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Wer 2018 verstarbAbschied von großen Personen aus Wirtschaft, Politik, Kultur und Wissenschaft

Karl-Erivan Haub, George und Barbara Bush, Winnie Mandela: Die Liste der Persönlichkeiten, die der Welt fehlen werden, ist auch 2018 zu lang. 13.12.2018 - 21:50 Uhr Artikel anhören
Foto: Polaris /Studio; Tom Rathmann

Karl-Erivan Haub: Ihm ging es um die große Linie

Bei meinem Freund „Charlie“ denke ich insbesondere an drei Eigenschaften, die den Menschen und Unternehmer Karl-Erivan Haub ausmachten.

Zunächst die Hartnäckigkeit und Bestimmtheit, mit der Haub seine einmal ins Auge gefassten Ziele beharrlich verfolgte. Nach der Übernahme der Verantwortung bei der in schweres Fahrwasser geratenen Firmengruppe seines Vaters hatte er – auch indem er dem Rat erfahrener Unternehmer von außen vertraute – schnell erkannt, dass die aus einer Vielzahl von über Jahrzehnte zusammengekauften Firmen bestehende Gruppe ohne einschneidende Veränderungen nicht überlebensfähig war.

Es musste radikal umgebaut werden, dies setzte er in einer ernsthaften Auseinandersetzung mit seinem Vater durch. Es gelang ihm am Ende gemeinsam mit seiner Mutter Helga auch, trotz des Disputs die Einheit der Familie zu erhalten und gleichsam die unternehmerisch notwendigen Dinge zu tun. In einem Kraftakt, bei dem auch die Kreditgeber überzeugt werden mussten, gelang der Turnaround.

Der Vater beklagte jedoch fürderhin, dass sein Sohn alle die schönen Waggons, die er über Jahrzehnte an den Tengelmann-Zug angehängt hatte, einen nach dem anderen wieder abhängen würde. Diese anklagende, melancholische Haltung seines Vaters belastete Karl-Erivan, ich vermute bis zu seinem Lebensende. Aber er hatte die Unterstützung seiner beiden Geschwister Christian und Georg sowie seiner geliebten Mutter Helga errungen, und gemeinsam setzte das Team die weiteren Schritte um.

Der letzte große Akt des Umbaus war der Verkauf des früheren Herzstücks der Handelsaktivitäten im Lebenseinzelhandel, die Läden der Tengelmann-Gruppe. Er hätte dies sicher schon früher getan, aber dem Vater zuliebe hielten die Brüder Christian und Karl-Erivan – Christian war CO-CEO geworden – lange an diesem Verlustbringer fest.

Als es nicht mehr ging, hatten viele andere Händler bereits ihre Unternehmen an die Branchenriesen verkauft, sodass es jetzt nur mit Zustimmung des Kartellamtes ging. Als diese verweigert wurde, kämpfte er mit größter Beharrlichkeit um die Ministererlaubnis. Die meisten Beobachter dachten, dass dies ohne Erfolg bleiben würde – sie irrten. Diese Geschichte ist allseits bekannt.

Patrick Adenauer und Karl-Erivan Haub, beide Jahrgang 1960, kannten sich seit fast 30 Jahren. Die beiden in Köln lebenden Familien sind eng befreundet. Haub und Adenauer assoziierten als jeweilige Präsidenten die Vereine „Family Business Network International e.V.“ (FBN) und „Die Familienunternehmer e.V. „ und waren seither wechselseitig Vizepräsident des anderen.

Foto: Polaris /Studio; Tom Rathmann

Die zweite Eigenschaft, die Haub auszeichnete, war ein Auge für unternehmerische Talente und Entwicklungen. Er erkannte beispielsweise die Fähigkeiten von Stefan Heinig und ermöglichte ihm in Partnerschaft die Gründung von Kik und später Tedi, zwei großen Erfolgstorys.

Mit der gleichen Weitsicht erkannte er die Bedeutung der Digitalisierung und investierte als einer der Ersten bei Zalando und Co. Dabei wiederum vertraute er auf die Fähigkeiten der Gebrüder Samwer. Aus dem Händler, der er vielleicht nie gewesen ist, wurde ein in der Wolle gefärbter Entrepreneur, der Neues anging und, wo nötig, Altes hinter sich ließ.

Karl-Erivan Haub handelte im Grunde seines Herzens nach dem Motto „leben und leben lassen“. Ihm ging es um die große Linie. So dachte er nicht nur an das Erbe im Sinne eines Vermögens, das es im Goethe’schen Sinne zu erwerben galt, um es zu bewahren.

Er dachte auch an das Erbe, das die Gründungsväter dieser Republik uns hinterlassen hatten: die Soziale Marktwirtschaft. Erbe und Auftrag zugleich! Die Geschichte der Bundesrepublik ist auch eine Geschichte der Familie Haub, die zu deren Erfolg ihren Teil beigetragen hat.

Ein Streiter für den Umweltschutz

Darin war sein Engagement für die Allgemeinheit begründet, sein Bemühen um Ausgleich, seine Sorge um das Wohl der Mitarbeiter – und viele wohltätige Dinge, um die er nicht viel Aufhebens machte, sondern sie einfach umsetzte. Dies ist die dritte Eigenschaft, die ich hier herausstelle: seine Menschlichkeit.

Als Präsident des Family Business Network (FBN) Deutschland und später als weltweiter Chairman setzte er sich für die Belange der Familienunternehmen ein, des deutschen Erfolgsmodells schlechthin. So warb er aus Überzeugung für den Familienunternehmerkapitalismus als nachhaltige und den Menschen zugewandte Unternehmensgattung, aus eigener Erfahrung wohl wissend, welche inhärenten Probleme damit verbunden sind.

Schon früh hatte sich sein Vater für die Fragen des Umweltschutzes interessiert und als Vorreiter nicht nachhaltige Produkte aus seinem Sortiment verbannt. Das übertrug sich auf den Sohn. Sein Leinenjutebeutel mit Tengelmann-Umweltfrosch und -Schildkrötenlogo war legendär. Wenn er damit zum Abendessen bei der Kanzlerin auftauchte, verstand jeder auf Anhieb die Jute-Botschaft. Er war ein früher Verfechter von Energiewende und Elektromobilität – hier konnte man herrlich mit ihm streiten.

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Das sind die Menschen des Jahres 2018

Die sich mit seinem zunehmenden Erfolg für ihn und seine Familie ergebenden Möglichkeiten wusste er zu nutzen, blieb aber trotzdem auf dem Boden. Und wenn es nötig wurde, ließ er sich auch von seiner Familie wieder auf den Boden zurückholen. Bei seiner geliebten Frau und seinen Kindern fühlte er sich geborgen. Seinen langjährigen Freunden war er eng verbunden und konnte ausgiebig mit ihnen feiern.

Die Freude an der Schöpfung war Karl-Erivan Haub in die Wiege gelegt. So verbrachte er viele Wochen in und auf den Bergen aller Kontinente mit seiner großen Leidenschaft, dem Bergsteigen und dem alpinen Skiwandern. Die Einsamkeit suchte er als Ausgleich für die zunehmende Hektik im Geschäft.

Besonders liebte er die Zermatter Bergwelt, die er seit den Studienzeiten in Sankt Gallen mit seinen Schweizer Freunden durchstieg. Dieser Leidenschaft nachgehend, gilt er seit dem 7. April als verunglückt und liegt seither tief im Gletschereis an seinem geliebten Matterhorn begraben, dem Berg, den er mehrfach bestiegen hatte. Sein unternehmerischer wie gesellschaftlicher Auftrag bleibt für seine Familie wie für uns alle. Patrick Adenauer

Foto: imago/ZUMA Press

Foto: Agenzia Sintesi / VISUM

George & Barbara Bush: Freunde Deutschlands

Er folgte seiner Ehefrau nur wenige Monate später in den Tod. Ende November verstarb der ehemalige US-Präsident George H. W. Bush im Alter von 94 Jahren, Barbara Bush war im April gestorben. Die beiden waren 73 Jahre lang verheiratet, hatten sechs Kinder.

Es war ein Leben voller Rückschläge: der Einsatz von Bush im Zweiten Weltkrieg, seine Wahlniederlage als Senator, einer der Söhne starb mit drei Jahren an Leukämie. Dennoch strahlten beide mit einer konservativen Grundhaltung Offenheit und Lebenslust aus. Zum Entsetzen einiger Parteifreunde pflegten sie beispielsweise eine Freundschaft zu Bill Clinton. Trotz seiner Parteizugehörigkeit suchte George H. W. Bush das Gespräch mit dem politischen Gegner. „Sein Charakter war von höchster Güte“, sagte sein Sohn George W. Bush, der als 43. Präsident ebenfalls die USA regierte.

Der Tod seiner 92-jährigen Frau muss George H. W. Bush schwer getroffen haben. Seit Jahrzehnten wurde sie wegen der Autoimmunkrankheit Morbus Basedow behandelt, 2009 folgte eine Herzoperation. Er litt an Parkinson, wurde immer wieder im Krankenhaus behandelt. Vor rund zweieinhalb Jahren brach er sich bei einem Sturz einen Halswirbel, saß seitdem im Rollstuhl.

Der ehemalige US-Präsident entstammte privilegierten Verhältnissen. Sein Vater Prescott Sheldon Bush war Senator. Er selbst war der jüngste Kampfpilot der US-Navy im Zweiten Weltkrieg, studierte Wirtschaftswissenschaften an der renommierten Yale-Universität und verdiente Millionen im texanischen Ölgeschäft.

Nach vergeblichen Anläufen, in den US-Senat einzuziehen, schickte ihn der damalige Präsident Richard Nixon als Botschafter zu den Vereinten Nationen in New York, später wurde er Chef des Geheimdienstes CIA. Dort machte er Ronald Reagan auf sich aufmerksam, der ihn zum Vizepräsidenten ernannte. In dem Amt und als Nachfolger Reagans setzte er sich für eine moderate Politik gegenüber der Sowjetunion und China ein, unterstützte die Einheit Deutschlands.

Bush war mit Kanzler Helmut Kohl befreundet, trank leidenschaftlich gern deutsches Bier. Als Erster nahm er Ende der 1980er-Jahre das Wort „Wiedervereinigung“ in den Mund, überredete Michail Gorbatschow, Margaret Thatcher und François Mitterrand beim Treffen am 3. Dezember 1989 in Malta, dem Vorhaben zuzustimmen. Bush hielt sich klug zurück; er wolle „nicht auf der Mauer tanzen“, sagte er einmal – um Gorbatschow nicht unter Druck zu setzen. Kohl nannte Bush einen „Glücksfall“.

Der 41. Präsident der USA war ein Mann der Mäßigung. Nach der Kuwait-Invasion durch den Irak führte Bush 1991 eine militärische Allianz an, die das Gebiet im Ersten Golfkrieg in kurzer Zeit zurückeroberte. Anders als später sein Sohn stoppte er aber die Panzer an der Grenze zum Irak.

Bei allen Verdiensten, es bleibt ein Nachgeschmack. Denn sein Sohn George W. Bush zeigte im Wahlkampf 2000 erstmals das neue, hässliche und radikale Gesicht der amerikanischen Politik. Politikberater wie Karl Rove führten Schlammschlachten und persönliche Angriffe in den Wahlkampf ein, die zwar seinem Sohn zum Sieg verhalfen, aber unter H. W. Bush undenkbar gewesen wären. Heute gehören sie mit Donald Trump zur Tagesordnung. E

ine bittere Ironie war da die Kontroverse zwischen Jeb Bush, seinem Sohn und Präsidentschaftskandidaten 2016, und Trump. Sein Programm, so Trump damals, sei „Babykram“ und „erbärmlich“. Nach seiner Niederlage sagte Jeb Bush, er erkenne das heutige Amerika nicht wieder. Das hätten auch seine Eltern sagen können. Thomas Jahn

John McCain: Der Kampf seines Lebens

Einen seiner letzten großen Auftritte in der US-Politik absolvierte John McCain von schwerer Krankheit gezeichnet. Im Sommer 2017 trug sein Nein-Votum im US-Senat dazu bei, dass die Republikaner die umstrittene Gesundheitsreform von Barack Obama nicht komplett kippen konnten.

McCain reiste mit einem Hämatom an der Augenbraue in den US-Kongress, sein Kopf trug Spuren von Operationen, die seinen wuchernden Hirntumor bekämpfen sollten. Er errang einen letzten politischen Sieg, aber verlor am 25. August 2018 den Kampf gegen den Krebs, wenige Tage vor seinem 82. Geburtstag.

Mehr als 30 Jahre diente er auf dem Capitol Hill als Senator von Arizona, seine Schlussphase widmete er dem Widerstand gegen US-Präsident Donald Trump. McCain galt in vielen Bereichen als Falke, war Unterstützer der Kriege in Afghanistan und im Irak. Als Vorsitzender des einflussreichen Verteidigungsausschusses setzte er sich aber auch für sicherheitspolitische Allianzen mit Europa ein.

Mit Trump, der Freihandel, Multilateralismus und Haushaltsdisziplin aufkündigte, hatte er kaum Werte gemein. Beide Politiker gerieten heftig aneinander. Trump lästerte über den Veteranen, der fünf Jahre im Vietnamkrieg im Gefängnis saß, dass er Helden bevorzuge, „die nicht geschnappt werden“.

McCain hatte zweimal in seiner Karriere versucht, selbst Präsident zu werden. 2000 scheiterte er in der Vorauswahl an George W. Bush. Bei seiner Kandidatur 2008, als er im Doppelpack mit der ultrakonservativen Sarah Palin antrat, verlor er gegen Obama. Innenpolitisch drängte er seine Partei häufig zu mehr Gerechtigkeit, wollte ein Einwanderungsgesetz und eine Parteispendenreform vorantreiben.

Zur Jahrtausendwende soll er ernsthaft darüber nachgedacht haben, zu den Demokraten zu wechseln.
Mit dem Tod McCains ist nun eine Stimme mehr verschwunden, die der Radikalisierung der Republikaner etwas hätte entgegensetzen können. McCain hinterlässt seine Ehefrau Cindy McCain und sieben Kinder. Annett Meiritz

Foto: Merlijn Doomernik

Sergio Marchionne: Ausnahmegestalt der Autowelt

Mit Sergio Marchionne hat die Autowelt eine Ausnahmegestalt verloren. Der Fiat-Chrysler-Chef war ein Querdenker, der mehr als einmal seine Zweifler widerlegt hat. Der Manager, sein Markenzeichen war der dunkelblaue Pulli, war 2004 an die Fiat-Spitze gerückt, als das italienische Traditionsunternehmen am Boden lag. Dem Italokanadier gelang es nicht nur, Fiat zu sanieren. Er übernahm wenige Jahre später auch den ebenfalls heftig angeschlagenen US-Rivalen Chrysler.

Dort vollbrachte er sein nächstes Wunder und schmiedete schließlich aus den beiden kriselnden Unternehmen einen profitablen Autokonzern. Marchionne galt nicht nur wegen seines Kleidungsstils als bunter Hund in der Autobranche. Der Manager, der als Kind mit seinen Eltern aus den Abruzzen nach Kanada emigriert war, hatte vor Fiat keinerlei Autoerfahrung.

Der Musikliebhaber mit zwei Universitätsabschlüssen in Philosophie und Jura und einem MBA hat auch erst spät die Managementkarriere eingeschlagen. Zuvor hatte er als Steuerberater und Wirtschaftsprüfer gearbeitet. Bevor er in die Autobranche wechselte, arbeitete er als CEO von Alusuisse. Der Kettenraucher, der sich und seinen Mitarbeitern extrem viel abverlangte und stets zwischen Turin und Detroit pendelte, starb mit 66 Jahren in einem Schweizer Krankenhaus. Katharina Kort

Kofi Annan: Ein Hauch von Heiligkeit

Ein Bild von Kofi Annan bleibt unvergessen – es ist der Moment, als er 2001 über Kopfhörer von den Terroranschlägen in New York erfährt. Der Blick vertieft, das Gesicht nachdenklich-traurig. Annan war ein Mann, der sich einprägte. Der mit sonorer Wohlfühlstimme die meisten seiner Zuhörer verzauberte.

Der frühere Generalsekretär der Vereinten Nationen (1997 bis 2006) verknüpfte in seinen Reden Weisheit, Pathos und Banalität mit meisterhafter Eleganz. „Ich wollte die symbolische Kraft des Jahrtausends für die wirklichen Bedürfnisse der Menschen überall nutzbar machen“, sagte der studierte Volkswirt nach dem UN-Millenniumsgipfel 2000. An anderer Stelle beteuerte er: „Ich verstehe das Böse nicht.“

Sein Charisma und sein Fleiß ebneten ihm den Weg vom Rechnungswesen der Weltgesundheitsorganisation in Genf bis in die Chefetage der Vereinten Nationen in New York. Seine Herkunft aus einem Adelsgeschlecht an der afrikanischen Goldküste (heute Ghana) erklärt mitunter sein Selbstvertrauen, das seinen Untergebenen imponierte, sie aber nie einschüchterte.

Annan gab den Vereinten Nationen wie kein anderer Generalsekretär zuvor und danach ein Gesicht. Er und die UN verschmolzen zu einer Einheit. „Ich habe mich mein Leben lang mit den UN beschäftigt“, erläuterte der frühere deutsche Botschafter bei den UN, Günter Pleuger. „Dies ist mein fünfter Generalsekretär. Kofi Annan ist der beste.“

Doch bei einer nüchternen Analyse fällt die Bilanz des Hochgelobten eher gemischt aus. Der erste UN-Generalsekretär aus einem afrikanischen Land südlich der Sahara setzte den Kampf gegen die Armut ganz oben auf die internationale Agenda. Er und die UN wurden mit dem Friedensnobelpreis geschmückt. In Erinnerung bleibt auch sein couragiertes Nein gegen die völkerrechtswidrige Invasion in den Irak durch die USA und Großbritannien. Ein Widerspruch, der Annans Ruhm als moralische Instanz mehrte.

Doch die von ihm propagierte große UN-Reform endete als Stückwerk. Seine Forderung, den Sicherheitsrat zu modernisieren, verhallte ohne Wirkung. Annan musste gestehen: „Meine Pläne waren ambitioniert, einige würden sogar sagen: überambitioniert.“

Nach dem Tod des ehemaligen Generalsekretärs im August 2018 bleibt, wie ein langjähriger Weggefährte meinte, ein „Hauch von Heiligkeit“, der Annan umwehte. Jan Dirk Herbermann

Paul Allen: Technologe und Wohltäter

Mit erst 22 Jahren gründete er mit seinem Freund aus Kindheitstagen, Bill Gates, damals 19, die Firma Microsoft. Paul Allen war der Ideengeber, Gates das Vertriebsgenie. Fünf Jahre später kam für das Duo der große Durchbruch, als IBM sich auf Personalcomputer (PC) verlegte und Microsoft bat, das Betriebssystem beizusteuern. Sie kauften billig ein rudimentäres Microcomputer-Betriebssystem, nannten es MS-DOS. Es wurde für Microsoft und IBM zu einem Wendepunkt in ihrer Geschichte.

Die aus Seattle stammenden Gates und Allen wurden mit dem Siegeszug der PCs Milliardäre. Allen blieb nur acht Jahre bei Microsoft, die Jugendfreundschaft der beiden Gründer erkaltete. In seinen Memoiren „Idea Man“ erinnerte er sich an eine belauschte Konversation zwischen Gates und dessen starkem Mann, Steve Ballmer. Die beiden hätten geplant, Allens Anteil am Unternehmen über Aktientricks zu vermindern. Er leiste nicht genug. Doch Allen wehrte sich, behielt seine Anteile, und wurde zu einem der reichsten Menschen der Welt.

Sein größtes Investment später war der Kauf von 18,5 Prozent des Animationsstudios Dreamworks. Allens Immobilienfirma Vulcan baute einen Großteil des Amazon-Campus in Seattle.

Im Laufe der Jahrzehnte spendete Allen mehr als zwei Milliarden Dollar, etwa für die Erhaltung der Ozeane, Initiativen gegen Obdachlosigkeit und Forschung. Zudem war der begeisterte Sportfan Besitzer des American-Football-Klubs Seattle Seahawks und der Profi-Basketballmannschaft Portland Trail Blazers.

Seine Schwester Jody Allen würdigte ihren Bruder. „Die meisten mögen Paul Allen als Technologen und Wohltäter kennen, doch für uns war er ein heiß geliebter Bruder und Onkel, ein außerordentlicher Freund.“ Paul Allen starb im November 2018 im Alter von 65 Jahren an Non-Hodgkin-Lymphom, auch als Lymphdrüsenkrebs bekannt. Axel Postinett

Ingvar Kamprad: Er war Ikea

Richtig schlau ist man aus ihm selten geworden. Mal wollte er aufhören, dann wieder nicht, mal sah er seinen Sohn Peter als seinen Nachfolger, kurz darauf glaubte er nicht, dass dessen Begabung für die Leitung eines Weltkonzerns ausreichen würde. Mal hatte er Ärger mit der Steuer, mal schenkte er Millionen für wohltätige Zwecke. Es passte vieles nicht zusammen, aber so ist es mit den Möbeln ja auch: Mal fehlt hier ein Teilchen, mal ist dort eine Schraube über.

Am 27. Januar dieses Jahres starb im Alter von 91 Jahren Ingvar Kamprad, der Gründer des größten Möbelhauses der Welt. Ikea war sein Lebenswerk, und bis zuletzt traf der Schwede die Konzernentscheidungen mit. Dennoch sorgte er bereits zu Lebzeiten dafür, dass das Unternehmen auch ohne ihn in der Erfolgsspur bleibt. Es wird mittlerweile von Jesper Brodin geführt. Kamprads drei Söhne halten im Hintergrund die Fäden zusammen.

Er war ein echter Selfmademan, ein liebenswürdiger Autodidakt, der sein Talent zum Handel und zum Handeln schon früh entdeckte. Mit sieben, so erzählt man sich in seinem südschwedischen Heimatort Agunnaryd, wo er am 30. März 1926 geboren wurde, sei Ingvar schon von Hof zu Hof gezogen und habe Streichhölzer, Papierwaren und Saatgut verkauft. Mit so großem Erfolg, dass er 1943 sein Unternehmen Ikea gründete.

Er konzentrierte sich auf Einrichtungsgegenstände und Möbel. Sie sollten preiswert, stabil, funktionell und vor allem leicht zu transportieren sein. Die Idee der Regale, Sofas und Wandschränke aus dem Pappkarton war geboren. Der Kunde durfte, ja sollte mit anpacken. 1965 wurde in Stockholm das erste große Möbelhaus eröffnet. Als Ingvar Kamprad im Januar starb, gab es 403 Häuser in 49 Ländern. Helmut Steuer

Wolfgang Mayrhuber: Grandseigneur der Luftfahrt

Er war „Hanseat“ im doppelten Sinne. Wolfgang Mayrhuber lebte in der Hansestadt Hamburg und arbeitete für die „Hansa“ – die Lufthansa. Mehr als 40 Jahre diente er der Airline, die er zur größten in Europa machte. Am 1. Dezember starb der langjährige Vorstands- und Aufsichtsratschef der Fluggesellschaft nach längerer Krankheit im Alter von 71 Jahren. Die Würdigungen waren mannigfaltig. Tatsächlich war Mayrhuber so etwas der Grandseigneur der Luftfahrt – stets charmant, aber auch direkt und knallhart.

Dabei half Mayrhuber seine Herkunft, er wurde in Waizenkirchen in Oberösterreich geboren. Den speziellen österreichischen Charme, der sich perfekt mit einer häufig überraschenden Direktheit paaren lässt, hat er niemals abgelegt.
Mayrhuber verbrachte sein Leben mehr oder weniger für den „Kranich“, das Logo von Lufthansa. 1970 begann er seine Karriere als Ingenieur in der Triebwerksinstandhaltung der Lufthansa Technik in Hamburg.

Schnell wurde sein Talent erkannt; der damalige Lufthansa-Chef Jürgen Weber holte ihn in sein Sanierungsteam. Mayrhuber lieferte, auch später noch. Er erfand den HON-Circle, das Kundenbindungsprogramm für die Topkunden der „Hansa“. Er kaufte die marode Swiss, als diese schon weitgehend saniert war, es folgte der Kauf der österreichischen AUA und die Beteiligung an Brussels Airlines. Es ist auch Mayrhubers Verdienst, dass Lufthansa heute ein so klingender Name ist. „Er war es, der das Branding des Unternehmens maßgeblich prägte“, heißt es bei Lufthansa.

Mayrhuber war seit mehreren Jahren krank, dennoch war er bis zur Übergabe des Aufsichtsratsvorsitzes an den ehemaligen Lufthansa-Vorstand Karl-Ludwig Kley im vergangenen Jahr regelmäßig in der Konzernzentrale in Frankfurt zu sehen. Jens Koenen

Christian Trumpf: Mister Maschinenbau

Christian Trumpf galt als weitsichtiger Unternehmer. Der kinderlose Gründer des gleichnamigen Maschinenbauers in Ditzingen bei Stuttgart erkannte früh das überragende Talent bei einem seiner Mechanikerlehrlinge, der auf den Namen Berthold Leibinger hörte.

Der junge Mann sollte deshalb seine berufsbegleitende Diplomarbeit zum Abschluss seines Maschinenbaustudiums unbedingt im Unternehmen schreiben – und erfand dabei praktisch nebenher die sogenannte Kopiernibbelmaschine. Diese Gerätschaft konnte Bleche mittels Perforationstechnik so schnell und akkurat schneiden wie keine andere Maschine zu jener Zeit.

Es waren die Jahre des Wirtschaftswunders, und es blieb bei Weitem nicht die einzige Erfindung, nicht das einzige Patent, das Leibinger während seiner Arbeit bei Trumpf anmeldete. Später waren es mehr als 100, die er sich mit Anteilen an der Firma bezahlen ließ. So wird aus Trumpf im Laufe der Zeit Leibingers Firma – und aus einer mittelständischen Unternehmung ein global agierender Konzern mit einem Umsatz in Milliardenhöhe und mehreren Tausend Mitarbeitern.

Leibinger entwickelt die Firma zum Weltmarktführer für Laserwerkzeugmaschinen und erhält in der Folge so ziemlich jede Auszeichnung, die die Wirtschaftsrepublik Deutschland zu vergeben hat. Selbst die Übergabe der Firma an die nächste Generation, eine Aufgabe, an der so viele Familienunternehmen scheitern, gelingt ihm. Seit 2005 hält seine Tochter Nicola Leibinger-Kammüller die Firma auf Kurs.

Geboren wurde Berthold Leibinger 1930 in Stuttgart. Seine Kindheit verbrachte er in Korntal. Dort gelten die Prinzipien des Pietismus – fleißig, fromm, sparsam – bis heute. Pietist Leibinger starb im Oktober im Alter von 87 Jahren. Peter Brors

Winnie Madikezela-Mandela: Die Freiheitskämpferin

„Mama Afrika“, „Mutter der Nation“: In den unruhigen 1980er-Jahren war Winnie Madikezela-Mandela die wohl berühmteste und bei den Schwarzen meistgeliebte Person im Anti-Apartheids-Kampf. Ihr wohl größtes Verdienst war es, die Erinnerung an ihren bis 1990 inhaftierten Ehemann Nelson Mandela während seiner Gefangenschaft aufrechtzuerhalten. Sie selbst wurde mehrfach inhaftiert, dann an einen kleinen Ort verbannt.

Dank ihres Mutes und ihrer Schönheit lag Winnie lange Zeit die Welt zu Füßen – und ignorierte schwerwiegende Vorwürfe: So legte sich Winnie die Prügeltruppe „Mandela United Football Club“ als Geleitschutz zu. Gleich mehrere schwarze Jugendliche sollen von der Truppe ermordet worden sein. Berüchtigt ist auch ihr Aufruf, Südafrika mit Streichhölzern zu befreien. Vom Mob verurteilten vermeintlichen Verrätern des Befreiungskampfes wurde ein mit Benzin getränkter Autoreifen um den Hals gelegt und angezündet.

Bereits 1996, nach ihrer Scheidung von Nelson Mandela, verschwand Winnie aus dem politischen Geschehen. Noch einmal für Schlagzeilen sorgte ihre Rolle als selbst ernannte Sprecherin für die Ärmsten unter den Schwarzen. Die Versöhnungspolitik ihres Ex-Mannes bezeichnete sie als Verrat an den Idealen des Befreiungskampfs. Dennoch: Zu ihrem Tod trug Südafrika im April Trauer. In seiner Identitätskrise entdeckte der regierende ANC die frühere Heldin wieder und ehrte sie mit einem Staatsbegräbnis. Wolfgang Drechsler

Paul Bocuse

11.2.1926 – 20.1.2018: Er war der Erfinder der Nouvelle Cuisine, doch seine Kochkunst lässt sich nicht auf knackiges Gemüse reduzieren. Seine wirkliche Innovation: die Sterneküche mit den Gästen zu verbinden. Der Franzose holte die Chefs vom Herd weg und brachte sie mit denen ins Gespräch, die bekocht wurden. Obendrein war Paul Bocuse sozial engagiert: Seiner Stiftung verdanken viele Jugendliche ihre Ausbildung.

Karl Lehmann

16.5.1936 – 11.3.2018: Er war erst 20 Jahre Theologe, ehe er die kirchliche Laufbahn einschlug – mit mehr als drei Jahrzehnten als Bischof von Mainz und zwei Dekaden als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Dogmen waren Karl Kardinal Lehmann stets fremd. Das war zu spüren, wenn er sich im Mainzer Fußballstadion, beim Karneval oder auch mal in einer Fernsehtalkshow zeigte.

Charles Lazarus

4.10.1923 – 22.3.2018. Seinen ersten Spielzeug-Supermarkt eröffnete Charles Lazarus 1957. Dem Geschäft verpasste er den Namen Toys „R“ Us. In den 80ern und frühen 90ern dominierte die US-Kette den Spielwareneinzelhandel. Doch in den vergangenen Jahren musste Lazarus, der 1994 den Chefposten abgab, den Niedergang seines Konzerns beobachten. Hohe Schulden und die Internetkonkurrenz trieben die Firma im Herbst 2017 in die Insolvenz.

Harald Range

16.2.1948 – 2.5.2018: Von 2011 bis 2015 leitete der Niedersachse die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe. Zu seinen wichtigsten Entscheidungen gehört die Anklage gegen Beate Zschäpe – das einzige noch lebende Mitglied des NSU-Terrortrios. Gegen seinen Willen wurde Harald Range 2015 in den Ruhestand versetzt, weil er Ermittlungen wegen Landesverrats gegen Journalisten des Blogs „Netzpolitik.org“ eingeleitet hatte.

Tom Wolfe

2.3.1930 – 14.5.2018: Der Autor startete von Richmond im US-Bundesstaat Virginia aus eine akademische Karriere, ehe er in der Presse landete und für „Washington Post“ und „New York Herald Tribune“ schrieb. Tom Wolfe ist Mitbegründer des „New Journalism“. Seine ersten Bücher waren Artikelsammlungen, Großreportagen und Essays. Von 1987 an („Fegefeuer der Eitelkeiten“) verlegte er sich auf Romane.

Philipp Roth

19.3.1933 – 22.5.2018: Seine Romane galten bereits zu Lebzeiten als Klassiker. Die Sexualität war neben dem Tod ein Grundthema seiner mehr als 30 Bücher. 2004 schrieb Philipp Roth mit „Verschwörung gegen Amerika“ das wohl interessanteste Werk. Fast bis zu seinem Tod verfasste Roth Romane, die wie „Nemesis“ zunehmend düsterer und kürzer wurden. Seine Erfolgsformel: „Man muss verdichten und zusammenfassen können.“

Aretha Franklin

25.3.1942 – 16.8.2018: Die „Queen of Soul“ wurde mit Titeln wie „Respect“ und „Chain of Fools“ weltberühmt. Für ihren von Gospel und Jazz beeinflussten Gesang erhielt Aretha Franklin unter anderem 18 Grammys. Bereits Anfang 2018 musste die Amerikanerin eine Reihe von Konzerten absagen. Sie litt seit 2010 an Bauchspeicheldrüsenkrebs und hatte vergangenes Jahr ihren Rückzug aus dem Musikgeschäft angekündigt.

Jamal Khashoggi

13.10.1948 – 2.10.2018: Der saudische Journalist war ein Kritiker von Kronprinz Mohammed bin Salman, lebte seit 2017 in den USA und schrieb unter anderem für die „Washington Post“. Am 2. Oktober verschwand Jamal Khashoggi im Konsulat seines Heimatlandes in Istanbul. Erst nach Wochen gab Saudi-Arabien zu, dass hinter der heimtückischen Ermordung Kashoggis ein saudisches Kommando stand. Das Königreich bestreitet aber, dass der Thronfolger selbst den Auftrag gab.

Manfred Bode

31.3.1941 – 19.10.2018: Er war Miteigentümer und viele Jahre Chef des Rüstungskonzerns Krauss-Maffei-Wegmann. Erst im August hatte Manfred Bode den Aufsichtsratsvorsitz aufgegeben, sein Sohn Felix war für ihn in das Kontrollgremium eingezogen. Betriebswirt Bode trat 1969 in die familieneigene Firma Wegmann in Kassel ein. Zehn Jahre später wurde er geschäftsführender Gesellschafter. Nach der Fusion mit dem Panzerbauer Krauss-Maffei in München 1999 führte er den neuen Konzern bis 2006.

Gilberto Benetton

19.6.1941 – 22.10.2018: Er galt als Finanzexperte in der italienischen Modedynastie. Gilberto Benetton trieb die Weiterentwicklung voran, als das Pullover-Geschäft seiner Geschwister nicht mehr so gut lief und machte Benetton zu einem Infrastruktur- und Finanzkonzern. Zum Imperium zählte auch der Autobahnbetreiber, dem die Brücke in Genua gehörte, die bei ihrem Einsturz im August 43 Menschen in den Tod riss. Gilberto war der Erste der Familie, der sich kritisch äußerte.

Stan Lee

28.12.1922 – 12.11.2018: Die Comic-Helden, die aus seiner Feder stammen, machen ihn unsterblich: Stan Lee ist Schöpfer von Figuren wie Spider-Man, auch an Hulk, Iron Man und den X-Men war der Marvel-Chefautor und spätere Verleger beteiligt. Fast alle seine Kreaturen sind einfache Leute, die gegen ihren Willen mit Superkräften ausgestattet wurden. Die Verfilmungen seiner Ideen wurden allesamt zu Blockbustern, wie zuletzt „Black Panther“.

Georg Funke

29.4.1955 – 5.6.2018: Für viele galt der Ex-Chef der Hypo Real Estate als Gesicht der Finanzkrise. Die HRE war die teuerste Bankenrettung der deutschen Geschichte. Georg Funke war danach der Mann auf der Anklagebank. Der Vorwurf: Er habe die Finanzlage falsch dargestellt. Der Prozess wurde später wegen drohender Verjährung gegen eine Geldzahlung eingestellt. Der Ruf des Pleitiers blieb dem Betriebswirt aber bis zum Ende.

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Bernardo Bertolucci

16.3.1941 – 26.11.2018: Der Regisseur aus Parma war seit Langem krank, saß im Rollstuhl. Doch er hatte immer noch Pläne für neue Filme. 1972 erschien „Der letzte Tango in Paris“ mit Marlon Brando. Wegen einer freizügigen Sexszene kam das Werk auf den Index. Im prüden Italien war man empört, anderswo feierten Cineasten das Werk. Weltruhm erlange Bernardo Bertolucci 1987: Sein Film „Der letzte Kaiser“ bekam neun Oscars.

Cäcilie Albrecht

1927 – 2018: Die Witwe des Aldi-Nord-Gründers Theo Albrecht fühlte sich dem Erbe ihres Mannes verpflichtet. Cilly, wie sie genannt wurde, war eine der reichsten Frauen Deutschlands. Von Anfang an fremdelte sie mit der Ehefrau ihres schon 2012 verstorbenen Sohnes: Sie machte Babette dafür verantwortlich, dass Sohn Berthold Oldtimer und teure Kunst kaufte. Die Folge: ein Riss durch die Familie und jahrelange Erbstreitigkeiten.

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