:

  • ein Umbau der deutschen Autoindustrie zurück zum Verbrenner unter der Führung von Ford und General Motors
  • ein Ende der angeblichen „Zensur“ von US-Internetplattformen in Europa
  • Deutschlands Unterstützung für einen Anschluss Grönlands an die USA
Nicolas Maduro: Der Präsident von Venezuela wurde von US-Spezialkräften ausgeflogen. Foto: Jesus Vargas/dpa

Bis vor drei Tagen hätte ich solch einem Szenario zehn von zehn Absurditätspunkten gegeben. Inzwischen bin ich eher bei acht. Denn die US-Intervention in Venezuela hat uns einer letzten vermeintlichen Sicherheit in Bezug auf Trump beraubt: dass er kein Interesse an „Regime Changes“ in anderen Ländern hege.

„Der Angriff auf Venezuela ist ein Bruch mit einem Kernwahlversprechen dieser Regierung“, sagt die Politikwissenschaftlerin Cathryn Clüver Ashbrook von der Bertelsmann-Stiftung im Interview mit meiner Kollegin Dana Heide. Trumps zweite Amtszeit sei von Hybris geprägt:

Das Handeln steht im Vordergrund, die Konsequenzen werden oft unterschätzt.

In Venezuela gehe es Trump offenbar vor allem darum, die Öl- und auch Goldvorkommen des Landes für die USA zu sichern. Zugleich solle der Schlag gegen den venezolanischen Präsidenten Maduro China, Iran und Russland in die Schranken weisen, die mit Venezuela enge Beziehungen unterhalten.

Menschen in Venezuela verfolgen die Ansprache von Donald Trump. Foto: AFP

Über das weitere Vorgehen jedoch scheint in Washington das Trump-übliche Chaos zu herrschen. Clüver-Ashbrook:

Es gibt keinen Plan für die Zeit nach Maduros Entfernung aus dem Amt. Eigentlich wird in solchen Fällen hinter verschlossenen Türen mit der Opposition gesprochen, ein Plan erarbeitet. Stattdessen stellt sich Trump vor die Presse und sagt: Wir führen diesen Laden jetzt.

Wobei Washingtons Führungsanspruch gestern aus dem Mund von US-Außenminister Marco Rubio gar nicht mehr so entschlossen klang. Die USA halten sich demnach auch die Option offen, mit der verbliebenen Führung in Venezuela zusammenzuarbeiten, sagte Rubio in einem Interview mit CBS News:

Wenn sie nicht die richtige Entscheidung treffen, verfügen wir weiterhin über mehrere Einflussmöglichkeiten.

Ein auffälliger Gegensatz zu Trump, der am Samstag bei einer Pressekonferenz rund ein halbes Dutzend Mal wiederholt hatte, dass die USA künftig Venezuela „regieren“ würden.

Die aktuellen Entwicklungen im Venezuela-Konflikt finden Sie jederzeit in unserem Newsblog.

Eine Rekonstruktion des US-Überfalls auf Venezuela können Sie hier nachlesen.

Comeback der Mega-Deals

Die Zahl der weltweiten Fusionen und Übernahmen (Mergers and Acquisitions, kurz M&A) mit einem Volumen von mindestens zehn Milliarden Dollar ist 2025 auf ein neues Allzeithoch gestiegen, wie unsere Grafik zeigt.

Und dieser Trend dürfte sich fortsetzen. „Derzeit sprechen alle Faktoren für einen weiteren Anstieg der M&A-Aktivität im Jahr 2026“, so Tibor Kossa, der bei Goldman Sachs das Investmentbanking in Deutschland und Österreich verantwortet.

Jens Maurer, Chef des deutschen Investmentbankings bei Morgan Stanley, sagt: „Wir stehen am Anfang eines mehrjährigen globalen M&A-Zyklus.“ Der Hauptgrund: „Es befindet sich viel Liquidität im Markt“, so Maurer. „Das Geld will angelegt werden.“

Neue Vorstöße von Ministerin Reiche

Im Bundeswirtschaftsministerium von Katherina Reiche (CDU) gibt es Überlegungen, die Steuern für Unternehmen bereits im laufenden Jahr zu senken und nicht erst wie geplant ab 2028. Im Entwurf für den Jahreswirtschaftsbericht, der unserem Reporter Julian Olk vorliegt, heißt es: 2026 werde es ein Gesetz für „weitere Maßnahmen zur strukturellen Verbesserung der Unternehmensbesteuerung“ geben.

Auch die CSU will auf ihrer Fraktionsklausur ab Dienstag einen Beschluss in diese Richtung fassen. Das Vorhaben ist allerdings nicht mit der SPD abgestimmt.

Katherina Reiche (CDU): Ihre Steuerpläne sind nicht mit der SPD abgestimmt. Foto: Christoph Soeder/dpa

Das gilt auch für eine andere vom Wirtschaftsministerium ins Spiel gebrachte Idee: Eine Zusammenlegung von Bürgergeld, Wohngeld und Kinderzuschlag könnte bis zu 4,5 Milliarden Euro einsparen. Der Jahreswirtschaftsbericht soll Ende Januar vorgestellt werden.

Wegner: Stromausfall Folge von Terrorismus

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner stuft den Anschlag auf die Stromversorgung der Hauptstadt als Terrorakt ein. „Das ist nicht nur eine Brandstiftung oder Sabotage. Das ist schon Terrorismus“, sagte der CDU-Politiker im RBB.

Nach dem Brandanschlag auf eine Kabelbrücke am Teltowkanal, zu dem sich eine linksextremistische Gruppierung bekannte, waren am Samstagmorgen im Südwesten Berlins 45.000 Haushalte und 2.200 Unternehmen ohne Strom. Mittlerweile sei die Versorgung für etwa 14.000 Haushalte wiederhergestellt, so der Betreiber Stromnetz Berlin. Die übrigen Kunden müssen sich im schlimmsten Fall bis Donnerstagnachmittag gedulden.

Ein Elefant kennt seinen Platz

Einer der berühmtesten Elefanten Afrikas ist tot. Der Elefantenbulle Craig, bekannt für seine außergewöhnlich großen Stoßzähne, starb im Amboseli-Nationalpark im Süden Kenias im Alter von etwa 54 Jahren eines natürlichen Todes. Das teilte die kenianische Parkbehörde Kenya Wildlife Service mit. Ranger und Safari-Guides beschrieben Craig als ungewöhnlich ruhig für einen dominanten Bullen: Er habe häufig angehalten und stillgestanden, während Touristen ihn fotografierten. Nach Angaben der Parkbehörde „schien Craig seinen Platz in der Welt zu verstehen“.

Wenn das stimmt, wäre es beneidenswert. Denn damit dürfte Craig vielen Menschen etwas vorausgehabt haben.

Ich wünsche Ihnen einen reflektierten Jahresauftakt.

Herzliche Grüße,

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Ihr
Christian Rickens

PS: Einige von Ihnen haben es womöglich bei LinkedIn verfolgt – meine Zeit beim Handelsblatt und damit auch beim Morning Briefing neigt sich dem Ende entgegen. Voraussichtlich zum 1. März übergebe ich den morgendlichen Weckdienst an meinen Kollegen Sven Prange, der das sicher ganz großartig machen wird. Hier können Sie die Hintergründe nachlesen. Ich freue mich umso mehr auf die gemeinsamen Wochen, die noch vor uns liegen.

cri
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