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ModehandelP&C Düsseldorf bekommt erstmals eine Chefin

Mit Constanze Freienstein an der Spitze und Marc Busscher als Finanzchef soll die Transformation des Modehändlers gelingen. Vorgänger Thomas Freude soll als Berater bleiben.Anja Müller 23.09.2025 - 03:25 Uhr Artikel anhören
Neue P&C-Chefin Constanze Freienstein: Die Handelsexpertin führte zuvor das Europageschäft von Land's End. Foto: Peek&Cloppenburg

Düsseldorf. Constanze Freienstein übernimmt ab dem 1. Dezember 2025 die Geschäftsführung des Modehändlers Peek & Cloppenburg (P&C) Düsseldorf. Das teilte das Unternehmen am Montagabend mit. Demnach wird sie für Vertrieb, Personalwesen, Expansion und Vermietung verantwortlich sein. Ihr Vorgänger, Thomas Freude, der kurz vor der Insolvenz 2023 zu P&C gestoßen war, wechselt in eine Beraterfunktion.

Freienstein ist damit die erste Frau an der Spitze des familiengeführten Unternehmens mit Sitz in Düsseldorf. Mit der Hamburger Peek & Cloppenburg teilt das Unternehmen dabei eine Familiengeschichte, geschäftlich sind die Händler aber seit Anbeginn getrennt.

Die 56-jährige Handelsexpertin ist seit Herbst 2023 Partnerin bei dem Beratungsunternehmen Alix Partners, wo sie sich auf Restrukturierung und Digitalisierung spezialisiert hat. Sie ist außerdem Mitglied im Verwaltungsrat des Retail-Datendienstes Refive und der Retail Technology Show.

Freieinstein bringt zudem operative Führungserfahrung mit. Bis Februar 2023 war sie gut drei Jahre als Vorstandschefin für das Europageschäft des US-Einzelhändlers Land’s End verantwortlich. Zuvor war sie unter anderem bei Metro, dem Outlet-Betreiber McArthur Glen und der kanadischen Handelskette Hudson’s Bay tätig.

Stefano Della Valle, Vorstandsvorsitzender und CEO der Peek-&-Cloppenburg-Gruppe hat laut Firmenmitteilung vom Montagabend das Ziel ausgegeben, Peek & Cloppenburg in einem Transformationsprozess sowohl als Online- als auch als stationären Händler zu positionieren. Wie das Handelsblatt aus unternehmensnahen Kreisen erfuhr, wird Alix Partners die Transformation bei P&C begleiten.

Herausfordernder Modehandel

Freienstein soll die Transformation ab Dezember fortsetzen und vorantreiben: Sie werde „eine entscheidende Rolle in unserem Transformationsprozess spielen“, heißt es von P&C.

Bei P&C fehle bereits seit einigen Jahren eine Strategie und „eine klare Hand“, kommentiert ein Branchenexperte, der namentlich nicht genannt werden möchte. Das Beständige sei bei dem Modehändler derzeit nur der Wechsel. P&C hatte 2021 unter der Führung von Firmenchef Edgar Hert eine aufwendige Online-Strategie gestartet, und einen dreistelligen Millionenbetrag in die Digitalisierung gesteckt. Nach der Insolvenz im Herbst 2023 hatte der dann amtierende Chef Freude angekündigt, sich mehr auf den stationären Handel zu fokussieren.

Es ist nicht die einzige Veränderung bei P&C: Ende Oktober 2025 wird zudem Marc Busscher als neuer Finanzchef starten. Er folgt auf Tim Mundhenke, der das Unternehmen bereits verlassen hat.

Marc Busscher: Der künftige Finanzchef startet bereits Ende Oktober bei Peek & Cloppenburg. Foto: Peek & Cloppenburg

Busscher hat nach einer Tätigkeit bei der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PwC) bereits Erfahrung in der Modebranche bei der PVH Group gesammelt, zuletzt als Finanzchef Europa für die Textilmarken Tommy Hilfiger und Calvin Klein.

Die Transformation ist nötig, da das Modehandelsgeschäft auch nach der Existenzkrise in der Pandemie herausfordernd bleibt. Der stationäre Handel hatte sich zwar nach den Corona-Schließungen wieder erholt, doch die zurückhaltende Konsumstimmung trifft laut Prognose von Alix Partners die Modebranche besonders stark. Auch im Onlinegeschäft sind die Marktanteile weitgehend verteilt, und selbst Europas größter Modehändler Zalando wächst nicht mehr so rasant. Der Dax-Konzern übernahm daher schon den kleineren Konkurrenten About You.

P&C war 2023 in die Insolvenz in Eigenverwaltung gegangen

P&C selbst hatte im Frühjahr 2023 Schutzschirmverfahren mit Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Bei diesem Verfahren bleibt das Management an der Spitze, der Insolvenzverwalter steht ihm als Sachwalter zur Seite. Die Unternehmen erhalten Insolvenzgeld für die Mitarbeiter und können innerhalb des Verfahrens unter anderem Mietverträge kündigen, die ohne ein solches Verfahren nicht kündbar wären.

Damals war der Restrukturierer Dirk Andres neben Thomas Freude als Sanierungsgeschäftsführer mit in die Führung von P&C gegangen und hatte das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung bereits nach wenigen Monaten abgeschlossen.

Die schnelle Neuaufstellung entfachte Diskussionen über die Insolvenz in Eigenverwaltung, die Sanierer Andres im vergangenen Jahr im Gespräch mit dem Handelsblatt verteidigte: Es sei alles nach der Insolvenzordnung abgelaufen und es sei richtig, dass ein Eigentümer selbst nicht unbegrenzt Geld nachschießen müsse.

Aktuelle Umsatzzahlen veröffentlicht das Unternehmen nicht. Laut dem Datenanalysehaus Statista lag der Umsatz im Jahr 2022 bei rund 1,5 Milliarden Euro.

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Am 1. Mai wurde Della Valle sowohl zum Vorsitzenden des Verwaltungsrats als auch zum Vorstandschef der JC Switzerland berufen. Der Modeexperte war zuletzt Berater bei der Boston Consulting Group (BCG), zuvor aber auch bei der thailändischen Central Group aktiv, die in Europa etwa das Berliner Kaufhaus des Westens (KaDeWe) betreibt.

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