Sparprogramm: Pro Sieben will sparen und streicht Hunderte Stellen
Berlin. Der Fernsehkonzern Pro Sieben Sat 1 plant einem Medienbericht zufolge einen weiteren Jobabbau. Firmenchef Bert Habets werde ein neues Sparpaket bei der Bilanzpressekonferenz am 6. März vorstellen, berichtete das „Manager Magazin“ am Donnerstag.
Habets wolle „grob 500 Stellen“ streichen, und der Abbau sei bereits mit dem Betriebsrat verhandelt. Der Schnitt in die Personaldecke werde maßgeblich das Fernseh- und Streaminggeschäft mit zurzeit noch etwa 4000 Mitarbeitern treffen, hieß es. Auch bei den Sachkosten solle gespart werden. Pro Sieben Sat 1 äußerte sich zunächst nicht konkret dazu. Wie alle Medienunternehmen sei man in der Transformation.
Der Konzern aus Bayern steht derzeit unter Druck – vor allem der Großaktionäre MFE aus Italien und PPF aus Tschechien. Mit dem Machtkampf mit den beiden Investoren hatte jüngst der scheidende Pro-Sieben-Sat-1-Aufsichtsratschef Andreas Wiele seinen Abgang begründet.
Wiele scheidet zur Hauptversammlung am 28. Mai aus dem Kontrollgremium aus und steht für keine zweite Amtszeit bereit – weil ihm dafür die Rückendeckung von MFE, das von der Berlusconi-Familie kontrolliert wird, und von PPF fehlt. Der italienische Fernsehkonzern MFE-Mediaforeurope steht mit einem Anteil von 29,99 Prozent an Pro Sieben Sat 1 kurz vor der Schwelle, die ein Pflichtangebot für die übrigen Anteile an dem bayerischen Fernsehunternehmen nach sich zöge.
Mögliche Übernahme nach Bundestagswahl
Die Italiener haben sich nach eigenen Angaben jüngst Kredite über 3,4 Milliarden Euro für ihre internationalen Expansionspläne gesichert. Der Berlusconi-Familie schwebt ein paneuropäischer Medienkonzern vor, der Streaminganbietern wie Netflix Paroli bieten kann.
Die Italiener und auch der tschechische Aktionär PPF mit knapp 13 Prozent haben das Pro-Sieben-Sat-1-Management wiederholt aufgefordert, möglichst rasch Vermögenswerte außerhalb des Kerngeschäfts TV und Unterhaltung zu verkaufen. Die Investoren haben gemahnt, Habets solle die geplanten Verkäufe des Vergleichsportals Verivox und des Online-Kosmetikanbieters Flaconi schnell umsetzen.
In der Branche wird spekuliert, dass MFE nach der Bundestagswahl und nach der Bilanzvorlage von Pro Sieben Sat 1 eine schon lange erwartete Übernahme des deutschen Konzerns starten könnte.