1. Startseite
  2. Unternehmen
  3. Mittelstand
  4. Familienunternehmer
  5. Drogeriekette: Budnikowsky tritt mit edeka als Partner gegen dm & Co. an

Familie WöhlkeDrogeriekette Budnikowsky expandiert nach Berlin

Hamburgs größte Drogeriekette ist nun auch in der Hauptstadt präsent. Mit Edeka als Partner tritt „Budni“ gegen Konkurrenten wie dm an.Georg Weishaupt 30.08.2018 - 11:47 Uhr Artikel anhören

Das Hamburger Traditionsunternehmen eröffnet seinen ersten Laden in Berlin.

Foto: DAVIDS/Sven Darmer

Berlin. Die drei strahlen um die Wette für den Fotografen: Vater Cord Wöhlke, Sohn Christoph und Schwester Julia. „Es ist ein Traum, der für mich in Erfüllung geht“, freut sich der Senior mit dem grauen Haar. „Hier in Berlin können wir ein ganz neues Ladenkonzept ausprobieren“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter der Hamburger Drogeriekette Budnikowsky, in der Hansestadt nur kurz „Budni“ genannt.

Mit einem Café mit Bio-Gebäck und -Kaffee, vielen frischen Produkten wie Joghurt, Milch und Mittagssnacks und natürlich den Drogerieartikeln und einer Einrichtung aus hellem Holz wollen die Hamburger in Berlin punkten. Die neue Filiale in Berlin Prenzlauer Berg soll nur der Anfang sein.

Das Hamburger Familienunternehmen will noch viele weitere Filialen des neuen Typs außerhalb Berlins eröffnen. Hinzu kommen noch rund 50 Budni-Filialen, die sein neuer Handelspartner Edeka jedes Jahr in Deutschland eröffnen will.

Damit tritt die bislang vor allem auf die Großregion Hamburg konzentrierte kleine Drogeriemarktkette nun von Flensburg bis München gegen die Platzhirsche dm, Rossmann sowie die Nummer drei Müller an. Für die Familie Wöhlke ist die Expansion ein mutiger Schritt, aber auch ein dringend notwendiger.

Es ist auch eine Flucht nach vorne, um als kleiner Spieler im Konkurrenzkampf mit den Großen im Drogeriemarkt zu überleben. Denn der Abstand zu dm & Co. ist gewaltig – und in den vergangenen Jahren weiter gewachsen. Zum Vergleich: Der Marktführer dm erzielte im vorigen Jahr mit 7,86 Milliarden Euro einen 18-mal so hohen Umsatz wie die Nummer vier Budni, deren Geschäft bei 430 Millionen Euro stagnierte.

Auch bei den Filialen liegt Budni mit 182 deutlich abgeschlagen hinter Rossmann mit seinen insgesamt 2.055 und dm mit seinen 1.892 Läden.

Dennoch sieht der David im Drogeriegeschäft Chancen, sein Filialkonzept bundesweit durchzusetzen. „Wir stellen unser Sortiment in Hamburg immer speziell für das jeweilige Stadtviertel zusammen“, sagt Christoph Wöhlke, der die Kooperation mit Edeka eingefädelt hat und nur so lossprudelt, wenn er das neue Konzept erklärt. So gibt es in jedem Laden eine andere Auswahl aus dem Gesamtsortiment von 25.000 Produkten. Manche Läden führen viele Bio-Lebensmittel und andere nur ganz wenige.

Für Budni ist die bundesweite Expansion die Chance, das Unternehmen sicher in die nächste Generation zu führen. Lange Zeit ging es für das 1912 von Iwan Budnikowsky als Seifen-Groß- und -Einzelhandel gegründete Unternehmen nur aufwärts. Cord Wöhlke gelang es in der dritten Generation, das Filialnetz in Hamburg immer weiter zu spannen.

Doch der Umsatz ging im zuletzt veröffentlichten Geschäftsjahr 2016/17 von 434 auf 430 Millionen Euro zurück. Unterm Strich stand ein Verlust von vier Millionen Euro.

Der Ausbau außerhalb der Region Hamburg ist nun die Chance für Christoph, 40, und Julia Wöhlke, 38, die Existenz des traditionsreichen Unternehmens auch in der vierten Generation zu sichern. Es ist für die beiden Junioren auch die Gelegenheit, ihrem 68-jährigen Vater zu zeigen, dass sie das Zeug haben, die Drogeriekette künftig allein zu führen. Noch mischt Vater Cord Wöhlke kräftig mit.

Edeka

Kartellamt billigt Zusammenarbeit mit Budnikowsky

„Ich werde am 30. August 2019 in den Beirat wechseln“, kündigte er an. „Aber solange der Stein bei mir nicht obendrauf liegt, bin ich natürlich auch weiter noch dabei“, sagt er mit seinem eigenen Humor.

Die beiden Kinder haben schon viele Aufgaben von ihm übernommen: Sohn Christoph kümmert sich um Marketing, Vertrieb und Expansion und seine Schwester Julia um Finanzen, Personal und die Budnianer Hilfe, die Kinder- und Jugendprojekte unterstützt.
Ob der Generationswechsel gelingt, hängt aber auch davon ab, ob die Kooperation mit Edeka erfolgreich sein wird. Denn der Lebensmittelriese ist der starke Partner im Hintergrund.

Am 1. Mai hatten beide eine gemeinsame Gesellschaft für Einkauf, Logistik und Verwaltung von Drogerieartikeln gegründet. Edeka hält daran eine Sperrminorität von 25,1 Prozent, kann seinen Anteil aber auf bis zu 74,9 Prozent erhöhen.

Harter Wettbewerb durch dm und Rossmann

Die Familie will von Edekas Einkaufs- und Logistikmacht profitieren. Auch der Lebensmittelhändler verspricht sich viel von der Allianz mit den Wöhlkes. So will Edeka-Chef Markus Mosa sein Geschäft mit Duschgel, Gesichtscremes oder Waschmitteln ausbauen. Er bezeichnete Budni als „idealen Partner im Drogeriesegment, der unsere Geschäftsperspektiven mit seinem Know-how ideal unterstützt“.

Branchenbeobachter sind jedoch skeptisch, ob Edeka mit der Hamburger Marke Budni die Expansion der beiden Großen im Drogeriemarkt stoppen kann. „Es wird nicht leicht für die beiden Partner, im gesättigten Drogeriemarkt Marktanteile zu gewinnen“, sagt Moritz Hagenmüller, Handelsexperte bei der Unternehmensberatung Accenture Strategy.

Expansion

Drogeriemarkt dm ist mit Neustart in Italien zufrieden

„Das ist in Deutschland ein reiner Verdrängungswettbewerb.“ „Wenn sich Edeka und Budni nicht nur auf die Expansion der stationären Läden, sondern auch auf den Aufbau eines starken Onlinegeschäfts für Drogerieartikel fokussieren würden, hätten sie eine gute Chance, sich gegenüber dm & Co. zu differenzieren“, sagt Hagenmüller von Accenture.

Verwandte Themen
Budnikowsky
Edeka
Berlin
dm
Hamburg
ROSSMANN

Das wissen die Wöhlkes wohl. „Aber das Onlinegeschäft rechnet sich für uns bei den knappen Margen nicht“, sagt Vater Cord Wöhlke. „Wir beobachten dennoch das Onlinegeschäft sehr aufmerksam“, relativiert Tochter Julia. Vielleicht will sich Edeka da ja stärker ins Zeug legen. Doch zuerst einmal will das Trio sich auf die neuen Läden und da erst einmal auf Berlin konzentrieren, sagt Christoph Wöhlke.

„Wir werden bis Ende des Jahres einen zweiten Laden auf der Schönhauser Allee am Prenzlauer Berg eröffnen.“ Kommt sich da die Familie bei der Expansion nicht mit ihrem neuen Partner Edeka in die Quere? „Wenn Edeka auch noch eigene Budnis in Berlin eröffnet, dann stärkt uns das doch im Wettbewerb mit den 250 Filialen unserer Konkurrenten in der Hauptstadt“, gibt sich Vertriebschef Christoph optimistisch.

Edeka jedenfalls will in Norddeutschland starten und seinen ersten eigenen Budni in den nächsten Monaten in Bremerhaven eröffnen. Bis dahin wird sich zeigen, wie die Filiale am Prenzlauer Berg läuft – und ob sich der Traum von Vater Cord von einer erfolgreichen Expansion erfüllt.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt