Neues Bezahlsystem: Im Internet einkaufen, mit Bargeld zahlen
Bargeld ist das beliebteste Zahlungsmittel der Deutschen.
Foto: dpaDüsseldorf. Ginge es nach den Banken und Mobilfunkanbietern, würde Bargeld beim Bezahlen schon bald keine Rolle mehr spielen. Die Geldbörse der Zukunft soll digital sein, an der Kasse soll der Kunde nicht mehr Geldscheine und Münzen zücken, sondern sein Smartphone – oder zumindest eine Bezahlkarte. Ausgerechnet beim Einkauf im Internet könnte das Bargeld jetzt eine Renaissance erleben, mit dem neuen Bezahlsystem „Barzahlen“.
Vielen Kunden ist es nicht geheuer, beim Interneteinkauf die persönlichen Konto- der Kreditkartendaten anzugeben. Andere besitzen gar keine Kreditkarte oder ein Konto. Auch die bisherigen Alternativen haben ihre Tücken: Der Kauf per Nachnahme verursacht hohe Gebühren und bei Bezahlsystemen wie Paypal oder Sofortüberweisung sind ebenfalls die Kontodaten im Spiel.
Bei Barzahlen dagegen bekommt der Kunde online einen Zahlschein, den er in einem Laden vorzeigen und dort bar bezahlen kann. Dafür muss das Dokument mit Barcode entweder ausgedruckt oder per SMS aufs Handy geschickt werden. Das Bezahlen soll ab sofort in bundesweit allen 1390 Filialen der dm-Drogerie möglich sein, außerdem in 35 Pilotfilialen von Mobilcom-Debitel in Berlin – einfach den Zahlschein an der Kasse vorzeigen, bezahlen und schon soll die Zahlungsbestätigung an den Online-Shop übermittelt werden. Das ist der Startschuss für den Versand der Ware.
Noch ist die Zahl der Online-Händler, die diese Bezahlmethode anbieten, gering. Zu den ersten Anbietern gehören der Elektronik-Händler Returbo, der Baby-Mode-Anbieter Tausendkind, sowie der Tabaluga-Fanshop. Ab Mitte März soll Fashionforhome.de, ein Anbieter von Designermöbeln, hinzukommen. Bislang sind nur vergleichsweise kleine Shops vertreten. „Wir sind aber schon mit Shops aus den Top-100 im Gespräch, ab Mitte des Jahres wird Barzahlen bei dem ersten ganz großen Händler zur Verfügung stehen“, sagt Achim Bönsch, einer der drei Gründer von Barzahlen.
Das Logo des Bezahlsystems „Barzahlen“.
Foto: Handelsblatt
Bei Returbo läuft das Bezahlsystem schon. „Wir haben beobachtet, dass überdurchschnittlich viele Kunden ihre Bestellung bei der Auswahl des Zahlungsmittels abbrechen“, sagt Philipp Lück, Geschäftsführer des Elektronik-Zweitvermarkters. „Gerade in unserer Zielgruppe der Schnäppchenjäger kommt es vor, dass Kunden kein Bankkonto haben. Dank Barzahlen können sie nun trotzdem bei uns einkaufen.“
Schickt der Kunde die Ware wieder zurück, benachrichtigt ihn der Online-Händler per E-Mail über die Gutschrift und sendet ihm einen Auszahlungsbeleg mit Barcode. Den kann der Kunde an der dm-Kasse vorzeigen und bekommt dort den Betrag ausgezahlt. Alternativ kann der Kunde sich das Geld auch auf sein Konto überweisen lassen. Grundsätzlich ist Barzahlen auf Beträge bis 1.000 Euro beschränkt. Auszahlungen sind bei dm bis zu einem Betrag von 300 Euro möglich.
Die Idee zu dem neuen Bezahlsystem haben die damaligen Studienkollegen Achim Bönsch, Sebastian Seifert und Florian Swoboda schon 2011 während ihres Studiums an der Management-Hochschule WHU in Vallendar entwickelt.
„Wir wollten die Abbruchrate bei Online-Käufen reduzieren. Dazu haben wir die Online- und Offline-Bezahlsysteme verglichen und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass es auch online die Möglichkeit zum Barzahlen geben muss – erst recht in Deutschland, wo Bargeld besonders wichtig ist“, sagt Bönsch. „In Japan, Russland, Brasilien und den USA gibt es solche Bezahlsysteme bereits und sie sind auch erfolgreich.“
Im vergangen Jahr gründeten sie ihr Unternehmen und haben heute bereits 25 Mitarbeiter. Finanzielle Unterstützung bekamen die Gründer von zahlreichen Investoren und Partnern. Dazu gehören Florian Heinemann, Geschäftsführer von Project-A Ventures (Otto-Gruppe), Martin Sinner, Geschäftsführer des Preisvergleichsportals idealo.de (Axel Springer), sowie die Investmentgesellschaft Alstin – ein Unternehmen von Carsten Maschmeyer.
Auch das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) unterstützt das junge Unternehmen im Rahmen des Förderprogramms Exist. „Es ist ein sehr gutes Beispiel für Wissens- und Know-how-Transfer aus der Hochschule“, so das Ministerium.
„Die Umsetzung während des Förderzeitraums ist optimal verlaufen, so dass sowohl der Markteintritt als auch die folgende notwendige Finanzierung durch Investoren sichergestellt werden konnte.“ Die Chancen des Projekts werden von dem Projektträger als „sehr hoch“ eingestuft, da hier eine echte Alternative zu den klassischen Bezahlmethoden im Internet geboten werde.
Frank-Christian Pauli, Finanzexperte beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), äußert sich noch zurückhaltend zu dem neuen Bezahlsystem. „Das System wird für die Verbraucher nur dann wirklich nützlich sein, wenn es von vielen Online-Händlern angeboten wird und die Wege zur nächsten Bezahlstelle kurz sind“, sagt der Verbraucherschützer.
„In punkto Sicherheit dürften die Risiken bei Barzahlen eher gering sein“, sagt Pauli. Auch bei anderen Bezahlmethoden wie Lastschrift oder Kreditkartenzahlung müssten Kunden in der Regel nicht haften, wenn Dritte ihre Daten missbraucht haben. „Das Geld zurückzubekommen, ist aber mit Aufwand und Ärger verbunden“, so Pauli.
Dass auch Kunden ohne Bankkonto dank Barzahlen die Möglichkeit zum Online-Einkauf bekommen, sieht der Verbraucherschützer ebenfalls positiv – „wobei wir dennoch daran arbeiten müssen, dass jeder Bürger ein Konto bekommt, schließlich braucht man das nicht nur zum Einkaufen“, sagt Pauli.
Beim Kooperationspartner dm ist man von dem System überzeugt: „Bei dm sind wir Innovationen gegenüber grundsätzlich aufgeschlossen“, sagt Christoph Werner, dm-Geschäftsführer. „Und das Verfahren von Barzahlen hat uns überzeugt.“ Der Kunde habe dadurch die Chance seine im Internet getätigten Einkäufe sicher und zuverlässig in zu bezahlen.