Fußball: Nationalmannschaft reißt Millionen-Loch in die Bilanz des DFB
Frankfurt. Ungewohnte Glücksgefühle stellten sich Anfang der Woche beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) ein. In der Frankfurter Zentrale, dem „Campus“, empfing man, fast schon euphorisiert, die eigene U-17-Jugend-Nationalmannschaft. Sie war gerade Weltmeister geworden.
Ähnliche Erfolge vermissen die DFB-Verantwortlichen seit Langem bei ihrer größten Attraktion, der Männer-Nationalelf. 2014 wurde sie noch Weltmeister. In den letzten drei großen Turnieren aber schieden die Parade-Kicker früh aus, zweistellige Millionenprämien gingen verloren. Die chronischen Misserfolge lasten auf der Bilanz des weltgrößten Sportverbands – die Nationalmannschaft als Vorlagengeber für rote Zahlen. Das zeigt der Finanzbericht 2022, der dem Handelsblatt exklusiv vorliegt.
Es ist ein Dokument ungeschminkter Wahrheit, aber auch leiser Hoffnung. Demnach machte der gemeinnützige DFB e.V. rund 4,2 Millionen Euro Verlust; ohne Sondereffekte wären es sogar minus 17,5 Millionen gewesen. Der Verband braucht dringend jene 23 Millionen Euro Gewinn, die eine neu formierte wirtschaftliche Tochterfirma ablieferte: die DFB GmbH & Co.KG.
Es sei „insgesamt noch ein akzeptables wirtschaftliches Ergebnis, wenn man bedenkt, dass die Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Katar in der Vorrunde ausschied und wir es mittlerweile mit einem strukturellen Defizit zu tun haben“, erklärt Stephan Grunwald. Das grundlegende Finanzloch beziffert der Schatzmeister und Finanzdirektor auf 19,5 Millionen Euro.