Bau- und Brauimperium Schörghuber: Eine einzigartige Erfolgsgeschichte
Wenn man verstehen will, wer und was sich alles hinter dem Namen Schörghuber verbirgt, lohnt ein Blick zurück. Zurück zur Gründung des Familienunternehmens und zu dessen Ausbau durch Josef Schörghuber, zu der nach 1995 von Sohn Stefan Schörghuber geprägten Periode der Strukturierung und der Internationalisierung des Unternehmensverbundes, bis hin zum Wirken Alexandra Schörghubers seit 2008. Meilensteine des Bau- und Brauimperiums...
Nach einer Lehre in der Schreinerei seines Vaters in Mitterham bei Mühldorf zieht Josef Schörghuber 1937 im Alter von 17 Jahren nach München. Zunächst arbeitet er in einer Zimmerei, später beginnt er ein Studium als Bauingenieur. Doch Kriegsdienst und Gefangenschaft verzögern seinen Abschluss. Mit dem Diplom in der Tasche baut Schörghuber sein erstes Wohnhaus in München mit 27 Einheiten.
1954 gründet Josef Schörghuber in München die Bayerische Hausbau. Mit der Bauträgergesellschaft legt der Bauingenieur und Zimmermann den Grundstein für die Unternehmensgruppe. Vier Jahre später, 1958, entdeckt der passionierte Hobbyflieger aus dem Flugzeug heraus eine große unbebaute Fläche im Nordosten Münchens, das Areal des heutigen Arabellaparks.
Grundsteinlegung für das bis heute bedeutendste Projekt der Bayerischen Hausbau, den Arabellapark, ist 1965. Schörghuber will eine „Stadt in der Stadt“ schaffen, in der Wohnen, Leben und Arbeiten vereint sind. Vorbild dafür sind am Reißbrett entworfene Städte, die er auf Reisen in Amerika kennengelernt hat.
Der Arabellapark entwickelt sich zu einem lebendigen Quartier, in dem heute einige bekannte Unternehmen residieren, darunter die Hypo-Vereinsbank, Burda, der Agrarkonzern Baywa sowie natürlich die Schörghuber-Gruppe selbst. Etwa 10.000 Münchener wohnen heute im Arabellapark, darüber hinaus beschäftigen die Firmen auf dem 40 Hektar großen Areal 18.000 Menschen.
Der Unternehmer engagiert sich zunächst im Linienflug-Geschäft mit einer Beteiligung an der Bavaria Fluggesellschaft, zwei Jahre später kauft er den Charterflieger Germanair.
Das sogenannte Arabellahaus im Arabellapark eröffnet im Jahr 1969, darin auch das erste Hotel von Schörghuber. Das Hochhaus mit seinen 23 Stockwerken ist bis heute eines der markantesten modernen Gebäude in München. Es beherbergt neben mehreren Hundert Wohnungen das „Sheraton München Arabellapark Hotel“ sowie Büros und Arztpraxen. Unternehmer Schörghuber findet schnell Gefallen an der Gastronomie und besitzt drei Jahre später bereits fünf Hotels in München und dem Umland.
Heute gehört zu Schörghuber im Arabellapark auch das „Westin Grand Munich“. Gemeinsam bezeichnen sich die beiden gegenüberliegenden Häuser als größtes Tagungshotel Süddeutschlands.
Die Hotelsparte kommt heute in Deutschland, der Schweiz und auf Mallorca auf mehr als 3.700 Zimmer und über eine Million Übernachtungen pro Jahr. Spektakulärster Neuzugang in jüngster Zeit ist das „Westin Hamburg“ in der Elbphilharmonie.
1978 übernimmt das Unternehmen die beiden Fertighausfirmen Knödler in Maulbronn und Hansa in Travemünde. 1979 erwirbt Josef Schörghuber die Münchener Brauereien Hacker-Pschorr und Paulaner mit den dazugehörigen Immobilien. Es ist der Einstieg in die Getränkewirtschaft.
1984 tritt Stefan Schörghuber in die Unternehmensgruppe seines Vaters ein. Er beginnt bei den Arabella-Hotels und wird 1985 Geschäftsführer dieser Dachgesellschaft für die Schörghuber-Hotels. Er gehört damit zur Führungsriege der Firma. Im Jahr 1990 rückt Stefan Schörghuber in den Vorstand der neu gebildeten Holding auf und übernimmt das Ressort Hotel, Freizeit und Tourismus.
Am 18. Mai 1995 stirbt Josef Schörghuber. Der Unternehmer hat überall in der bayerischen Landeshauptstadt Spuren hinterlassen, in Gewerbegebieten wie dem Zamilapark ebenso wie auf dem ehemaligen Brauereigelände des Staatlichen Hofbräuhauses an der Inneren Wiener Straße oder des früheren Bürgerbräukellers an der Rosenheimer Straße. Stets war Schörghuber bemüht, eine Mischung aus Büros, Wohnungen und Läden zu schaffen. Schörghuber war eng befreundet mit dem langjährigen bayerischen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß.
Stefan Schörghuber, damals lediglich 34 Jahre alt, führt fortan die zum Konzern gewachsene Unternehmensgruppe. Er ordnet die Gruppe neu in die Bereiche Hotel, Flugzeugleasing, Getränke sowie Bauen und Immobilien. Verheiratet ist er mit Alexandra Schörghuber.
2001 holt Schörghuber den niederländischen Braukonzern Heineken als Gesellschafter seiner Getränkesparte an Bord. Der neue Name: Brau Holding International.
Im selben Jahr erwirbt Alexandra Schörghuber Anteile an der Lachszucht Productos del Mar Ventisqueros in Chile.
Im Jahr 2010 übernimmt die Familie das gesamte Unternehmen.
2005 werden die Unternehmensbereiche Bauen und Immobilien in der Bayerischen Bau und Immobilien Gruppe gebündelt. Außerdem kommen die Fürstlich Fürstenbergische Brauerei, Donaueschingen, und die Privatbrauerei Hoepfner, Karlsruhe, dazu.
Am 25. November 2008 verstirbt Stefan Schörghuber völlig unerwartet im Alter von 47 Jahren. Seine Frau Alexandra Schörghuber rückt an die Spitze des Stiftungsrates. Klaus Naeve übernimmt die Konzernführung.
Seit dem Tod ihres Mannes 2008 garantiert Alexandra Schörghuber für den Zusammenhalt der Unternehmensgruppe. Sie bringt langjährige Erfahrung aus zahlreichen Aufsichtsrats- und Managementaufgaben mit, die sie im Privatbereich der Familie erfüllt, zu dem unter anderem die Bavaria Parkgaragen, Lift- und Seilbahnbetriebe im bayerischen Oberland, Hotels sowie die Lachszucht in Chile gehören.
Die Gruppe trennt sich vom Unternehmensbereich Flugzeugleasing. Mit zuletzt 27 Jets war die Sparte im internationalen Wettbewerb zu klein. Am 1. Oktober wird der Unternehmensbereich Bauen und Immobilien unter einem neuen Markendach gebündelt.
Aus der Bayerischen Bau und Immobilien Gruppe wird ebenfalls 2010 die Bayerische Hausbau. Das Unternehmen besitzt heute Immobilien im Wert von 2,5 Milliarden Euro. Schwerpunkt des Wohnungsbaus ist München. Gewerbeimmobilien entwickelt die Firma mit ihren 200 Mitarbeitern in ganz Deutschland.
Die bislang außerhalb des Konzernverbunds geführte Lachszucht der Familie wird eingegliedert. Productos del Mar Ventisqueros wird zum neuen, vierten Unternehmensbereich Seafood. Die Chilenen verkaufen ihren Fisch vor allem in Japan, Russland, den USA und Brasilien. Wenn alles gut läuft, vermarktet die Firma pro Jahr 40.000 Tonnen Fisch.
Paulaner wird es 2011 in der Münchener Innenstadt zu eng und Schörghuber entscheidet sich für den Bau einer neuen Braustätte im Westen der Stadt. Am alten Sitz in der Au entstehen Wohnungen für 3500 Menschen.
Am 22. Februar 2013 zieht Fußballfan Alexandra Schörghuber in den Verwaltungsbeirat des FC Bayern München e.V. ein.
2015 geht die neue, 300 Millionen Euro teure Paulaner-Brauerei im Münchener Stadtteil Langwied in Betrieb.
Die Brau Holding International wird 2017 umbenannt in Paulaner Brauerei Gruppe. 70 Prozent der Anteile gehören nun Schörghuber, 30 Prozent hält Heineken. Die neu formierte Gesellschaft zählt 2.300 Mitarbeiter und kommt auf einen Umsatz von mehr 600 Millionen Euro. Die Marken: Paulaner, Hacker-Pschorr, Auerbräu, Weißbierbrauerei Hopf, Fürstlich Fürstenbergische Brauerei, Privatbrauerei Hoepfner, Privat-Brauerei Schmucker, Thurn und Taxis, Riegeler sowie die Kulmbacher. In zehn Braustätten entstehen rund 200 verschiedene Sorten, die in 80 Länder geliefert werden.