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Hidden Champion GrimmeDie Kartoffel als Kernkompetenz

Der Landmaschinenbauer Grimme schafft den Spagat zwischen Tradition und Moderne. Er baut High-Tech-Geräte zum flächendeckenden Roden der Felder, bietet aber auch ganz einfache Geräte für die Kartoffelernte an.Regine Palm 15.12.2014 - 13:46 Uhr Artikel anhören

Der Kartoffelroder TECTRON 415 von Grimme. „Die Kartoffel ist eine extrem sensible Frucht; sie muss sanft gerodet werden“.

Foto: Grimme PR

Düsseldorf. Chips, Pommes frites, Gratin oder einfach nur in Salzwasser gekocht - wohl kein anderes Nahrungsmittel gibt es in so vielen Variationen wie die Kartoffel. Für jeden Geschmack ist etwas dabei, entsprechend groß ist der Absatz weltweit. Kaum bekannt ist indes, dass bei Kartoffeln nahezu immer ein deutsches Unternehmen die Hand mit im Spiel hat: der Landmaschinenhersteller Grimme aus Damme, einem kleinen beschaulichen Ort in Niedersachsen.

Das Unternehmen ist Weltmarktführer für Kartoffeltechnik, also bei Anbau, Pflege, Ernte und Lagerung von Kartoffeln. In der Rangliste der Hidden Champions der „Wirtschaftswoche“ erreichte es Platz fünf. Doch versucht Grimme gar nicht, im Geheimen zu wirken. Die Maschinen sind unverwechselbar und fallen neben der zum Teil immensen Größe auch durch ihr Signalrot auf.

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Das Erfolgsrezept des Unternehmens: „Die Maschinen werden ganz speziell auf den Kunden ausgerichtet“, erklärt Firmenchef Franz Grimme. Er ist 1980 in das Familienunternehmen eingestiegen, das vor mehr als 150 Jahren von seinem Urgroßvater gegründet wurde. Irgendwann werden seine Söhne das Unternehmen übernehmen. „Beide haben Interesse, es wird daher in der fünften Generation weitergehen“, ist Grimme zuversichtlich.

Doch so simpel, wie es klingt, ist das Erfolgsrezept nicht. Denn die Landwirtschaft von heute hat mit der einstigen Idylle und Bodenständigkeit nur noch wenig gemein. Um die komplexen Maschinen zu steuern und die Fahrer zu entlasten, ist eine intelligente Elektronik notwendig. Für Grimme eine besondere Herausforderung - gleich in mehrfacher Hinsicht. „Der Landwirt soll eine Technik an der Hand haben, bei der die Kartoffel heil bleibt, die Arbeit leichter wird - und er muss Geld dabei verdienen“, sagt Grimme. „Und die Kartoffel ist eine extrem sensible Frucht; sie muss sanft gerodet werden.“

Firmenchef Franz Grimme, zusammen mit seiner Frau Christine. Die Söhne der beiden werden das Familienunternehmen in fünfter Generation weiterführen.

Foto: Grimme PR
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Die Maschinen, mit denen das Ziel erreicht wird, werden immer größer, sind gigantisch. Sie stoßen in Deutschland schon an Grenzen, da sie für den normalen Straßenverkehr zu groß werden. Theoretisch könnten Bauern ihre Maschinen vom Wohnzimmer aus steuern - in der Praxis ist das allerdings verboten. Doch die Richtung ist klar: Auch in der Landwirtschaft haben Computer und Elektrotechnik längst Einzug gehalten.

Für einen Spezialisten wie Grimme birgt das Chancen, etwa wenn die Technik ungeplant ausfällt. Für den Landwirt, der die teuren Maschinen ohnehin nur wenige Monate im Jahr einsetzen kann, eine Katastrophe. Schnelle Hilfe ist gefragt. Grimme bietet diese von Damme aus an. Sobald die Maschine in der Ferne freigeschaltet worden ist, kann ein Techniker via Satellit die Fehlfunktion beheben. „Bei großen selbst-fahrenden Maschinen ist das schon die Regel“, betont Grimme. Diese Elektronik hat ihren Preis. In der Spitze kosten die Kartoffelernte-Maschinen bis zu 550.000 Euro.

Der Fortschritt schafft aber auch ganz andere Probleme. Denn nicht in allen Ländern erfüllen die Landwirte die Voraussetzung, um die High-Tech-Maschinen zu bedienen. Viele benötigen und beherrschen nur einfache, mechanische Geräte. Auch diese Kunden bedient Grimme. „In den neuen Märkten geht es zum Teil auch wieder einen Schritt zurück“, sagt er. „Es ist ein Spagat, das hat uns in der Vergangenheit starkgemacht.“

Kartoffeln sind die Kernkompetenz bei Grimme. Aber auch für Rüben bietet das Familienunternehmen aus Damme Lösungen an.

Foto: Grimme PR

Jährlich stellt Grimme rund 5.000 Kartoffelmaschinen her, über 80 Prozent davon gehen ins Ausland. Damit ist der Exportanteil etwas höher als in der deutschen Landtechnik-Branche. Nach Angaben des Fachverbands VDMA liegt die Exportquote bei rund 75 Prozent. 2013 erzielte die Landtechnikindustrie, zu denen etwa der Mähdrescherbauer Claas gehört, den Rekordumsatz von 8,4 Milliarden Euro. In diesem Jahr erwartet der Verband einen Branchenumsatz von 7,6 Milliarden Euro. Der Rückgang ist vor allem dem schwächeren Traktorgeschäft geschuldet.

Die Grimme-Gruppe wird den letztjährigen Umsatz von 400 Millionen Euro in diesem Jahr übertreffen; 2010 waren es noch 193 Millionen Euro. Der Sprung ist dem starken Geschäft und zwei Zukäufen seit 2012 geschuldet: Zur Gruppe gehören nun auch der Rübentechnikhersteller Kleine in Salzkotten und der dänische Gemüsetechnikanbieter Asa-Lift. Weltweit hat der Konzern 2.000 Mitarbeiter. Zu den Wettbewerbern gehört das Unternehmen Dewulf, das sich auf Erntemaschinen spezialisiert hat. Mit 44 Millionen Euro Umsatz und 130 Mitarbeitern sind die Belgier regionaler und deutlich kleiner.

Für 2015 ist Grimme zurückhaltend: „Angesichts der wirtschaftlichen Abschwächung werden die Landwirte vorsichtiger. Investitionen werden länger überdacht.“ Gebremst würden sie auch durch den Fall der Kartoffelpreise. Zudem schlagen die Sanktionen gegen das wichtige Exportland Russland durch; er erwartet dort einen fünfzigprozentigen Umsatzrückgang. „Positive Entwicklungen sehen wir dagegen in Afrika, Südamerika und Asien.“ Auch China hat Grimme weiter im Visier und investiert bis 2016 rund zwölf Millionen Euro in den Aufbau einer Produktion.

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Schon heute werden Grimme-Maschinen in 120 Länder geliefert. In wichtigen Anbauregionen sind eigene Vertriebs- und Servicetöchter gegründet worden. Dazu gehören Großbritannien, Frankreich, Dänemark, Polen, Irland, die Niederlande, Russland, die USA, China, Belgien und die Türkei. Zur Gruppe zählen auch die Unternehmen Internorm (Kunststofftechnik), GrimmeSolutions (Ingenieurdienstleistungen für Kartoffelverarbeiter) und Ricon, eine Vertriebsgesellschaft für Ersatzteile in der Hackfruchttechnik, und in den USA der Kartoffeltechnikhersteller Spudnik. „Der Service und die Ersatzteilversorgung müssen international klappen“, betont Grimme.

Die Ausweitung des Geschäfts auf Erntetechnik für Rüben und Gemüsesorten wie Rote Beete, Möhren und Sellerie soll die saisonale Unabhängigkeit steigern. Schließlich ruht die Produktion der Kartoffelmaschinen im Herbst; sie läuft erst im Winter wieder an. Grimme bietet auch hier individuelle Problemlösungen. Das hat dem Unternehmen sogar eine Anfrage für eine Erntemaschine für den noch empfindlicheren Spargel eingebracht.

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Doch die Kartoffel ist und bleibt die „Kernkompetenz “. Den Grundstein dafür hat 1861 der Urgroßvater von Franz Grimme mit seinem Schmiedebetrieb gelegt. In den 30er-Jahren wurde dann der erste Kartoffelroder vorgestellt. Das erste Produkt, ein Ablagekorb, trug den Namen „Unerreicht“ - es wurde tausendfach produziert.

Der heutige Firmenchef hat den Ausbau des Unternehmens vorangetrieben. Er hat das Produktprogramm um spezielle Lege-, Pflege- und Lagermaschinen erweitert. „Unser Geschäft ist alles, was auf dem Acker geschieht“, erklärt Grimme. Dazu gehört das Legen der Knollen ebenso wie die Ernte, die Lagerung und das Sortieren. Schon bei der Ernte trennt beispielsweise die Maschine Steine und Kartoffeln und sortiert Letztere auch gleich nach der Größe. Nur das Schneiden der Chips oder der Pommes frites muss der Weiterverarbeiter noch selbst vornehmen.

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