Vom Grünen zum Berater: Für diese Firmen arbeitet Joschka Fischer
Seine Firma "Joschka Fischer & Company" ist für die ganz Großen der Industrie im Einsatz. Fischer stellt sich etwa in den Dienst von Rewe. Das Unternehmen will mit Unterstützung des Grünen "umwelt- und sozialverträglicher" werden, wie der Einzelhandelsriese medienwirksam verkündete. Fischer soll helfen, mehr Ökoprodukte in die Regale zu bringen und Energie in den Filialen zu sparen - gestützt auf seine Kenntnisse "über erfolgreiche Trends aus anderen Branchen". Damit das gelingt, hält Fischer (hier mit Rewe-Chef Alain Caparros) Reden vor Marketingmanagern aus der Bier-, Wurst- und Käseindustrie.
Kritik daran wischt Fischer gekonnt lässig beiseite: "Es handelt sich um eine strategische Orientierung, die letztendlich auf ökologische Glaubwürdigkeit gründen muss, und eben nicht um eine Werbeaktion." Die Tätigkeit seiner Firma liegt laut Handelsregister in der "Erbringung von Beratungsleistungen mit den Schwerpunkten strategischer Beratung zur Flankierung unternehmerischer und politischer Entscheidungsprozesse, PR- und Imageberatung".
Bisher arbeitet "Joschka Fischer & Company", seine Firma direkt am Berliner Gendarmenmarkt, bereits für den Stromkonzern RWE. Für das Pipeline-Projekt Nabucco soll Fischer politische Lobbyarbeit in den Staaten Zentralasiens leisten, aus denen die Pipeline Gas beziehen will. "Meine Beratung hier ist die Fortsetzung der Außenpolitik mit anderen Mitteln", sagt der Ex-Politiker, der jüngst seine Memoiren über die rot-grüne Regierungszeit veröffentlicht hat. Am Nabucco-Projekt hat sich Fischer jedoch bislang die Zähne ausgebissen, greifbare Erfolge lassen auf sich warten.
Auch der Autokonzern BMW setzt auf Fischers Rat und Kontakte. Aktuell läuft bei dem Hersteller eine Nachhaltigkeitskampagne, die BMW ein grünes Image geben soll - und Fischer soll das Denken dort verändern. Kompetenz lässt Fischer nicht nur nach außen ausstrahlen - er kauft sie auch ein. So warb seine Firma zwei Nachhaltigkeitsexpertinnen vom Bundesverband der Deutschen Industrie ab, der seinen Sitz nur fünf Gehminuten von Fischers Firmenstandort in Berlin hat.
Ein weiterer Auftraggeber von Fischer und Ex-US-Außenministerin Albright ist Siemens (im Bild: Zentrale in München). Hier legt der Grüne Wert darauf, dass er den Industriekonzern nicht in Atom-Dingen berät. Siemens war durch Korruption schwer in Verruf geraten und will von Joschka Fischers Glaubwürdigkeit profitieren. Der Ex-Minister sorgt darüber hinaus für direkte Kontakte zur US-Politik.
Für den Münchener Konzern ist Fischer mit guten internationalen Kontakten attraktiv, da Siemens das Umweltgeschäft stark ausbauen will. "Heutzutage braucht man einfach Leute, die zu wichtigen Politikern Zugang haben", heißt es in Industriekreisen.
Dem Handelsblatt sagte Fischer zur Erklärung für seine Engagements: "Ich treffe bei den Unternehmen auf ein viel größeres Bewusstsein über die Globalisierung und die Notwendigkeit für rasche Veränderungen."
Fischers Weggefährte Daniel Cohn-Bendit sagte dem "Zeit-Magazin", der Ex-Außenminister gehöre nun zur gesellschaftlichen Elite und zu jenen, die aus ihrem Einfluss geschäftlichen Nutzen schlagen. "Jetzt ist er wirklich eine Ich-AG. Er lässt sich vergolden, was er geschafft hat."