Schifffahrtunternehmer: Erck Rickmers verkauft E.R. Schiffahrt an Kurt Zech
Rickmers bemüht sich, den Verkauf von E.R. Schiffahrt nicht als Notmaßnahme erscheinen zu lassen.
Foto: picture alliance/dpaDer Reeder selbst saß 1998 am Computer und probierte Schriftarten aus. Die Buchstaben E.R., Monogramm von Erck Rickmers, sollten auf der Flagge seines neuen Schifffahrtsunternehmens wehen, das war klar. Die Kosten für eine Agentur wollte er damals aber sparen, erinnerte sich Rickmers am Montag.
Jetzt holt Erck Rickmers die Flagge ein. Der Spross der wohl bekanntesten Hamburger Reeder-Dynastie verkauft seine E.R. Schiffahrt sowie die Schiffsmaklerfirma Harper Petersen an den Bauunternehmer Kurt Zech. Dessen erst 2013 gegründete Bremer Zeaborn-Gruppe hatte auch schon wesentliche Teile des insolventen Imperiums von Rickmers Bruder Bertram übernommen. Es entsteht so ein Unternehmen, das 165 Schiffe managt mit 360 Mitarbeitern an Land und 5000 auf See.
Echte Schiffe gibt Erck Rickmers allerdings nicht ab. Die verkaufte E.R. Schiffahrt ist ein Dienstleister, der die ihm anvertrauten Schiffe mit Mannschaften ausstattet und betreibt. Darunter sind 34 Schiffe, die Rickmers und seinen Co-Investoren weiterhin gehören. Rickmers bleibt also Reeder – auch wenn ihm das angeblich gar nicht so wichtig ist. „Ich lebe die Tradition nicht produktbezogen, sondern als Unternehmer. Und dazu gehört, dass man sich immer wieder neu erfindet“, sagt Rickmers, der sich auch schon mal als Politiker versucht hatte. Ab 2011 saß er kurzzeitig für die SPD im Hamburger Landesparlament, der Bürgerschaft.
Ein Reederspross in fünfter Generation
Der 53-jährige Reederspross in fünfter Generation bemüht sich, den Verkauf nicht als Notmaßnahme erscheinen zu lassen. E.R. Schiffahrt habe schlicht nicht die nötige Größe erreichen können, um den Überkapazitäten am Markt genügend entgegensetzen zu können. Ein realistischer Weg zu mehr Größe wäre ein vor zwei Jahren geprüfter Zusammenschluss mit dem Geschäft des Bruders gewesen. Doch dazu kam es nicht, weil die Gruppe von Bertram Rickmers damals bereits angeschlagen war. Jetzt kommen beide Unternehmen unter der Regie von Zech zusammen. Bertram Rickmers ist an dem jetzigen Deal nicht beteiligt – er hält lediglich an einer Chartertochter von Zeaborn 25,1 Prozent.
„Wenn man zu lange an etwas festhält, gestaltet man seine Zukunft nicht mehr“, sagt Erck Rickmers. E.R. Schiffahrt habe zuletzt aber noch fast zehn Millionen Euro Gewinn geschrieben. Zudem habe er seine Verbindlichkeiten stets „bis auf den letzten Cent“ zurückgezahlt, betont er – auch wenn Anleger bei ihm teils Verluste realisiert hätten. Selbst die Krisenbank HSH Nordbank habe mit ihm unter dem Strich Geld verdient, behauptet Rickmers. „Die HSH Nordbank wäre in einer anderen Situation, wenn das auch für die anderen Reeder gelten würde“, sagte er mit Blick auf den anstehenden Verkauf der Landesbank.
Rickmers betonte, er habe einer Lösung den Vorzug gegeben, bei der die Arbeitsplätze gesichert würden, und daher einem Mitbieter, einem Private-Equity-Fonds, abgesagt. Eine formale Arbeitsplatzgarantie gibt es aber nicht. Erck Rickmers will über seine Blue Star Group weiter Schiffsfinanzierungen für institutionelle Anleger anbieten. Daneben ist er an mittelständischen Unternehmen in Medizintechnik und Maschinenbau beteiligt und im Immobiliengeschäft tätig.E.R. Schiffahrt