Mazda CX-5 im Test
Gepard mit Übergewicht

Allrad-Antrieb, 192 PS, und allerlei intelligente Assistenten: Der Mazda CX-5 macht nicht nur auf dem Papier eine gute Figur. Wer sich für diesen SUV interessiert, bekommt einiges geboten – selbst in der Broschüre.

Perlen deutscher Autoprosa, es gibt sie noch: „Die Form entwickelt ein fein austariertes Gespür für Spannung, für den Augenblick, in dem die Bewegung beginnt.“ Hier, so scheint es, ist die Form noch ihr eigener Herr. Sie ist es, die selbst erspürt, wo das ewige Wechselspiel von Statik und Dynamik einen Sieger kennt, wo scharfe Kanten auf weiche Rundungen treffen dürfen. Wäre diese Form ein reale Person, wären die Mazda-Designer wohl arbeitslos. Stattdessen sind sie Dompteure: „Die starken Schultern des Hecks unterstreichen den muskulösen Ausdruck eines wendigen Geparden.“ Mich persönlich stört an dem Sprachbild, dass Geparden in Europa selten genug Platz und noch seltener Gelegenheit in ihrem Gehege dazu haben, ihre Agilität unter Beweis zu stellen. Aber lassen wir das.

Ob die guten Verkaufszahlen wirklich auf die Werber-Lyrik zurückgehen, sei dahingestellt. Fest steht: Seit 2012 haben die Japaner den CX-5 in Deutschland mehr als 50.000 mal verkauft und ihn damit hierzulande zum umsatzstärksten Modell der Marke gemacht.

Der Erfolg rührt auch daher, dass das SUV inzwischen zu den zuverlässigsten seiner Klasse zählt. Das ermittelte jüngst die Gesellschaft für technische Überwachung (GTÜ), laut deren Gebrauchtwagenreport der CX-5 noch vor dem Mercedes GLK und dem Audi Q3 rangiert.

Bei meiner Begegnung mit dem metallicrubinroten Allradler spüre ich weniger die Gebrauchtwagenqualitäten des Mazda oder dass er schon im Stehen raubkatzenschnell ist, sondern viel mehr, dass er größer ist als die Broschüren vermuten lassen. Größe ist – das gilt für Möchtegerngeländewagen und Geparden gleichermaßen – nicht alles.

Rein ins japanische Wohnzimmer

Also Tür auf und rein ins fünfsitzige japanische Wohnzimmer. Darin: schwarzes Leder, schwarzer Kunststoff und zwischendrin ein bisschen Alu. Exakt 2,7 Meter Radstand sorgen dafür, dass sich CX-5-Passagiere vorne und im Fond nicht beengt fühlen.

Alles, also Knöpfe sowie Mitfahrer, sind in Reichweite und die Hände streichen über sauber verarbeitete Kontrastnähen des Ledergestühls (Aufpreis: 2.000 Euro). Nur wer sehr genau sucht, entdeckt hier und da eine kleine Welle in der Bespannung. Schade, dass das feine Naturmaterial der Mittelarmlehne nicht auch auf den Sitzen zu finden ist.

Zeit für den „Augenblick, in dem die Bewegung beginnt“. Ein Druck auf den Startknopf, der Vierzylinder mit 2,5 Litern Hubraum schüttelt sich und läuft so laut, dass man ihn vor allem im kalten Zustand zunächst im Innenraum vermutet. Erst mit der Wahl eines Fahrmodus wird er leiser, schnurrt beinahe wie eine Großkatze.

Unspektakulär rollt er los, wenn der Fuß das Bremspedal freigibt. Trotz 192 PS fällt es mir schwer, den Geparden im CX-5 zu sehen. Im Antritt ist er vergleichsweise spritzig und bis zum nächsten Schaltvorgang der Sechs-Stufen-Automatik flott unterwegs. Dass der Wechsel dann angenehm weich verläuft, geht zulasten der Dynamik.

Restwertprognosen im Vergleich von Bähr & Fess Forecasts:

MarkeModellkWPSNeupreisRestwert 2019Wertverlust
MazdaCX-5 Prime Line
Skyactiv-G 165 FWD
12116524.190 €54% / 13.063 €11.127 €
Hyundaiix35 Trend, 2.0 GDI
2WD
12216624.790 €54,5% / 13.510 €11.279 €
VWTiguan Trend & Fun
TSI BMT
11015026.950 €58,5% / 15.766 €11.184 €

Häufig vergeht bei moderatem Beschleunigen in der Stadt eine Gedenksekunde, ehe die nächste Fahrstufe anliegt; denn zuvor verharrt die Drehzahl im Bereich zwischen 2.000 und 3.000 Touren, wodurch das Motorgeräusch den angenehm satten Klang des guten Bose-Soundsystems störend unterbricht.

Der Sportmodus ändert an diesen Fahreindrüken nicht viel; die Automatik hält die Drehzahl rund 2.000 Kurbelwellenumdrehungen pro Minute. Der Gepard sprintet in der Natur ja auch nicht nur so zum Spaß, sondern nur dann, wenn er jagt; man mag beinahe sagen: wenn er muss.

Verbrauchsseitig ist der größte Skyactiv-Benziner im CX-5-Regal mit kombinierten 7,2 Litern Super auf 100 Kilometer laut Werk annehmbar sparsam für ein 1,6-Tonnen-SUV unterwegs. Realistisch sind gut 8,5 Liter bei zartem Gasfußspiel. Wer den gepardengleichen Sprint von 0 auf 100 km/h in glatten 8 Sekunden sucht, kann ihn bekommen und sollte dabei ein Auge auf die Verbrauchsanzeige werfen.

Bei Vollgas aus dem Stand stehen dort 99,9 Liter. Eine erschreckende Zahl die abnimmt, ehe das Monochromdisplay bei Tempo 200 festbetonierte 21,6 Liter vorweist. In manchem Oberklasse-SUV stehen an derselben Stelle unter Last digital begrenzte 25 Liter. Vollgasfreie Innenstadtfahrten fördern bei unserem Testwagen Durchschnittswerte um die zehn Liter zutage.

Dass es Mazda ehrlich mit seinen Kunden meint, zeigt die Normangabe für diese innerstädtische Fahrten: 9,3 Liter sind nicht allzu weit von der Wirklichkeit entfernt.

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