Das Wichtigste in Kürze
- Die gesetzliche Pflegeversicherung übernimmt nur einen Teil der Pflegekosten, den Rest müssen Betroffene selbst aufbringen.
- Eine private Pflegezusatzversicherung schließt die finanzielle Lücke.
- Am häufigsten werden Pflegetagegeldversicherungen abgeschlossen. Deren Vorteil: Das ausgezahlte Geld ist nicht zweckgebunden, sondern steht frei zur Verfügung.
- Pflegetagegeldversicherungen mit guten Leistungen gibt es schon für vergleichsweise niedrige Beiträge.
Pflegebedürftigkeit ist für viele Betroffene oder ihre Angehörigen eine erhebliche finanzielle Belastung. Denn die gesetzliche Pflegeversicherung übernimmt je nach Pflegegrad nur einen kleineren oder größeren Teil der anfallenden Kosten. Die verbleibenden Ausgaben müssen aus Eigenmitteln aufgebracht werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Pflegebedürftige ambulant zu Hause oder stationär in einem Pflegeheim betreut wird.
Ist kein größeres Vermögen vorhanden, können Pflegebedürftige oder ihre Angehörigen schnell in existenzielle Schwierigkeiten geraten. Laut dem Verband der Privaten Krankenversicherer (PKV) ist vielen Menschen gar nicht bekannt, dass die Pflegeversicherung nur für einen Teil der Kosten aufkommt. Das gelte für gesetzlich und privat Versicherte gleichermaßen. „In der Regel müssen die verbleibenden Kosten aus der Rente oder dem privaten Vermögen gedeckt werden”, betont der Verband.
Private Krankenversicherungen im Vergleich
- Mehr als 35 Anbieter kostenlos vergleichen
- Unabhängig & transparent
- Bereits ab 97,00 € privat krankenversichern
(abhängig von Alter und Tarif)
Pflegezusatzversicherung schließt Finanzierungslücke
Der monatliche Eigenanteil in der Pflege ist hoch und stellt für viele Betroffene eine erhebliche finanzielle Belastung dar. Nach Angaben von Verbraucherzentralen und Krankenkassen liegt die private Zuzahlung bei vollstationärer Pflege in einem Pflegeheim heute in nahezu allen Pflegegraden deutlich im vierstelligen Bereich.
Im bundesweiten Durchschnitt müssen Pflegebedürftige im ersten Jahr eines Heimaufenthalts mehr als 3.000 Euro pro Monat aus eigener Tasche zahlen. Dieser Betrag setzt sich aus dem einrichtungseinheitlichen Eigenanteil für die Pflege sowie den Kosten für Unterkunft, Verpflegung, Investitionen und weiteren Umlagen zusammen. Die Höhe des Eigenanteils ist nicht pauschal vom Pflegegrad abhängig, sondern variiert je nach Einrichtung und Bundesland.
Auch bei der häuslichen Pflege reicht die Leistung der gesetzlichen Pflegeversicherung häufig nicht aus, um alle Kosten zu decken. Ab Pflegegrad 3 entstehen – je nach Pflegeform, Pflegeumfang und regionalen Preisen – monatliche Eigenleistungen im hohen dreistelligen bis vierstelligen Bereich, insbesondere wenn professionelle Pflegedienste regelmäßig eingebunden sind. Bei Pflegegrad 4 und 5 können diese Eigenkosten nochmals deutlich steigen.
Lediglich bei Pflegegrad 1 und in Teilen bei Pflegegrad 2 ist es unter günstigen Umständen möglich, die verbleibenden Kosten über einen längeren Zeitraum aus eigenen Mitteln zu tragen. Auch hier hängt die tatsächliche Belastung stark vom individuellen Pflegebedarf ab.
Diese Zahlen machen deutlich, wie groß die Versorgungslücke in der gesetzlichen Pflegeversicherung ist.
Eine private Pflegezusatzversicherung kann helfen, das Risiko einer finanziellen Überforderung im Pflegefall zu begrenzen. Dennoch war laut Angaben des PKV-Verbands zuletzt nur ein vergleichsweise kleiner Teil der Bevölkerung privat gegen Pflegekosten zusätzlich abgesichert.
Pflegetagegeld – die beliebteste Zusatzversicherung
Zum Schließen der Versorgungslücke in der Pflegeversicherung bieten die Versicherungsunternehmen mehrere Möglichkeiten an:
- Pflegetagegeldversicherung: Sie ist die am häufigsten gewählte Pflegezusatzversicherung, denn sie bietet einen großen Vorteil: Das Tagegeld, das im Pflegefall ausgezahlt wird, steht zur freien Verfügung. Die Versicherten können selbst entscheiden, wofür sie es verwenden.
- Pflegekostenversicherung: Diese Zusatzversicherung erstattet über die Leistung der Pflegepflichtversicherung hinaus die Restkosten der tatsächlich entstandenen Aufwendungen für die Pflege. Sie zahlt aber nur, wenn tatsächlich Pflegekosten anfallen.
- Pflegerentenversicherung: Hier erhält der Versicherte im attestierten Pflegefall lebenslang eine monatliche Rente. Diese Versicherung ist wenig bekannt und wird daher selten gewählt.
Die Pflegetagegeldversicherung ist die bekannteste und beliebteste Zusatzabsicherung. Der Versicherte zahlt ab Vertragsabschluss monatlich einen Beitrag an die Versicherung und erhält bei Eintritt einer Pflegebedürftigkeit das vereinbarte Tagegeld. Dieses wird monatlich ausgezahlt. Sowohl die Beitragshöhe als auch die Tagegeldhöhe richten sich nach den individuellen Vereinbarungen. Wer zum Beispiel ein Pflegetagegeld von 50 Euro vereinbart, erhält monatlich 1.500 Euro (30 Tage x 50 Euro).
Für die Pflegetagegeldversicherung spricht, dass das Tagegeld frei verwendet werden kann – sei es für die ambulante Behandlung durch einen Pflegedienst zu Hause, für einen Lebensmittel-Bringdienst, für die stationäre Unterbringung in einem Pflegeheim oder auch zur Entlastung der pflegenden Angehörigen. Hinzu kommt, dass das Pflegetagegeld unabhängig von den tatsächlichen Pflegekosten ausgezahlt wird. Bleibt Geld übrig, kann der Versicherte auch hierüber frei verfügen.
Die besten Pflegetagegeldtarife
In einer Analyse für die WirtschaftsWoche hat das Ratingunternehmen MORGEN & MORGEN (M&M) die Pflegetagegeldtarife mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis ermittelt. Die untenstehende Tabelle zeigt die Leistungen dieser Tarife am Beispiel eines 30-jährigen Angestellten. Dieser wünscht sowohl für die ambulante als auch die stationäre Pflege folgende monatliche Mindestleistungen:
- Pflegegrad 1: 50 Euro
- Pflegegrad 2: 300 Euro
- Pflegegrad 3: 600 Euro
- Pflegegrad 4: 1.050 Euro
- Pflegegrad 5: 1.500 Euro
Zur einfacheren Vergleichbarkeit sind in der Tabelle nur die Leistungen für die Pflegegrade 1 und 4 dargestellt. Bei Pflegegrad 5 gibt es in allen Tarifen 1.500 Euro.
Die besten Pflegetagegeldversicherungen im Vergleich
| Anbieter Tarifnamen | Note | Monatlicher Beitrag | Pflegegrad 1 ambulant | Pflegegrad 4 ambulant | Pflegegrad 1 stationär | Pflegegrad 4 stationär |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Deutsche Familienversicherung DeutschlandPflege Flex 1-5 | Sehr gut | 22,95 € | 150 € | 1.050 € | 150 € | 1.500 € |
| ARAG PIN1, PIN2, PIN3, PIN4, PIN5 | Sehr gut | 26,37 € | 150 € | 1.050 € | 150 € | 1.050 € |
| HUK-COBURG PMv a1, PMv a2, PMv a3, PMv a4, PMv a5, PMv s1, PMv s2, PMv s3, PMv s4, PMv s5 | Sehr gut | 27,89 € | 60 € | 1.050 € | 60 € | 1.050 € |
| Allianz PflegetagegeldBest | Sehr gut | 30,20 € | 300 € | 1.200 € | 300 € | 1.500 € |
| Gothaer MediPG 1, MediPG 2, MediPG 3, MediPG 4 | Sehr gut | 30,78 € | 60 € | 1.500 € | 60 € | 1.500 € |
| Württembergische PZ (fixe Konfiguration) | Sehr gut | 31,71 € | 150 € | 1.050 € | 150 € | 1.500 € |
| vrk PF a1, PF a2, PF a3, PF a4, PF a5, PF s1, PF s2, PF s3, PF s4, PF s5 | Sehr gut | 32,22 € | 150 € | 1.050 € | 150 € | 1.050 € |
| Nürnberger PAS | Sehr gut | 41,05 € | 150 € | 1.200 € | 150 € | 1.500 € |
| R+V PM2 | Sehr gut | 42,00 € | 150 € | 1.500 € | 150 € | 1.500 € |
| Barmenia MPA, MPS | Sehr gut | 51,75 € | 300 € | 1.500 € | 300 € | 1.500 € |
Alle zehn Anbieter schneiden im M&M-Ranking mit der Note „sehr gut“ ab. Der 30-jährige Angestellte hat somit eine breite Auswahl an leistungsstarken Tarifen. Die günstigste Pflegetagegeldversicherung bekommt er für einen Monatsbeitrag von 22,97 Euro bei der Deutschen Familienversicherung. Sie zahlt bereits bei Pflegegrad 1 ambulant wie stationär 150 Euro pro Monat aus, statt nur 60 Euro wie HUK-COBURG und Gothaer.
Doch der 30-Jährige könnte bei Pflegegrad 1 monatlich auch 300 Euro bekommen, wenn er sich für Allianz oder Barmenia entscheidet. Allerdings ist hier der Beitrag entsprechend höher. Ähnliche Unterschiede gibt es beim Pflegegrad 4, wo das Leistungsspektrum bei 1.050 Euro beginnt. Sieben von zehn Versicherern zahlen hier aber bereits 1.500 Euro aus, was dem vollen Satz bei Pflegegrad 5 entspricht.
Wichtig zu wissen: Je älter eine Person bei Versicherungsabschluss ist, desto höher ist der zu zahlende Monatsbeitrag. Zum Vergleich: Eine 40-jährige Angestellte würde für die gleiche Pflegetagegeldversicherung wie oben bei der Deutschen Familienversicherung 40,65 Euro bezahlen. Das sind knapp 18 Euro mehr als der 30-Jährige aufbringen muss.
Vorteile der Pflegetagegeldversicherung
- Schutz von Einkommen und Vermögen: Der Versicherte erhält im Pflegefall über die gesetzlichen Pflegeleistungen hinaus zusätzliches Geld. So kann er seine Pflegesituation unabhängiger von finanziellen Zwängen gestalten, sein Vermögen schonen und das Erbe schützen. Auch die Angehörigen werden vor finanziellen Belastungen bewahrt.
- Geld steht zur freien Verfügung: Das Pflegetagegeld wird unabhängig von den tatsächlichen Pflegekosten ausgezahlt. Die Mittel sind nicht zweckgebunden. Sie können für professionelle Pflegeleistungen, den Umbau der Wohnung oder zur Entlastung von Angehörigen genutzt werden. Diese Freiheit macht die Versicherung besonders attraktiv.
- Individuelle Anpassung der Leistungen: Versicherte können den Umfang der Leistungen je nach Pflegegrad selbst bestimmen. Dadurch lässt sich der Versicherungsschutz an die eigenen Bedürfnisse und finanziellen Möglichkeiten anpassen.
- Schutz vor finanzieller Überlastung: Die gesetzliche Pflegeversicherung deckt nur einen Teil der Pflegekosten. Eine Pflegetagegeldversicherung schließt die Versorgungslücke und verhindert, dass Betroffene auf ihre Ersparnisse oder auf die Unterstützung von Angehörigen angewiesen sind. Gerade bei hohen Pflegegraden kann dies die Existenz sichern.
- Lebenslange Absicherung: In der Regel bieten Pflegetagegeldversicherungen eine lebenslange Absicherung, sodass der Schutz auch im hohen Alter besteht. Der Versicherungsumfang bleibt nach Abschluss konstant und ist nicht von der zukünftigen Gesundheitsentwicklung abhängig.
Nachteile der Pflegetagegeldversicherung
- Hohe Kosten bei frühem Abschluss: Zwar sind die Beiträge bei einem Abschluss in jungen Jahren niedrig, doch bis zum Eintritt der Pflegebedürftigkeit können Jahrzehnte vergehen. Die eingezahlten Beiträge summieren sich bis dahin auf einen hohen Betrag. Zudem weiß der Versicherte nie, ob er die Versicherung jemals in Anspruch nehmen muss.
- Bei Kündigung oder Tod kein Geld zurück: Muss ein Versicherter seine Pflegetagegeldversicherung kündigen, weil er sich die Beiträge nicht mehr leisten kann, bekommt er sein eingezahltes Geld nicht zurück. Es ist für ihn verloren. Gleiches gilt, wenn der Versicherte vor Eintritt des Versicherungsfalles stirbt. Seine Erben erhalten dann keine Rückzahlung.
- Leistungen sind im Voraus festgelegt: Die Höhe des Pflegetagegeldes wird bei Vertragsabschluss festgelegt. Steigen die Kosten der Pflege in der Zukunft stark an, könnten die vereinbarten Leistungen nicht ausreichen. So besteht trotz Versicherung das Risiko einer Versorgungslücke. Wer das vermeiden will, muss eine Beitrags- und Leistungsdynamik vereinbaren, wodurch der Monatsbeitrag regelmäßig steigt.
- Gesundheitsprüfung und Ausschlüsse: Vor Vertragsabschluss erfolgt in der Regel eine Gesundheitsprüfung, die den Abschluss für Menschen mit Vorerkrankungen erschweren oder verteuern kann. Einige Vorerkrankungen können sogar zum Ausschluss führen.
- Unrentabel bei niedrigen Pflegegraden: Bei den leichten Pflegegraden 1 und 2 sind die monatlichen Auszahlungen oft gering und decken nur einen kleinen Teil der tatsächlichen Pflegekosten. Da die Versicherungsbeiträge für alle Pflegegrade berechnet und zu zahlen sind, entsteht bei niedrigen Pflegegraden ein Missverhältnis zwischen Ein- und Auszahlungen. Daher ist die Versicherung in den Anfangsstadien der Pflegebedürftigkeit oft unrentabel.
Pflege-Bahr: die staatlich geförderte Variante
Eine Sonderform der Pflegetagegeldversicherung ist der Pflege-Bahr, benannt nach dem früheren Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr. Der Pflege-Bahr ist ein staatlicher Zuschuss in Höhe von 60 Euro pro Jahr. Wer mindestens 10 Euro monatlich in eine Pflegezusatzversicherung einzahlt, bekommt also 5 Euro Förderung pro Monat.
Eingeführt wurde der Pflege-Bahr für Personen, die wegen ihres Alters, einer Vorerkrankung oder geringen Einkommens keine Pflegezusatzversicherung bekommen. Versicherungen, die einen Pflege-Bahr-Tarif anbieten, dürfen niemanden ablehnen. Sie müssen zudem auf Gesundheitsprüfungen, Risikozuschläge, Leistungsausschlüsse und ordentliche Kündigungen verzichten. Die im Pflegefall auszuzahlenden monatlichen Mindestbeträge richten sich nach den Pflegegraden. Der volle Satz in Pflegegrad 5 beträgt 600 Euro pro Monat.
Kritiker des Pflege-Bahr monieren die Wartezeit von fünf Jahren und die geringen Leistungen im Pflegefall. Es bleibt eine Versorgungslücke, die im Pflegefall aus Eigenmitteln zu schließen ist. Für Gesunde lohnt sich der Pflege-Bahr nicht, sie sind in den von M&M empfohlenen Tarifen besser aufgehoben.
Häufig gestellte Fragen zu Pflegetagegeldversicherungen
Die Versicherung ist sinnvoll für jeden, der über kein Vermögen verfügt, das ihn im Pflegefall ausreichend absichert. Da das Risiko, pflegebedürftig zu werden, keine Frage des Alters ist, ist ein früher Versicherungsabschluss durchaus sinnvoll. Denn im Nachhinein lässt sich eine Pflegetagegeldversicherung nicht abschließen. Auch wer seinen Angehörigen finanziell nicht zur Last fallen will, sollte über eine Pflegetagegeldversicherung nachdenken.
Wichtige Auswahlkriterien sind die individuelle Anpassbarkeit der Leistungen und eine ausreichende Absicherung in den höheren Pflegegraden. Zudem sollte die Möglichkeit bestehen, die Versicherungsleistungen durch Dynamisierung an steigende Pflegekosten und Inflation anzupassen. Zu achten ist des Weiteren auf kurze Wartezeiten beziehungsweise frühzeitigen Leistungsbeginn sowie auf maximale Freiheit bei der Verwendung der ausgezahlten Gelder.
In der Regel verlangen Versicherer vor Vertragsabschluss eine Gesundheitsprüfung. Vorerkrankungen können dabei zu höheren Beiträgen oder Ausschlüssen führen. Meistens erfolgt die Prüfung durch das Ausfüllen eines Gesundheitsfragebogens, in dem Angaben zu Krankheiten, Operationen, Krankenhausaufenthalten und Medikamenteneinnahmen zu machen sind. Es empfiehlt sich daher, die Pflegetagegeldversicherung in einem guten Gesundheitszustand abzuschließen, um bessere Konditionen zu erhalten und Ausschlüsse zu vermeiden.
