Heizung: So wollen Tado und Panasonic Wärmepumpen effizienter machen
München. Der Heizungs-App-Spezialist Tado will sein neues Geschäftsfeld mit der intelligenten Steuerung von Wärmepumpen gemeinsam mit dem japanischen Panasonic-Konzern vorantreiben und so wieder wachsen. „Alle in der Branche sind sich einig: Der Wärmepumpenmarkt nimmt gerade wieder Fahrt auf“, sagte Tado-Gründer Christian Deilmann am Mittwoch dem Handelsblatt.
In den vergangenen Monaten seien die Verbraucher verunsichert gewesen, auch wegen der Diskussion über das Heizungsgesetz. Doch nun laufe die staatliche Förderung an, und auch anderswo gebe es Nachholbedarf. 80 Prozent aller Heizungen in Europa seien noch fossil und müssten auf Wärmepumpen umgestellt werden, so Deilmann. „Das ist ein Riesenmarkt.“ Denn Wärmepumpen seien über die gesamte Laufzeit die günstigste und effizienteste Lösung.
Die Tado-App kann seit einigen Monaten nicht nur fossile Heizungen, sondern auch Wärmepumpen steuern. Diese sollen im Idealfall ihren Pufferspeicher füllen, wenn der Strom günstig ist – etwa im Sommer zur Mittagszeit, wenn die Solaranlagen viel Strom ins Netz einspeisen. Das funktioniert allerdings nur mit speziellen Stromtarifen – von denen Tado einen mit anbietet.
Auf einer Klima- und Sanitärmesse in Mailand hat Tado nun einen Partner für den Ausbau vorgestellt: Wärmepumpenhersteller Panasonic. Die Software von Tado soll Wärmepumpen künftig automatisch optimieren. So wolle man die konzerneigene Nachhaltigkeitsinitiative Green Impact vorantreiben, sagte Panasonic-Manager Masaharu Michiura. Die Japaner sehen sich als weltweit führender Hersteller von Luft-Wasser-Wärmepumpen.
Panasonic bietet Wärmepumpe mit Tado-Steuerung
In Deutschland können Hausbesitzer seit Ende Februar bei der KfW Fördermittel für den Einbau von Wärmepumpen beantragen. Möglich ist eine Förderung von bis zu 70 Prozent. Im Vorfeld hatte es monatelange Diskussionen gegeben. Zeitweise wurden deutlich weniger Wärmepumpen eingebaut als erwartet, es gab Kurzarbeit und Stellenabbau in der Branche.
Doch nun hoffen die Unternehmen auf ein Ende der Verunsicherung. Die Politik müsse helfen, mit Kampagnen „Vertrauen zurückzugewinnen und mit Argumenten zu überzeugen, dass es jetzt an der Zeit ist, ineffiziente und veraltete Heiztechnik auszutauschen und nicht abzuwarten“, sagte Helmut Bramann, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Sanitär Heizung Klima (ZVSHK).
Tado stellt sich auf starkes Wachstum ein. Die Steuerungs-Plattform für die Wärmepumpen sei herstellerunabhängig, betonte Deilmann. Mit Panasonic arbeite sein Unternehmen künftig aber besonders eng zusammen. Die Japaner bieten ihre Anlagen direkt mit der Tado-Steuerung an.
Das deutsche Energie-Start-up hatte 2022 seine Umsätze laut Branchenschätzungen im Zuge der Energiekrise auf knapp 100 Millionen Euro verdoppelt. Im vergangenen Jahr stagnierten sie auf hohem Niveau. Für 2024 peilt Deilmann auch dank des Wärmepumpeneffekts einen Umsatzsprung um 50 Prozent an.
Nicht nur Tado setzt auf Apps
Tado ist nicht das einzige Unternehmen mit einer App-Steuerung für Wärmepumpen. Der Produzent Stiebel Eltron etwa hat seine Geräte schon vor mehr als zehn Jahren an das Internet angeschlossen. Hauke Hagen, Leiter des Produktmanagements, sagte: „Wir glauben nicht, dass Tado Wärmepumpen besser steuern kann als die Hersteller selbst.“
Tado-Gründer Deilmann dagegen verweist darauf, dass mit seiner App die Räume zum Beispiel einzeln angesteuert werden könnten. Kundinnen und Kunden müssen bislang einmalig einen sogenannten Heat Pump Connector für 299 Euro kaufen. Bei Panasonic-Wärmepumpen sind diese nun bereits installiert.
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Tados Hauptprodukt ist eine intelligente Heizungs-App, zu der auch ein spezielles Heizkörperthermostat gehört. Das System kann zum Beispiel erkennen, wenn ein Nutzer etwa seinen Arbeitsplatz verlässt und nach Hause fährt, und die Wohnung vorheizen. Über das Handy weiß die Steuerung, wenn ein Bewohner einen Raum oder das Haus wieder verlässt.
Strom kaufen, wenn er am billigsten ist
Darüber hinaus hatte das Münchener Start-up Anfang 2022 die österreichische Firma Awattar übernommen, einen Spezialisten für die Flexibilitätsvermarktung von Strom. Mithilfe der IT-Plattform aus Wien sollen die Tado-Nutzer zum Beispiel ihr Elektroauto oder den Pufferspeicher der Wärmepumpe genau dann aufladen, wenn der Strom besonders günstig ist, weil zum Beispiel viel Wind- oder Sonnenenergie in das Netz eingespeist wird.
In Phasen, in denen der Strom sehr teuer ist, kann der Ladevorgang unterbrochen werden. Diese flexiblen Tarife sollen nun bei der Wärmepumpensteuerung zum Einsatz kommen. Auf längere Sicht will Tado so seine eigene Energiewende gestalten: Aktuell machen die Umsätze mit der Steuerung von fossilen Heizungen noch 90 Prozent des Geschäfts aus, die Wärmepumpen zehn Prozent. „Das wird eines Tages auch bei uns umgekehrt sein“, sagt Deilmann.
Erstpublikation: 13.03.2024, 12:49 Uhr.