Michael Schumann: Der gescheiterte Drogerie-Retter
Vorstand der Dubag Michael Schumann.
Foto: ddpDüsseldorf. Er wollte - gemessen an der Zahl der Filialen - mit einem Schlag Besitzer von Deutschlands drittgrößter Drogeriemarktkette hinter dm und Rossmann werden: Michael Schumann. Doch kaum einer kennt den Vorstand der Deutschen Unternehmensbeteiligungen AG, kurz Dubag, in München, der die 490 Läden von "Ihr Platz" und 342 Schlecker-XL-Standorte der insolventen Drogeriemarktkette Schlecker übernehmen will.
Den Vertrag zum Verkauf von "Ihr Platz" hatten Insolvenzverwalter Werner Schneider und Schumann bereits unterzeichnet, der Vertrag über Schlecker XL war unterschriftsreif - beides ist nun geplatzt. Der größte Schlecker-Gläubiger, der Kreditversicherer Euler Hermes, hatte bereits gestern Abend gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters Vorbehalte gegen den Verkauf an Dubag angemeldet.
Der 50-jährige Schumann arbeitet schon seit 1999 in der Beteiligungsbranche und war bislang bei mehr als 70 Unternehmenstransaktionen dabei. In frühen Jahren war er persönlicher Referent von Berthold Beitz, dem mächtigen Verwalter des Krupp-Erbes.
Die Beteiligungsgesellschaft Dubag gründete Schumann im Sommer 2009 gemeinsam mit Partnern. Zu den Kapitalgebern, die hinter der nicht-gelisteten Aktiengesellschaft stehen, schweigt er. Das Ziel ist, so Schumann, sanierungsbedürftige mittelständische Firmen zu übernehmen und neu zu positionieren - egal aus welcher Branche. Was zählt, sind ein Umsatz von 15 bis 500 Millionen Euro, ein Hauptsitz in Westeuropa und ein etabliertes Geschäftsmodell mit eingeführten Produkten.
Die Filialen von Schlecker, die er übernehmen wollte, wären sein erstes Engagement im Drogeriemarkt gewesen. Bisher ist Schumann, der als ruhiger, wenig emotionaler Manager gilt, mit der Branche noch nicht in Berührung gekommen. Um das operative Management der zukünftig 832 "Ihr Platz"-Filialen sollte sich nach seinen Plänen eine Task-Force um den Sanierer Gunter Schmidt und das "Ihr Platz"-Management kümmern. Schumann plante zudem, die Schlecker-XL-Läden in den nächsten zwei bis drei Monaten umzuflaggen.
Das Firmenschild der Deutschen Unternehmensbeteiligungen AG (Dubag) in München.
Foto: dpaBislang hat Dubag drei Unternehmen im Portfolio: den Generikahersteller Sigam aus Wiesbaden, den Speichermedienhersteller Berlin Optical Disc - den Dubag Mitte 2010 übernahm und nun wieder verkauft - und den irischen Henkel-Zulieferer International Detergent Chemicals (IDC).
So vielfältig wie sein Portfolio ist auch Schumanns Karriere. Geboren in Tutzing am Starnberger See, studierte er nach dem Abitur BWL und Politische Wissenschaften in München, wo er auch promovierte. Anfang der 1990er-Jahre arbeitete Schumann für Berthold Beitz und begleitete ihn bei der Fusion zwischen den beiden Stahlunternehmen Krupp und Hoesch.
Im Anschluss wechselte er als Referatsleiter zur Treuhandanstalt in Berlin, deren Aufgabe es war, die staatlichen Betriebe der DDR zu privatisieren. Ab 1994 baute Schumann in München den Branchen-Medien-Verlag auf, der Ende 1998, als Schumann ihn an einen strategischen Investor verkaufte, zehn Mitarbeiter beschäftigte und einen Umsatz von rund 4,5 Millionen Mark pro Jahr erzielte.
Schließlich gründete der Vater von zwei Kindern eine Venture-Capital-Firma für junge Internetunternehmen, deren Anteile er aber nach dem Platzen der Dotcom-Blase wieder verkaufte. Gut ein Jahr arbeitete er als selbstständiger Berater, bevor er im April 2003 bei Arques Industries einstieg.
Die Beteiligungsgesellschaft geriet in die Schlagzeilen, als sie Ende 2008 mit Schumann an der Spitze für rund 45 Millionen Euro gut 80 Prozent der Siemens-Telefonsparte Gigaset kaufte. Es folgte ein jahrelanger Streit mit dem Dax-Konzern, in dem es um millionenschwere Forderungen ging. Kurz nach der Übernahme trennten sich Arques und Schumann - wegen "unterschiedlicher Auffassungen". Für Schumann war das die Chance, sich erneut selbstständig zu machen. Mit dem geplanten Schlecker-Engagement stellt er sich nun auch der Öffentlichkeit.