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Goldman SachsDiese Ex-Goldmänner regieren die Zentralbanken

Von Minneapolis bis Paris halten ehemalige Banker zunehmend Einzug in die Zentralbanken dieser Welt. Wer heute welche Notenbank steuert – und was das für die Geldpolitik bedeutet. 18.11.2015 - 16:55 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Viele Zentralbanker waren zuvor bei privaten Banken. Ein Viertel der zwölf regionalen Fed-Chefs in den USA hat Verbindungen zu Goldman Sachs.

Foto: dpa

London. Nun also Neel Kashkari. Der Mann aus Ohio wurde in der vergangenen Woche zum neuen Chef der Federal Reserve Bank of Minneapolis ernannt. Im Januar soll er seinen neuen Posten antreten. Und damit gehört er schon bald zu einem exklusiven Klub ehemaliger Goldman Sachs-Banker, die einflussreiche Positionen bei Zentralbanken bekleiden. Kashkari wurde in den USA vor allem als der Mann bekannt, der inmitten der Hypotheken-Krise 2008 ein 700-Milliarden-Dollar-Rettungsprogramm für Banken auflegte. Seine Vergangenheit – angestellt bei der Investmentgesellschaft Pimco, Gouverneurs-Kandidat in Kalifornien und eben Goldman Sachs – ist vielfältig.

Dennoch verdeutlicht seine Ernennung zum Fed-Chef in Minneapolis erneut, wie stark ehemalige Privatbanker die Notenbanken der Welt steuern. Besonders hoch ist die Dichte in den USA: Mit der Verpflichtung Kashkaris wird jede dritte der insgesamt zwölf regionalen Fed-Banken in den USA von einer Person geführt, die in der Vergangenheit mit Goldman Sachs in Verbindung stand.

Die größten Investmentbanken der Welt
UBS Investment BankVolumen: 245,4 Milliarden Dollar**Wert der betreuten M&A-Deals, Stand: 2014Quelle: Statista
Credit SuisseVolumen: 365,6 Milliarden Dollar
Deutsche BankVolumen: 440,9 Milliarden Dollar
LazardVolumen: 470,5 Milliarden Dollar
BarclaysVolumen: 528,9 Milliarden Dollar
CitigroupVolumen: 619,5 Milliarden Dollar
Bank of America/Merrill LynchVolumen: 647,4 Milliarden Dollar
Morgan StanleyVolumen: 693,8 Milliarden Dollar
JP MorganVolumen: 697,9 Milliarden Dollar
Goldman SachsVolumen: 939,9 Milliarden Dollar

Darunter befindet sich etwa der Chef der New Yorker Fed, William Dudley. Fast ein Jahrzehnt lang war er USA-Chefvolkswirt bei Goldman gewesen, bevor er 2007 zur Zentralbank ging. Dallas-Fed-Präsident Robert Steven Kaplan hatte sogar 22 Jahre bei der US-Großbank verbracht und sich bis zum stellvertretenden Vorsitzenden im Investmentbanking hochgearbeitet.

Auch wenn Patrick Harker von der University of Delaware zur Philadelphia Fed wechselte, so stand er zuvor doch mit Goldman Sachs Trust in Verbindung. Das Problem: Wenn ehemalige Privatbanker zu Zentralbanken wechseln, können sie in einen Interessenkonflikt geraten. Denn zu den Aufgaben der Fed gehört unter anderem die Aufsicht über das Bank- und Finanzsystem.

Und auch in Europas Zentralbanken finden sich Ehemalige der New Yorker Investment-Bank. Sowohl Mark Carney, Chef der britischen Notenbank, und Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), standen früher einmal in den Diensten von Goldman Sachs.

Der amtierende EZB-Präsident gehört ebenfalls zu Ehemaligen Goldman Sachs-Bankern, die nun an der Spitze einer Notenbank stehen. Draghi war von 2002 bis 2005 Vizepräsident bei Goldman Sachs International.

Foto: dpa
EZB-Krisenkurs unter Draghi in Zitaten
„Wir werden von niemandem gedrängt. Wir sind unabhängig. Wir bilden uns unsere eigene Meinung. Das ist es.“ (Draghi bei seiner ersten Pressekonferenz nach seinem Amtsantritt am 3.11.2011 in Frankfurt)
„Die EZB ist bereit, im Rahmen ihres Mandats alles zu tun, was nötig ist, um den Euro zu retten. Und glauben Sie mir: Es wird genug sein.“(Draghi am 26.7.2012 in London)
„Der EZB-Rat erwartet, dass die Zinssätze der EZB für einen längeren Zeitraum auf dem aktuellen Niveau oder darunter bleiben werden.“ (Draghi legt sich nach der EZB-Sitzung vom 4.7.2013 erstmals in der Geschichte der Notenbank auf künftige Zinsentscheidungen fest)
„Wenn wir Deflation verstehen als einen weit verbreiteten Verfall von Preisen in vielen Warengruppen und in mehreren Ländern - das sehen wir nicht.“ (Draghi am 7.11.2013 nach der Senkung des Leitzinses von 0,5 Prozent auf 0,25 Prozent)
„Ich bin sehr bewegt von Helmut Schmidts Worten und sollte dafür wirklich dankbar sein. Komplimente sind Mangelware in diesen Tagen.“ (Draghi am 7.11.2013 in Hamburg bei einer Diskussion mit dem Altkanzler. Schmidt hatte gesagt, auf Draghi könne man sich verlassen)
„Der EZB-Rat ist sich einig, dass die EZB gegebenenfalls auch weitere unkonventionelle Maßnahmen im Rahmen ihres Mandats einsetzen wird, um die Risiken einer zu langen Periode niedriger Inflationsraten in den Griff zu bekommen.“ (Draghi nach der Sitzung des EZB-Rates am 3.4.2014 in Frankfurt)
„Wir werden nicht zulassen, dass die Inflation zu lange auf zu niedrigem Niveau bleibt.“ (Draghi am 26.5.2014 bei einer EZB-Konferenz im portugiesischen Sintra)

Doch längst nicht nur ehemalige Goldman-Banker wechseln emsig in die Zentralbanken. Da sind etwa Stanley Fischer, stellvertretender Vorsitzender der Federal Reserve, und Atlanta-Fed-Präsident Dennis Lockhart, die für die Citigroup gearbeitet haben.

Der neue Chef der französischen Notenbank, François Villeroy de Galhau, verbrachte zwölf Jahre bei der Pariser BNP Paribas. Dort führte er unter anderem das Tagesgeschäft als verantwortlicher Vorstand. Und Gertjan Vlieghe kam zum geldpolitischen Ausschuss der britischen Notenbank, nachdem er zuvor unter anderem für die Deutsche Bank gearbeitet hatte.

Was bedeutet der Einzug der Finanzprofis in die Zentralbanken dieser Welt für die Geldpolitik? Volkswirte der polnischen Notenbank hatten unlängst Protokolle der Federal Reserve von 1994 bis 2008 ausgewertet und waren zu dem Schluss gekommen, dass Ex-Mitarbeiter des Finanzsektors eher eine straffere Geldpolitik vertraten als jene Währungshüter, die aus dem öffentlichen Sektor und anderen privatwirtschaftlichen Zweigen kamen.

Das passt zu den Ergebnissen einer Studie der Volkswirte Stefan Eichler und Tom Lahner aus dem Jahr 2013. Sie hatten sich die Abstimmungsergebnisse der Fed zwischen 1992 und 2001 genauer angesehen. Ihrer Meinung nach waren Fed-Währungshüter mit einer längeren Karriere im Finanzsektor stärker auf die Inflation fokussiert als jene mit Karrieren an Hochschulen, in Regierungen oder in der Industrie.

EZB-Krisenkurs unter Draghi in Zitaten - Teil 2
„Das ist ein bedeutendes Maßnahmenpaket. Sind wir schon am Ende? Nein. Wir sind hiermit nicht am Ende, solange wir uns im Rahmen unseres Mandates bewegen.“ (Draghi am 5.6.2014 in Frankfurt nachdem die Notenbank ein ganzes Bündel von Maßnahmen gegen Mini-Inflation und Konjunkturschwäche im Euroraum beschlossen hat)
„Die Zinssätze, die wir festlegen, gelten für Banken, nicht für die Menschen. Die Behauptung, wir wollten Sparer enteignen, ist völlig falsch.“ (Draghi am 5.6.2014 nach der Sitzung des EZB-Rates in Frankfurt)
„Wir mussten etwas tun, das ist unsere Pflicht.“ (Draghi am 4.9.2014 in Frankfurt zum EZB-Beschluss, Kreditverbriefungen und Pfandbriefe zu kaufen)
„Es gab aus unserer Sicht wenig Zweifel, dass wir handeln sollten.“ (Draghi am 22.1.2015 zum Beschluss der Notenbank, ab März monatlich 60 Milliarden Euro in Staatsanleihen und anderen Wertpapieren zu stecken - insgesamt gut 1,1 Billionen Euro bis September 2016)
„Ich könnte ein paar Witze dazu erzählen. Aber ich lese einfach noch mal das Eingangsstatement vor. Denn das ist alles, was wir heute sagen können. Und ich vermeide Witze in dieser Sache lieber.“ (Draghi am 22.1.2015 auf die Frage eines Journalisten: „War's das jetzt? War's das - oder können die Leute erwarten, dass die Geldpolitik demnächst noch verschärft wird?“)
„Wir haben den Willen und die Fähigkeit zu reagieren, falls dies notwendig ist.“ (Draghi am 3.9.2015 zu einer möglichen Ausweitung des Anleihenkaufprogramms)

Derweil kam eine jüngere Untersuchung aus dem Jahr 2015 von Hamza Bennani, der an der Université de Paris Ouest Nanterre La Défense unterrichtet, zu einem weiteren interessanten Schluss. Demzufolge verlangen EZB-Vertreter mit einem Banking-Hintergrund seltener Ankäufe von Staatsanleihen.

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Auch eine Studie aus dem Jahr 2014 der Bank of England – erstellt von Mark Harris, Paul Levine und Christopher Spencer – unterstellt, dass ein Finanz-Hintergrund eine Präferenz für straffere Geldpolitik bedeutet. Allerdings fanden die Autoren auch heraus, dass dies am Ende „keine signifikante Auswirkung“ auf das Abstimmungsverhalten hat.

Dass es aber immer auch Ausnahmen von der Regel gibt, beweist nicht zuletzt EZB-Präsident Mario Draghi. Im Januar 2015 beschloss er den Ankauf von Staatsanleihen. Nun erwägt er sogar zusätzliche Konjunkturpakete für die Eurozone. Als weiteres Beispiel dient Mark Carney von der britischen Notenbank. Er ist einer der größten Verfechter einer lockeren Geldpolitik.

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