Mercedes S 500 L im Handelsblatt-Test
Auf dem Thron des deutschen Automobilbaus

Viel luxuriöser als in der Langversion der neuen S-Klasse von Mercedes wird es nicht mehr. Doch der beste Platz im S 500 L befindet sich ausnahmsweise nicht hinter dem Lenkrad – sondern rechts hinten.
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Düsseldorf„Stau war das Schlimmste für ihn.“ Das sagte kürzlich sein langjähriger Fahrer über Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff. Statt zwei habe er teilweise bis zu vier Stunden für seinen Arbeitsweg von Bielefeld in die Essener Konzernzentrale gebraucht. Er stieg stattdessen auf Firmenkosten in den Privatflieger um – was ihm ein Gerichtsverfahren einbrachte.

Hätte es damals schon ein Auto wie die aktuelle S-Klasse von Mercedes in der Langversion gegeben, hätte der Manager problemlos über Stunden im Stau feststecken können. Im Fond des mit allerhand Paketen zum First-Class-Gleiter aufgemodelten S 500 L hätte er vollkommen entspannt arbeiten können, viel ruhiger als im Büro mit all den Meetings, Konferenzen und dem hereinplatzenden Besuch.

Wenn man so will, stellt der rundum belederte Platz hinten rechts in der gestreckten S-Klasse so etwas wie den Thron des deutschen Automobilbaus dar. Wer es noch luxuriöser will, der muss wohl auf die neuen Versionen von Audi A8 oder BMW 7er warten – oder bis Mercedes die S-Klasse in der XXL-Version als Maybach-Ersatz auf den Markt bringt.

Sobald die Softclose-Automatik die Türen sanft ins Schloss gezogen hat, ist die Außenwelt wie vergessen. Per Fernbedienung faltet sich der Beifahrersitz platzsparend zusammen, um dem Fahrgast die maximale Beinfreiheit zu bieten. Dieser muss allerdings schon mindestens 1,85 Meter groß sein, um seine Füße auf dem ausklappenden Fußbänkchen ablegen zu können. 

Doch noch ist keine Entspannung angesagt, einige wichtige Mails müssen geschrieben werden. Flugs ist das Tischchen aus der Mittelkonsole zwischen den beiden Einzelsitzen – ja, ein 5,30 Meter langes Auto kann nur vier Sitze haben – aus- und das Notebook aufgeklappt.

Ob man sich in diesem Moment im Stop&Go durch den Berufsverkehr zwängt oder mit 150 Stundenkilometern über die Autobahn schwebt, macht für die Konzentration keinen großen Unterschied. Erst über 200 km/h dringen die Windgeräusche bis in die Ohren der Insassen vor, alles darunter ist vom Geräuschpegel mit einem Londoner Gentlemen’s Club vergleichbar.

Je nach der gewählten Ausstattung muss sich auch die Anmutung des Innenraums vor dem Interieur eines noblen Herrenclubs nicht verstecken. Wem der Charme von dunklem Leder und edlen Nusshölzer nicht zusagt, kann seiner S-Klasse auch einen Lounge-Stil verleihen. Das hellbeige Leder kombiniert mit Holz-Intarsien und Elementen aus gebürstetem Aluminium verleihen unserem Testwagen ein edles und freundliches Ambiente. 

Die Verarbeitung des Innenraums ist – wie könnte man es anders erwarten – sehr hochwertig. Wenn es noch Luft nach oben gibt, dann an der ein oder anderen Stelle bei der Materialauswahl. Ob in einer solchen Luxus-Limousine Teile der Mittelkonsole oder die Lüftungsdüsen aus Kunststoff sein müssen, kann jeder selbst entscheiden. Wir sagen nur soviel: Selbst der seit 2002 gebaute VW Phaeton hat eine aus dem vollen geschnitzte Mittelkonsole. Ein VW, kein Bentley.

Da Mercedes Luxus über einen herausragenden Komfort definiert und angesichts der bereits erwähnten 5,30 Metern Länge auf die sportlichen Ambitionen eines A8 bereits im Ansatz verzichtet,  bügelt die serienmäßige Luftfederung alle Unebenheiten gekonnt weg. Selbst im Sport-Modus (wozu auch immer man den im S 500 L braucht) federt der Luxus-Benz sanfter als so manches Konkurrenzmodell im „Comfort+“. 

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