Lindner Group: Vom Drei-Mann-Betrieb zum globalen Bauunternehmen
Hans Lindner macht sich 1965 im Alter von 24 Jahren, nach einer Lehre im Sägewerk und Studium an der Fachhochschule Rosenheim, mit der Akustikbau Lindner GmbH in seinem Heimatort Arnstorf selbstständig.
Lindner schafft es aus ärmlichen Verhältnissen bis ziemlich weit nach. oben. Seine Mutter betrieb das Wirtshaus in Arnstorf, der Vater einen kleinen Holzhandel. 1970 baut Hans Lindner eine Schreinerei als erste Produktionsstätte.
Im selben Jahr holt er 100 türkische Mitarbeiter ins Land, weil er in Zeiten der Vollbeschäftigung in Niederbayern keine Leute mehr findet.
1968-1971: Die Firma erhält Aufträge für die Olympischen Spiele in München. Sie ist beim Ausbau der Studentenhäuser dabei, beim Athletendorf und der Reitanlage.
1972: Arbeiter aus der Türkei verstärken die Firma. Viele bleiben bis zum Ruhestand. 1974 erreichtet Hans Lindner das erste Ferienhaus für seine Mitarbeiter an der Costa Blanca in Spanien.
1976 erhält Lindner erhält seinen ersten Auftrag zum Komplettausbau eines Gebäudes. Das Vorhaben mit 22 Millionen DM Volumen der Universität Wuppertal kann der Mittelständler kaum stemmen. Letztlich aber ist der Kunde zufrieden.
1982 übernehmen die Bayern die Jade Holzwerke in Wilhelmshaven, ein Spezialist für furnierte Platten. Damit erweitert Lindner die Produktpalette. So gelingt es, den Auftrag zum Ausbau der Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt zu ergattern. Im selben Jahr kauft Lindner den Handwerksbetrieb Röckelein in München und steigt damit ins Geschäft mit Isoliertechnik ein. Außerdem eröffnet Lindner seine erste Auslandsniederlassung in Baden bei Wien.
1984 entschließt sich Hans Lindner entschließt sich, sein Unternehmen in kleine, überschaubare Profit Center zu unterteilen. Seither schüttet er jedes Jahr 15 Prozent vom Gewinn ihrer Einheit an die Mitarbeiter aus. 1987 beginnt das Unternehmen das Geschäft mit Bodensystemen.
1988 wandelt Hans Lindner seine Firma in eine Aktiengesellschaft um. Im selben Jahr steigt er in die Schadstoffsanierung ein, um zum Beispiel Asbest fachgerecht zu entsorgen.
1995: Der Unternehmer unterzeichnet den bis dahin größten Auftrag der Firmengeschichte, der Ausbau des Flughafens Hongkong mit einem Volumen von mehr als 90 Millionen Mark. Lindner liefert die Metalldecken für den Bau.
1998 kauft Lindner kauft die Goldbach Norit Gruppe und weitet damit sein Geschäft mit Böden deutlich aus. Im Jahr 2000 steigt der Mittelständler ins Geschäft mit Projektentwicklungen ein. In Bulgarien, Rumänien und Ungarn nimmt die Firma daraufhin große Vorhaben in Angriff.
2002 kauft Hans Lindner kauft das Wasserschloss Mariakirchen unweit des Konzernsitzes in Arnstrof. 2003 eröffnet der Wirtssohn Lindner seine eigene Brauerei. Gleichzeitig entstehen in China neue Standorte und zwei Jahre später beginnt Lindner in Tschechien mit der Türen-Produktion.
2006: Die Firma übernimmt den Fassadenbauer Schmidlin in Großbritannien. Vom Flughafen Heathrow erhält Lindner einen Auftrag über 130 Millionen Euro für Innenausbau und Gebäudehülle.
2007: Lindner eröffnet neben seinem Wasserschloss ein Viersterne-Hotel. Parallel dazu strebt er mit einem Joint-Venture nach Dubai. Kurz darauf ist er am Ausbau der U-Bahn-Stationen der Millionenstadt beteiligt.
Der Konzern steigt 2008 ins Geschäft mit dem Ausbau von Kreuzfahrtschiffen ein. 2009 verabschiedet sich Lindner von der Börse.
2011: Das Unternehmen kauft den Fassaden- und Dachspezialisten Prater aus London. Zudem steigt Lindner in den Gerüstbau ein. 2013 produzieren die Bayern Metalldecken für die Moschee in Mekka, der bis dahin größte reine Lieferauftrag.
2015 sterben sechs Mitarbeiter des Unternehmens bei einem Brand in ihrer Unterkunft im oberbayerischen Schneizlreuth. Sie durften dort ein Erlebniswochenende verbringen zum 50. Geburtstag des Unternehmens.
2016: Die Gruppe steigt in die Öko-Landwirtschaft ein.
2019: Lindner ist am Bau der neuen Zentrale des Sportkonzerns Adidas beteiligt.
2011 erfolgte für das Lebenswerk von Hans Lindner die Auszeichnung im Wettbewerb Großer Preis des Mittelstandes der Oskar-Patzelt-Stiftung.
Das Unternehmen von Hans Lindner steuert inzwischen 80 selbstständige Unternehmen und viele selbstständige Niederlassungen und Geschäftsbereiche - mit über 6.000 Mitarbeitern weltweit, davon rund 3.000 am Firmenstammsitz in Arnstorf. Damit ist Lindner der größte Arbeitgeber im Landkreis Rottal-Inn.
Nach dem Squeeze-out 2009 ist die Lindner Group ein reines Familienunternehmen und die Familie Lindner hält 100 Prozent der Anteile. Ins Unternehmen eingestiegen ist auch Veronika Lindner, Tochter des Firmengründers.
Sie nimmt die Schlüsselrolle der nächsten Generation der Lindner Group ein, führt den Verwaltungsrat und überwacht die 13 Vorstände, die den Betrieb führen. Veronika Lindner kennt sich gut aus, bis 2018 war sie zehn Jahre lang für die Finanzen zuständig. „Ich versuche, alles zusammenzuhalten“, erklärt die 44-Jährige ihre Aufgabe.
Heute zählt die Gruppe 7.500 Mitarbeiter, der Umsatz lag zuletzt bei 1,1 Milliarden Euro. Das Geschehen in seinem Unternehmen verfolgt der Patriarch noch immer, aus dem Tagesgeschäft hat sich Lindner jedoch zurückgezogen.