Filmbranche: Amazon will angeblich James-Bond-Studio MGM kaufen
Dem Hollywood-Studio MGM gehört die gesamte James-Bond-Filmbibliothek.
Foto: dpaLos Angeles. Der weltgrößte Onlinehändler Amazon macht einem Medienbericht zufolge Jagd auf 007. Amazon führe Kaufgespräche mit dem James-Bond-Studio MGM, berichtete die Technologienachrichtenplattform „The Information“ unter Berufung auf eine mit der Angelegenheit vertraute Person. Der aktuelle Stand der Verhandlungen sei unbekannt, und die Gespräche könnten auch ergebnislos bleiben.
Dem 1924 gegründeten Hollywood-Studio, das für sein Firmenlogo mit dem brüllenden Löwen bekannt ist, gehört die gesamte James-Bond-Filmbibliothek. Zudem betreibt MGM den Kabelkanal Epix. Darüber hinaus produziert das Studio bekannte Fernsehserien wie „The Handmaid's Tale“, „Fargo“ und „Vikings“. Amazon wollte keine Stellung nehmen.
Reuters-Informationen aus dem Dezember zufolge erwägt MGM einen Verkauf und hat Morgan Stanley sowie Lion Tree mit dem Prozess beauftragt. Der Firmenwert wird demnach mit 5,5 Milliarden Dollar veranschlagt.
Dahinter setzt eine Auslese ein. So beschloss diese Woche der US-Telekomriese AT&T, seine Mediensparte Warner Media (CNN, HBO, Warner Bros.) mit dem Rivalen Discovery zusammenzulegen, um das Streamingangebot zu stärken. Und in Frankreich wollen die beiden großen TV-Gruppen TF1 und M6 fusionieren.
MGM ist eines der wenigen Hollywood-Studios, das nicht Teil eines Großkonzerns ist. Die Konkurrenz von Warner Bros. gehört noch zu AT&T, Fox zum Unterhaltungsriesen Disney, Universal zum Kabelkonzern Comcast und Paramount zum Medienriesen Viacom CBS. Größter Anteilseigner von MGM ist der Hedgefonds Anchorage Capital, der nach der Finanzkrise ab 2010 in die strauchelnden MGM-Studios investierte.
MGM hat wie der Rest der Branche in der Pandemie unter geschlossenen Kinos zu leiden, der Start der Blockbuster-Hoffnung „No Time to Die“ aus der James-Bond-Reihe musste bereits mehrfach verschoben werden.
Dagegen boomt mit fehlenden Ausgehmöglichkeiten in Nordamerika und Europa das Video-Streaming zu Hause. Die Anbieter investieren mittlerweile neben dem Ankauf von Lizenzen auch viel Geld in eigene Produktionen. Amazon etwa schraubte die Ausgaben für Inhalte vergangenes Jahr von 7,8 auf 11 Milliarden Dollar hoch.