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Asia TechonomicsWenn sich nach dem Toiletten-Gang die Gesundheits-App meldet

Japans Faible für Hightech-Toiletten hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Die neuesten Modelle analysieren sogar den Stuhl. Wer davon profitieren kann – und wo die Grenzen sind.Martin Kölling 31.07.2025 - 11:18 Uhr Artikel anhören
Modernes Klo (hier noch aus dem Jahr 2020): Das System des Nachfolgers misst nach dem Stuhlgang automatisch Form, Farbe und Menge. Foto: Toto [M]

Tokio. Japans Klos sind schon seit Langem Hightech-Produkte: Die Modelle im gehobenen Preisbereich heizen und öffnen den Deckel automatisch, filtern die Abluft, spielen Musik ab, waschen den Po mit einem wohltemperierten Wasserstrahl, föhnen ihn auf Wunsch trocken und spülen automatisch nach. Nun ist die Toilette sogar zum Wellnessprodukt geworden.

Zum Beispiel Neorest, eine Top-Marke des Bad- und Küchenausstatters Toto. Die neue Generation der Dusch-WCs schließt eine Lücke in den Gesundheits-Apps vollvernetzter Digitalmenschen, die ständig etwa Blutdruck, Puls und Sauerstoffsättigung messen. Die Hightech-Toilette schaut sich mit eingebauter Optik und Sensoren den Stuhl an und meldet den Befund an eine Smartphone-App.

„Daily Wellness“ verspricht  Hersteller Toto, eine Art verdauungsbasierter Fitness-Motivator für moderne Daten-Junkies. Es sei wichtig, Sport zu treiben und auf die Ernährung zu achten, so die Entwickler. „Aber es braucht einen starken Willen, um durchzuhalten.“ Daher habe Toto überlegt, wie das Unternehmen die Menschen dabei unterstützen könnte, sich gesund zu verhalten.

Das Ergebnis des Denkprozesses ist in der Keramik unter der Klobrille versteckt, gleich neben dem Modul für die Po-Spülung: der Stuhlgangscanner, gut geschützt von einer kleinen Klappe. Bei der Benutzung erfasst ein Sensor das fallende Verdauungsprodukt unter dem Licht einer Leuchtdiode, und das System misst dann automatisch Form, Farbe und Menge.

So funktioniert die Abort-Analyse

Dabei wird der Stuhlgang in sieben Stufen unterteilt: von harten Kügelchen über wurstförmig bis dünnflüssig. Dies geschieht nach der Bristol-Stuhlformen-Skala. Zusätzlich wird das Verdauungsergebnis in drei Gelb- bis Brauntöne und Gewichtsklassen eingeordnet: klein (unter 100 Gramm), mittel und groß (über 200 Gramm).

Schon die Einordnung der Form ist ein wichtiges diagnostisches Mittel für die Stuhlkonsistenz, die bei vielen Erkrankungen des Magen- und Darmtrakts entscheidend sein kann und auch bei der Kontrolle von Therapien hilft. Die ergänzende Erfassung von Farbe und Gewicht des Stuhlgangs erweitert die diagnostischen Möglichkeiten noch.

Derartige Daten erübrigen zwar keinen Arztbesuch, können aber der Anlass dafür sein. In der Medizin kann die Erfassung von Trends als Frühwarnzeichen für ernsthafte Erkrankungen genutzt werden.

Aber so hoch zielt Toto genauso wenig wie Apple mit den Health-Funktionen seiner Smartwatch. Die Ergebnisse werden an die Apps der Nutzenden gesendet, verständlich ausgewertet, grafisch dargestellt und auch gleich mit Sport-, Ernährungs- und Schlaftipps veredelt. „Wir stellen Informationen zur Verfügung, die Ihnen helfen, sich Ihrer Lebensgewohnheiten bewusst zu werden“, heißt es im Katalog des Klomodells.

Im Zeitalter der Gesundheits-Apps

Erstaunlich ist dabei nicht die Idee, das Klo als Diagnosegerät zu nutzen, sondern dass diese Idee erst jetzt kommerziell umgesetzt wird. Denn die drei großen japanischen Toilettenanbieter – neben Toto sind das Panasonic und Lixil – suchen eigentlich immerzu nach neuen Technologien, um sich gegenseitig zu übertrumpfen.

In der wöchentlichen Kolumne „Asia Techonomics“ schreiben Handelsblatt-Korrespondenten im Wechsel über Innovations- und Wirtschaftstrends in Asien. Foto: Klawe Rzeczy

Damit haben sie Japan in den Jahrzehnten des harten Wettbewerbs zur technologisch führenden Toiletten-Nation gemacht. Es begann vor etwa 50 Jahren schlicht mit beheizbaren Klobrillen. Über die Po-Dusche und immer weitere Sensoren und Funktionen wurde schließlich Computer-Elektronik in der Badezimmerkeramik verbaut.

Alle Hersteller haben bereits seit Langem Technologien zur medizinischen Nutzung von Toiletten parat. Der erste dem Autor bekannte Prototyp wurde 1989 in einem experimentellen Smart Home des Computerpioniers Ken Sakamura in Tokio installiert. Auf einem pixeligen Farbmonitor in der Küche konnte man sich von Laserdisks Rezepte auswählen.

Stunden später begutachtete dann die Klo-Technik die Wirkung der Kochkünste auf den Körper. Die Toilette analysierte den Urin, maß den Blutdruck und sendete die Ergebnisse über eine ISDN-Leitung an einen Arzt oder ein Krankenhaus. Der Hersteller: Toto.

Panasonic stellte um die Jahrtausendwende eine Toilette vor, die auch Gewicht und Körperfettgehalt messen konnte. Lixil, in Deutschland mit der zugekauften Marke Grohe im Bereich Po-Duschklos präsent, experimentierte bereits vor Jahren mit einer kamerabasierten Stuhlanalyse.

Was zur kommerziellen Umsetzung dieser Idee fehlte, war lange Zeit ein Massenmarkt. Doch der ist nun da – mit der Flut an smarten Uhren, Ringen und Blutzuckermessgeräten sowie datenbasierten Gesundheits-Apps.

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Da kann die Stuhlanalyse bei der Wahl der Toilette durchaus ein ausschlaggebender Faktor werden, zumal sie junge wie alte Menschen anspricht.

Ach ja, der Preis: Das Toto-Modell ist für umgerechnet 3170 Euro zu haben.

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