Strüngmann: Biotech-Milliardäre setzen auf neues Forschungsfeld
München. Die Zwillinge Andreas und Thomas Strüngmann gelten als Ausnahmeinvestoren in der Biotech-Industrie – nicht nur wegen ihrer frühen Unterstützung des Mainzer Unternehmens Biontech. In einem ihrer seltenen gemeinsamen Interviews sprechen sie mit dem Handelsblatt darüber, was Deutschlands Biotech-Branche braucht, um im Wettbewerb mit den USA und dem aufstrebenden China nicht den Anschluss zu verlieren.
Deutschland verfüge über exzellente Grundlagenforschung, „aber wir müssen noch besser darin werden, diese in marktfähige Innovationen zu überführen“, sagt Thomas Strüngmann. Dass die deutsche Politik die Biotechnologie als Schlüsselindustrie identifiziert hat, begrüßen die Brüder. „Was fehlt, ist ein langfristiger Rahmen, der Investitionen auch nach der Startphase unterstützt“, sagt er. Dazu gehörten etwa steuerliche Anreize oder die gezielte Mobilisierung privaten Kapitals. „Ich erwarte, dass die Politik entschlossen handelt“, sagt Thomas Strüngmann.
Gerade China habe in den vergangenen Jahren eine beeindruckende Aufholjagd in der Biotechnologie hingelegt. „Das Land investiert massiv in Forschung, Entwicklung und industrielle Infrastruktur“, sagt Andreas Strüngmann. Die Branche in Europa bräuchte nach Ansicht der Brüder ein „echtes Skalierungsprogramm für Biotech-Unternehmen“, das auch auf Industrialisierung ausgerichtet sei. „Ohne Produktionskompetenz in Europa bleibt das Innovationspotenzial unserer Forschung ungenutzt – und endet gewissermaßen auf halber Strecke“, sagt Thomas Strüngmann.