Solarkonzern: SMA-Solar-Vorstandschef Urbon tritt ab – Technik- und Vertriebschef Jürgen Reinert wird Nachfolger
Der bisherige Technik- und Vertriebschef rückt an die Spitze von SMA Solar.
Foto: Pressefoto SMA SolarDüsseldorf. Beim angeschlagenen Solartechnik-Konzern SMA gibt es einen überraschenden Wechsel an der Spitze: Vorstandschef Pierre-Pascal Urbon tritt mit sofortiger Wirkung ab und verlässt zum Jahresende auf eigenen Wunsch den Konzern. Das teilte das Unternehmen am Montag mit. Sein Nachfolger wird der jetzige Technik- und Vertriebschef Jürgen Reinert.
Urbon hatte den Wechselrichter-Hersteller seit 13 Jahren begleitet, die vergangenen sieben Jahre als Chef des Kasseler Konzerns. Unter seiner Führung überstand SMA die Folgen der heimischen Solarkrise und ist heute der letzte deutsche Solarkonzern im TecDax.
Mit dem Wandel vom Modulhersteller zum Energiedienstleister wollte Urbon den Umbau des Unternehmens nach den harten Zeiten vorantreiben, auch weil klar ist, dass SMA dem anhaltenden Wettbewerbsdruck durch Billigproduzenten als Hersteller von Wechselrichtern allein nicht wird standhalten können.
Erst vor wenigen Wochen musste das Unternehmen die Prognose für das laufende Jahr senken – was heftige Reaktionen an der Börse auslöste: 2018 werde der Umsatz nur noch 800 Millionen bis 850 Millionen Euro betragen statt bis zu einer Milliarde Euro wie eigentlich geplant. Grund für die Korrektur ist der rasante Preisverfall in der Solarbranche, ausgelöst von der Billigkonkurrenz aus China. Es war allerdings nicht das erste Mal, dass Urbon eine vollmundige Prognose im Nachhinein kassieren musste und so vermutlich auch viele Investoren vor eine Geduldsprobe stellte. Auch das zunehmend schwierige Geschäft könnte ein Grund für den Abgang des eigenwilligen Urbon sein, heißt es aus Unternehmenskreisen. SMA selbst wollte sich zunächst nicht dazu äußern. Man sei zwar nicht im Streit auseinandergegangen, aber ebenfalls von der Nachricht überrascht worden. Am Freitag soll es außerdem eine außerordentliche Sitzung des Aufsichtsrats gegeben haben.
Gegenüber seinen Mitarbeitern soll Urbon gesagt haben, dass er „auch noch mal was Neues“ machen wolle. Manche berichten jedoch von Meinungsverschiedenheiten zwischen Urbon und dem Aufsichtsrat des Konzerns. An „persönliche Gründe“ des langjährigen CEOs glauben in Kassel jedenfalls die wenigsten.
Mit Jürgen Reinert bleibt der Vorstandsvorsitz aber zumindest so gut wie in der Familie. Der studierte Elektrotechniker ist bereits seit sieben Jahren bei SMA und seit 2014 Mitglied des Vorstands. Aufsichtsratsmitglied Erik Ehrentraut nennt ihn einen „hervorragenden Manager und erfahrenen Unternehmer“, der sich in den vergangenen Jahren bewährt habe. Er genieße das volle Vertrauen des Aufsichtsrats. Für den 50-jährigen Reinert wird es aber alles andere als eine leichte Aufgabe.
Auch wenn SMA im nächsten Jahr wieder mit einem höheren Umsatz rechnet, kündigte der Solarkonzern mit der jüngsten Gewinnwarnung auch Stellenkürzungen an. Wie viele der aktuell rund 3.200 Mitarbeiter gehen müssen, konnte man allerdings noch nicht sagen. In den kommenden Monaten sollen entsprechende Pläne erarbeitet werden – die muss Reinert dann umsetzen.