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Finsbury Glover Hering Top-Berater Alexander Geiser: „Für CEOs ist Schweigen keine Option“

Alexander Geiser führt seit wenigen Tagen die Kommunikationsberatung Finsbury Glover Hering. Er rät CEOs, sich stärker in gesellschaftliche Debatten einzubringen.
15.01.2021 - 11:49 Uhr Kommentieren
Das Treffen von US-Präsident Donald Trump (2.v.l.) mit Unternehmenslenkern wie dem damaligen SAP-Chef Bill McDermott (l.) und Siemens-Boss Joe Kaeser wirkt bis heute nach. Quelle: AP
Weltwirtschaftsforum 2018

Das Treffen von US-Präsident Donald Trump (2.v.l.) mit Unternehmenslenkern wie dem damaligen SAP-Chef Bill McDermott (l.) und Siemens-Boss Joe Kaeser wirkt bis heute nach.

(Foto: AP)

Düsseldorf Ein Bild aus dem Jahr 2018 ist Alexander Geiser noch sehr gut im Gedächtnis: Donald Trump, umringt von applaudierenden CEOs großer Weltkonzerne auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Schon damals wurde den Managern vorgeworfen, den US-Präsidenten zu sehr hofiert zu haben. Nach dem Sturm auf das Kapitol in Washington Anfang Januar geht die Szene wieder um die Welt – und erneut die Kritik an den Unternehmenschefs im Umgang mit Trump.

Geiser kennt viele der damals anwesenden Manager. Der 45-Jährige berät die Top-Etage der deutschen Wirtschaft in Fragen der strategischen Kommunikation. Viele Jahre hat er die Beratungsgesellschaft Hering Schuppener geführt. Jetzt hat sich die Firma mit zwei Kommunikationsberatungen aus Großbritannien und den USA zusammengeschlossen. Vor wenigen Tagen ist Finsbury Glover Hering (FGH) gestartet – und Geiser ist der globale Chef.

Im Gespräch mit dem Handelsblatt zeigt Geiser Verständnis für das Verhalten der CEOs in Davos. „Wenn der rechtmäßig demokratisch gewählte Präsident von Amerika, der größten Volkswirtschaft der Welt, die CEOs zum Austausch einlädt, können und dürfen sie sich dem nicht verwehren“, sagt der Kommunikationsexperte.

Allerdings sieht er die heimischen Manager zugleich in der Pflicht: „Sie müssen in der Debatte die Stimme erheben, was ja auch einige getan haben, und die europäische Linie vertreten.“ Seit den Geschehnissen im Kapitol ist für Geiser klar: „CEOs sollten Haltung zeigen. Schweigen ist keine Option. Wir alle müssen uns für das einsetzen, was andere über Jahrzehnte und Jahrhunderte hinweg erkämpft haben.“

Es ist eine alte Frage, die derzeit neu diskutiert wird: Wie politisch muss, soll und darf ein Unternehmenschef sein? Nur wenige wagen sich so weit vor wie Siemens-Chef Joe Kaeser, der regelmäßig und pointiert seine Meinung zum politischen Tagesgeschehen äußert. Andere halten sich komplett zurück.

Der 45-Jährige führt die frisch fusionierte Beratungsgesellschaft Finsbury Glover Hering, in der die deutsche Firma Hering Schuppener aufging. Quelle: Hering Schuppener
Alexander Geiser

Der 45-Jährige führt die frisch fusionierte Beratungsgesellschaft Finsbury Glover Hering, in der die deutsche Firma Hering Schuppener aufging.

(Foto: Hering Schuppener)

Geiser ist überzeugt, dass der Siemens-Chef in Sachen Kommunikation kein Einzelfall unter Topmanagern bleiben wird, wenn er in wenigen Wochen die Führungsspitze des Konzerns verlässt. „Joe Kaeser wird eher Vorreiter sein. Ich sehe eine wachsende Bereitschaft, sich in die Debatte über gesellschaftliche Zukunftsthemen einzubringen.“

Diese Bereitschaft wird von CEOs auch zunehmend verlangt. In dem gerade vorgestellten Trust-Barometer der PR-Beratung Edelman – eine Umfrage unter 330.000 Angestellten weltweit – zeigt sich: 86 Prozent der Mitarbeiter wünschen sich, dass Chefs ihre Meinung zu Themen wie Zukunft der Arbeit, Klima, Pandemie und gesellschaftliche Problemen kundtun.

Kommunikationswissenschaftler bestätigen den Trend: „Die Reputation eines Unternehmens gewinnt stark an Bedeutung, nicht nur bei Kunden, sondern auch bei eigenen und potenziellen Mitarbeitern“, sagt Frank Brettschneider, Professor an der Universität Hohenheim. „Sie achten darauf, wofür ein Unternehmen und sein CEO öffentlich stehen.“

Geiser ordnet dies in ein neues Zeitalter ein, in dem Nicht-Kommunikation kaum mehr möglich ist. „Jeder CEO trägt gesellschaftliche Verantwortung, der wirtschaftliche Erfolg ist untrennbar mit Akzeptanz und Erfolg in der Gesellschaft verbunden“, sagte der FGH-Chef und unterstreicht: „CEOs müssen für die Werte ihres Unternehmens öffentlich eintreten.“

Der bald ausscheidende Siemens-Chef verstand sich immer als politischer CEO. Quelle: privat/Twitter
Joe Kaeser anlässlich des Holocaust Gedenktags

Der bald ausscheidende Siemens-Chef verstand sich immer als politischer CEO.

(Foto: privat/Twitter)

Doch dabei gibt es Grenzen, um die Manager wissen müssen. Sie dürften sich nicht als politische Aktivisten verstehen und müssten ihre Äußerungen stets gut abwägen, rät Geiser. Denn sie repräsentieren Tausende Mitarbeiter in aller Welt und tragen Verantwortung für das gesamte Unternehmen. Zudem: Manager sind nicht ernannt worden, um Deutschlands Politik in der Welt zu vertreten. Das sei der Job eines gewählten Politikers.

„Viele sind in der Krise über sich hinausgewachsen“

Seit einem halben Jahr arbeiten die Kommunikationsexperten von Finsbury Glover Hering in einer gemeinsamen Partnerschaft zusammen, zum Jahresbeginn startete das fusionierte Unternehmen mit 700 Beratern offiziell. Um kulturelle Probleme bei dem Zusammenschluss von Deutschen, Briten und Amerikanern macht sich Geiser keine Sorgen. Weil die Partner schon seit drei Jahren in mehr als 100 Projekten kooperierten, laufe die Fusion problemlos.

Deswegen hatte Geiser trotz der internen Herausforderung Zeit für die Kunden. Sein Eindruck der zurückliegenden Monate: „Die Coronakrise ist der ultimative Härtetest für Manager.“ Noch nie sei die Unsicherheit größer gewesen, aber auch das Bedürfnis von Mitarbeitern, Kunden, Aktionären und anderen Stakeholdern nach Orientierung.

Von den CEOs ist Mut, Empathie und Kommunikationsfähigkeit gefragt – und damit tun sich viele schwer, deren Fokus eher auf Zahlen oder Technologie liegt. „In der Krise sind aber viele in der deutschen Wirtschaft über sich hinausgewachsen“, konstatiert Geiser. „CEOs sind extrem präsent geworden. Mitarbeiter haben in den vergangenen zwölf Monaten vermutlich mehr von ihren Chefs gesehen als in den gesamten zehn Jahren zuvor – und zwar sehr authentisch und menschlich.“

Diese Nähe muss aus seiner Sicht dauerhaft erhalten bleiben. Managementmethoden aus den 1990er- und 2000er-Jahren, wo ein Chef als Admiral von der Brücke führt und nur seine Top-Führungskräfte instruiert, hält er für nicht mehr zeitgemäß – ebenso alte Instrumente wie Fünfjahresplanung, Scorecards oder Ähnliches. „Dafür braucht es ein belastbares und länger gesetztes Umfeld. Heute aber verändern sich Taktung und Umfeld ständig.“

Mehr: Hering Schuppener schafft neue globale Kommunikationsberatung.

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