Porträt: Was die Firma Denker & Wulf zum Wachstums-Champion macht
Sehestedt. Als der landwirtschaftliche Betrieb seines Vaters klamm war, leistete Torsten Levsen Pionierarbeit. Ein Windrad musste her, befand der Student der Agrarwirtschaft. Dies sollte für zusätzliche Einnahmen sorgen. Doch zu Beginn der 1990er-Jahre wussten nur wenige Fachleute, wie man ein solches Kraftwerk aufs Feld bekommt und an das Stromnetz anschließt. Levsen schreckte das nicht ab. Er machte sich auf die Suche und fand mit Erneuerbare-Energien-Pionier Klaus-Detlef Wulf und dem Banker Hugo Denker Unterstützer. So startete er den Windradbau auf dem väterlichen Hof.
„Ich habe auf dem Grundstück bei der Planung der Windanlage geholfen und bei der Fundamentierung mit angepackt“, sagt Levsen. Er ahnte nicht, dass er auch den Grundstein für ein Unternehmen legte, das heute zu den wachstumsstärksten Mittelständlern Deutschlands zählt. Denn später tat er sich mit den beiden zusammen, eine gemeinsame Firma entstand.
Im Ranking der Strategieberatung Munich Strategy landet Denker & Wulf aus dem schleswig-holsteinischen Sehestedt auf Rang drei. Das Umsatzwachstum betrug in den vergangenen Jahren im Schnitt 20,3 Prozent, zuletzt standen rund 159 Millionen Euro zu Buche. Die Ebit-Marge lag im Schnitt bei 30,7 Prozent.
Bei Denker & Wulf errichtete der heute 58-jährige Levsen bald erste Windräder für Kunden. Mit der steigenden Leistung der Anlagen wuchsen auch die Projekte. „Seit 30 Jahren steigt unser Umsatz mit ganz wenigen Dellen stetig“, sagt Levsen. 2001 schlüpfte Denker & Wulf unter das Dach des Turbinenherstellers Repower Systems – seither ist Levsen Vorstandschef. Ein Jahr später ging Repower an die Börse. Seit dem Management-Buy-out im Jahr 2004 ist Levsen einer der beiden Hauptgesellschafter von Denker & Wulf.
Geld verdient das Unternehmen allein mit der Entwicklung und dem Betrieb von Windparks. Verkauft habe man einen Windpark zuletzt 2008, sagt Levsen. „Wir wollen alles im eigenen Bestand halten.“ Das schlägt sich auch in Zahlen nieder. So stieg das Anlagevermögen von Denker & Wulf in den Jahren 2019 bis 2022 von 330 auf 446 Millionen Euro. Das Eigenkapital wuchs im selben Zeitraum von 130 auf 221 Millionen Euro.
„Einige Wettbewerber suchen den schnellen Gewinn. Sie konzentrieren sich auf die Projektierung und müssen damit Rendite erzielen, oder sie sind auf einen möglichst hohen Verkaufspreis angewiesen“, sagt Levsen. „Wir setzen auf eine langfristige Perspektive gemeinsam mit Kommunen und Grundstücksbesitzern. Bei uns kann jeder Kunde beim Vorstand reinschauen.“
Widerstand nimmt ab
900 Windkraftanlagen hat Denker & Wulf mittlerweile in zehn Bundesländern errichtet, weitere 133 befinden sich im Bau, sind beauftragt oder beantragt. 1300 Anlagen betreut das Unternehmen derzeit. Sieben Prozent Marktanteil am Zubau verzeichnete der Windparkentwickler im Jahr 2023. Der mittelständisch geprägte Markt verspricht weiteres Wachstum. „Das Potenzial ist da“, sagt Levsen.
Zudem habe sich der Widerstand bei der Bevölkerung verringert. „Wir müssen uns nicht mehr so oft erklären“, sagt er. „Die Energiekrise und Bewegungen wie Fridays for Future haben zu einem Umdenken geführt.“
Für Schub sorgen zudem verbesserte politische Rahmenbedingungen. Genehmigungen würden schneller erteilt als noch vor Jahren, sagt Levsen. In Anlehnung an den ehemaligen Wirtschaftsminister Peter Altmaier spricht er beim Windkraft-Ausbau von einer „Altmaier-Delle“. Behörden seien bei Genehmigungen eher aufs Verhindern gepolt gewesen.
Seit dem Jahr 2023 sorgt zudem das Windenergie-an-Land-Gesetz für mehr Planungssicherheit. Bis Ende 2032 müssen die Länder demnach zusammen zwei Prozent der Fläche Deutschlands für die Windenergie ausweisen. Laut Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) soll die Leistung der Windenergie an Land um bis zu zehn Gigawatt (GW) pro Jahr steigen. 2030 soll dann an Land eine Windenergieanlagen-Kapazität von rund 115 GW in Deutschland installiert sein. Levsen sieht Hürden. „Der Flaschenhals sind fehlende Anschlüsse ans Stromnetz.“
Doch der Zubau der Windenergie nimmt bereits an Fahrt auf. Im ersten Halbjahr 2024 wurden in Deutschland 289 Windanlagen an Land mit 1,3 GW installiert. Dies entspricht zwar einem Rückgang von 19 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Doch die große Welle steht noch bevor.
Im ersten Halbjahr 2024 wurden fast 70 Prozent mehr Windräder genehmigt als im Vorjahreszeitraum. Auch Denker & Wulf will davon profitieren. 300 Beschäftigte im Jahr 2027 schweben Levsen vor – aktuell sind es 240. „Das zu erwartende rasante Tempo beim Branchenwachstum werden wir aber nicht mitgehen. Bei uns geht Qualität vor Wachstum.“
Eine Expansion ins Ausland steht nicht an. „Wir bleiben bei dem, was wir können“, sagt Levsen. Vor einigen Jahren hatte Denker & Wulf Geschäft in Frankreich – und stieß es wieder ab. „Aktuell kommen die Projektierer nach Deutschland, weil hier der beste Markt ist. Warum sollten wir ausgerechnet jetzt ins Ausland gehen?“
Kein Mangel an Fachkräften
Ein Fachkräfteproblem sieht er hierzulande trotz des steigenden Personalbedarfs nicht. „Wir finden genügend Leute, und viele von ihnen sind qualifizierter als noch vor einigen Jahren“, sagt Levsen. Denker & Wulf betreibt sechs Standorte in Deutschland. „Wenn die Mitarbeiter nicht ins Büro kommen, kommen die Büros zu den Mitarbeitern.“ Homeoffice ist bei Denker & Wulf dennoch möglich. Levsen schätzt aber den persönlichen Austausch. „Die Projektierung von Windparks ist ein kreativer Prozess. Da braucht es den Austausch vor Ort.“
Am Hauptstandort in Sehestedt lockt Denker & Wulf als Arbeitgeber mit einem firmeneigenen Fußballplatz sowie einem Basketballfeld. Auch in der Region ist das Unternehmen engagiert – etwa als Sponsor des Fußballbundesligisten Holstein Kiel. Den Rockern „Nordhelden“ aus Kiel ermöglichte Denker & Wulf ein spektakuläres Musikvideo auf einer Windkraftanlage. Das Angebot war freilich nicht ganz uneigennützig. Levsen selbst spielt Gitarre in der Coverband.