Erste Ausfahrt im Cadillac CT6
Vorwärts, mit 300 Prozent mehr Rücksicht

Wer partout keine deutsche Luxuslimousine in der Einfahrt parken möchte, für den bietet Cadillac nun eine überraschend moderne Alternative. Das neue Flaggschiff CT6 hat einige Extras an Bord, die begeistern können.

BerlinWenn die hierzulande als Exot geltende Marke Cadillac in diesen Tagen gleich zwei neue Modelle vorstellt, dann geht es um Großes. Natürlich sind damit die Abmessungen der Fahrzeuge gemeint, eines SUV, hinter dem man einen Tiguan verstecken kann, und einer Luxus-Limousine, die knapp fünf Meter zwanzig lang ist und auch im Preis an BMW 7er, Mercedes S-Klasse und Audi A8 heranreicht.

Noch gewaltiger sind die Pläne der 114 Jahre alten Marke, es sollen im Rahmen einer 12 Milliarden Dollar teuren Produktinitiative bis 2020 acht neue Fahrzeuge entstehen, die Märkte erschließen und Segmente knacken, in denen sich die Luxusfahrzeuge der GM-Tochter bislang schwer taten.

Und getreu dem groß herausgestellten Motto „Dare greatly“ (Wage Herausragendes) fängt man oben an, mit einer Limousine, wie sie amerikanischer und moderner kaum sein kann. Abgesehen vom SUV-Riesen Escalade ist der CT6 der bislang größe Cadillac, der je in Deutschland offiziell angeboten wurde. Und sein Design wird bestimmt polarisieren.

Die langestreckte und flache Stufenheck-Form zeigt eine schnörkellose Präsenz, aus der bewusst die LED-Tagfahrlichter senkrecht hervorstechen. Sie sind mittlerweile ein echtes Cadillac-Marken-Statement und ziehen gemeinsam mit dem gewaltigen Chrom-Kühlergrill viel Aufmerksamkeit auf sich. Die Front ist nicht aggressiv, aber sie sagt klar: „Hier kommt der Imperialist unter den Limousinen, Amerikaner und stolz darauf.“

Unter der flachen Motorhaube brummt modernstes Einerlei: Es gibt bislang für den CT6 nur einen einzigen Motor, und das ist ein großvolumiger Benziner. Zwar kein V8, aber immerhin ein V6 mit drei Liter Hubraum. Zwangsbeatmet von zwei Turboladern wuchtet das Fronttriebwerk 417 PS an die Kurbelwelle. Das satte Drehmoment von 555 Newtonmeter wird von einer selbst entwickelten 8-Gang-Automatik in allen Fahrsituationen so perfekt verwaltet, dass der Fahrer kaum in die Magnesium-Paddles hinter dem Lederlenkrad greifen möchte.

Zu den modernen Zutaten der Antriebstechnik zählt das aus dem Escalade bekannte Magnetic-Ride-Control-Fahrwerk, dazu kommt ein stufenlos variabler Allradantrieb, die Möglichkeit, sich per Tastendruck zwischen drei Fahrmodi entscheiden zu können. Das Fahrgefühl ist - vor allem gestützt auf PS und Drehmoment - jederzeit souverän, der Antritt beim Ampelstart presst mich auf Wunsch zentimetertief ins feine Leder. Und natürlich reicht die Power um extrem entspannt zu cruisen.

Voll auf der Höhe der Zeit ist der CT6 in Sachen Lenkung, denn er kann auch die hinteren Pneus um bis zu 3,5 Grad schräg stellen. Die aktive Hinterachslenkung steuert die Hinterräder bei geringen Geschwindigkeiten in entgegengesetzter Richtung zu den Vorderrädern, um den Wendekreis zu verkürzen, wodurch das Parken und das langsame Fahren bei starkem Verkehrsaufkommen viel einfacher wird.

Bei Autobahngeschwindigkeiten steuern vordere und hintere Räder in dieselbe Richtung, was stabilere Spurwechsel und Notfallmanöver ermöglicht. In erster Linie gewinnt der CT6 durch die neue Lenkung an Agilität, die für ein so großes Fahrzeug vor allem in der Stadt überraschend hoch ist.

Und Cadillac verspricht nach eigenen Testerfahrungen, dass vor allem die Kombination aus Magnetic-Ride, variablem Allradantrieb und aktiver Hinterachslenkung das Handling auf Schnee und Eis geradezu dramatisch verbessert.

Um den Spritdurst des großen Wagens im Zaum zu halten, werden automatisch zwei der sechs Zylinder abgeschaltet, wenn ihre Kraft nicht gebraucht wird. Im Stadtverkehr schaffe ich es aber dennoch nicht, den Verbrauch meiner 2.025 Kilo schweren Platinum-Testversion unter 14 Liter zu drücken.

Eine kleine Revolution hält Cadillac im Innenraum parat. Es ist nicht das Head-up-Display, das von den Amerikanern erfunden wurde, sondern der Rückspiegel. Auf Knopfdruck wird sein vertrautes Bild durch das ersetzt, was eine hochauflösende Farbkamera liefert. Der Effekt beim Umschalten ist so spektakulär wie damals, als man zum ersten Mal in einen Ultra-HD-Fernseher guckte, plus Weitwinkel: 300 Prozent mehr Sichtfläche, so gestochen scharf, das selbst einzelne Regentropfen sichtbar werden!

Und man sieht nun auch, wenn sich von hinten auf einer vierspurigen Straße Fahrräder oder Motorräder nähern. In Berlin ist das nicht unterinteressant, denn deren Fahrer fürchten scheinbar weder Tod noch Testwagen-Blech.

Einige Nebeneffekte hat das Kamera-Spiegel-System: Nicht jeder Fahrer kann die Entfernungen richtig einschätzen, es bedarf der Eingewöhnung. Ein Riesenvorteil: Ich kann die Rückbank bis unter die Decke volladen, und habe trotzdem perfekte freie Sicht nach hinten, denn die Kamera sitzt im Heck. Nun ist der CT6 kein typischer Packesel, aber getreu dem „top to bottom-Ansatz der Amerikaner wird man das System bald auch in preiswerteren Modellen sehen.

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