„The Big Short“
Kleines Kino über die Finanzkrise

Der neueste Börsenfilm zeigt, wie einige in der Finanzkrise Millionengewinne einfahren. Er zeigt Skandale und erklärt den Crash. Dennoch bleibt er hinter den Erwartungen sowie früheren Filmen über Banker und Geld zurück.

New YorkBrad Pitt als graue Eminenz im Hintergrund mit etwas zu langen Haaren: Das ist mal was anderes. So taucht er in „The Big Short“ auf, der Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Michael Lewis, der beschreibt, wie eine kleine Gruppe von Außenseitern in der Finanzkrise gegen den breiten Markt wettet und damit reich wird.

Pitt hat diesen Film, der gerade in ausgewählten Kinos in den USA anläuft, mitproduziert. Die moralische Botschaft, die er einmal etwas oberlehrerhaft auch persönlich auf der Leinwand verkündet, ist ebenso klar wie eingängig: Die Wall Street ist böse, die Bosse sahnen ab, die kleinen Leute zahlen die Zeche, und daran hat sich seit der Krise nichts geändert.

Der Film hat ein paar gelungene Szenen, etwa wenn ein Trader der Deutschen Bank den wackeligen Aufbau von Hypothekenverbriefungen mit einem Turm aus Jenga-Holzklötzchen erklärt. Aber verglichen mit dem legendären Streifen „Wall Street“ mit dem genial-zynischen Michael Douglas aus dem Jahr 1987 bietet „The Big Short“ doch eher kleines Kino. Und selbst hinter dem Film „The Wolf of Wall Street“ aus dem Jahr 2013, den vor allem der begnadete Hauptdarsteller Leonardo DiCaprio vor dem Mittelmaß rettet, bleibt die Produktion von Brad Pitt deutlich zurück.

„The Big Short“ ist eine Mischung aus Erklärfilm, historischer Doku und Spielfilm. Aber von allem nur ein bisschen: Man hat hinterher ungefähr eine Ahnung, worum es in der Krise ging, weiß aber nicht genau, wie korrekt die historischen Details sind und vermisst eine echte Handlung mit lebendigen Personen. Die Umsetzung mit nervig lauter Musik und hektischen Filmschnitten täuscht Lebendigkeit nur vor. Die besten Szenen sind die, in denen der originale, cool-prägnante Tonfall von Michael Lewis in der Stimme des Erzählers zu hören ist.

Hollywood ist eigentlich gut darin, die Desaster der US-Geschichte unterhaltsam aufzubereiten. Aber wenn es um Kriege geht, ist das einfacher. Schießereien lassen sich besser verfilmen als der Handel mit „Mortgage backed Securities“ oder „Collateralized Debt Obligations“. Das Medium Film hat eben Grenzen, die auch ein Star wie Pitt nicht verrücken kann.

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