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Sberbank und VTB DirektbankDeutsche fliegen auf russisches Tagesgeld

In Konditionsvergleichen für Tages- und Festgeld liegen die Tochterfirmen russischer Großbanken in Deutschland zuletzt oft vorne. Den Anlegern gefällt das, sie parken dort Hunderte Millionen Euro – mit Restrisiko.Martin Dowideit 04.05.2015 - 16:50 Uhr Artikel anhören

In Deutschland tritt die Sberbank als Sberbank Direct auf. Tages- und Fetgeld ist durch die österreichische Einlagesicherung geschützt.

Foto: Reuters

Berlin. Die russische Großbank Sberbank ist erfolgreich mit ihrem aggressiven Werben um Tages- und Festgelder deutscher Kunden. Bis Ende 2014 seien „mehr als 500 Millionen Euro“ bei Privatkunden eingeworben worden, heißt es im jetzt veröffentlichten Geschäftsbericht.

Seit Juli vergangenen Jahres ist die in Österreich beheimatete europäische Tochter der Bank als Sberbank Direct in Deutschland aktiv. In Zinsvergleichen liegt sie seitdem regelmäßig auf den vordersten Plätzen. Die Einlagen würden für die Kreditvergabe in Mittel- und Osteuropa eingesetzt, hatte die Bank in der Vergangenheit mitgeteilt.

Wenn die Bank pleitegeht
Tages- oder Festgeld gilt als sichere Anlage. Doch was passiert, wenn eine Bank pleitegeht? In der gesamten Europäischen Union gilt ein gesetzlicher Entschädigungsanspruch von 100.000 Euro pro Anleger.
In Deutschland gibt es darüber hinaus freiwillige Einlagenschutzsysteme, die noch größere Entschädigungssummen versprechen. Darauf gibt es aber keinen Rechtsanspruch.
Bankkunden sollten vorab prüfen, bei welchem Einlagensicherungssystem ein Institut überhaupt registriert ist. Denn es gibt einige Banken, die sich dem Einlagensicherungsfonds anderer Länder angeschlossen haben. Die Bigbank gehört zum Beispiel dem estnischen Einlagenschutzfonds an, die IW Bank, eine Tochter der Ubi Banca, ist dem italienischen Fonds angeschlossen. Die VTB Direktbank – nicht zu verwechseln mit der VTB Bank Deutschland – ist Österreichs Einlagensicherungssystem angegliedert.
Solche Aspekte sind wichtiger geworden, seit wegen der Staatsschuldenkrise die Zahlungsfähigkeit ganzer EU-Staaten angezweifelt wird. Denn es gibt kaum einen Einlagensicherungsfonds, der die Pleite einer großen Bank ohne Staatshilfe überstehen könnte. Selbst der Einlagensicherungsfonds der deutschen privaten Banken benötigte öffentliche Gelder, als die Deutschland-Tochter der US-Investmentbank Lehman Brothers 2008 Insolvenz anmeldete. „Deshalb ist die Frage wichtig, ob der jeweilige Staat finanzkräftig genug ist, um notfalls für das Einlagensicherungssystem einzustehen“, sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Aus diesem Grund arbeitet Brüssel an einem EU-weiten Sicherungsfonds.
Der Verbraucherschützer rät Anlegern deshalb, darauf zu achten, dass eine Bank den Schutz der deutschen Einlagensicherung anbietet: „Die implizite Staatsgarantie Deutschlands ist höher zu bewerten als die von vielen anderen europäischen Staaten.“ Eine neue Richtlinie der EU sieht vor, dass in Sicherungsfälle im EU-Ausland künftig in der Sprache des Sparerlandes abgewickelt werden. Dafür sollen obligatorische Kooperationsvereinbarungen zwischen den Sicherungssystemen sorgen.

Die österreichische Finanzaufsicht FMA hat seit den wegen der Ukraine-Krise gegen die russische Mutter verhängten Sanktionen nach eigenen Angaben ein Auge darauf, dass aus Wien kein Geld an die Moskauer Zentrale fließt, berichtete vergangenes Jahr die österreichische Tageszeitung „Die Presse“. Die FMA-Konzession zur „Entgegennahme fremder Gelder zur Verwaltung oder als Einlage“ besteht weiterhin.

Der Sberbank-Konzern hat im ersten Quartal 2015 drei Viertel weniger Gewinn gemacht (420 Millionen Euro) als im Vorjahr. Zur Sberbank gehört auch in der Türkei beheimatete Deniz Bank, die ebenfalls aggressiv um Einlagen von Privatkunden in Deutschland wirbt.


Die russische VTB Bank verfolgt eine ähnliche Strategie wie die Sberbank. Auch sie sammelt in Deutschland über eine österreichische Tochter Tages- und Festgeld. Beide Institute unterliegen auch der österreichischen Einlagesicherung. Im Falle einer Insolvenz müssten deutsche Anleger also ihre Ansprüche in Österreich geltend machen.

Europaweit gilt für Spareinlagen eine Mindestabsicherung von 100.000 Euro im Falle einer Bank-Insolvenz. Wer bei der Sberbank oder VTB Bank anlegt, muss also auch in die Finanzkraft des österreichischen Staats vertrauen. Denn während 50.000 Euro über die österreichische Banken & Bankiers GmbH. und indirekt auch die vier anderen Sicherungseinrichtungen des Landes abgesichert sind, würde die zweite Hälfe im Ernstfall von der österreichischen Regierung zugeschossen werden.

Österreich wird von der Ratingagentur mit der Note AA+ bewertet und damit nur eine Stufe unterhalb des Bestwerts von AAA. Allerdings hatte das Land zuletzt für Aufsehen gesorgt, als die Finanzaufsicht ein Moratorium über Heta, die Bad Bank der ehemaligen Großbank Hypo Alpe Adria, verhängte und die Begleichung von Schulden zunächst bis Mai 2016 aussetzte. Das Bundesland Kärnten hatte eigentlich eine Garantie für die Heta-Papiere gegeben.

Die Kreditwürdigkeit der Sberbank hat Fitch im Januar leicht reduziert auf BBB-, was noch knapp einer „Investment Grade“-Beurteilung entspricht. Erst eine weitere Herabstufung würde bedeuten, dass „eine erhöhte Verwundbarkeit“ bestehe. Für die europäische Tochter stellt Fitch das Urteil aus, dass es eine „leichte Abschwächung“ der Fähigkeit zur Unterstützung durch den Mutterkonzern gebe. An der Sberbank ist mit 50 Prozent und einer Aktie aber die russische Zentralbank beteiligt und damit ist die Bank de facto eine russische Staatsbank.

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Nach russischen Medienberichte hat die Sberbank angesichts schwächerem Geschäfts wegen der flauen Konjunktur im Land beschlossen, die europäischen Töchter nicht mehr so stark wie in der Vergangenheit finanzieren zu wollen. Dadurch könnte die Liquiditätsbeschaffung über Kundeneinlagen noch bedeutender werden.

Deutsche Anleger haben in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht mit Banken, die mit besonders attraktiven Zinsen Spargelder eingeworben hatten. Bei der Pleite der isländischen Kaupthing-Bank waren im Herbst 2008 etwa 34.000 Sparer mit einem Vermögen von mehr als 300 Millionen Euro betroffen und mussten um die Rückerstattung ihrer Spareinlagen in Island kämpfen – nach vielen Monat der Ungewissheit schließlich erfolgreich.

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Die österreichische Einlagensicherung folgt den EU-Vorgaben, eine Erstattung ist dort innerhalb von 20 Tagen, bei komplizierten Fällen innerhalb von 30 Tagen zu erwarten. Die Sberbank hatte im Sommer 2012 die österreichische Volksbank International gekauft und zwei Jahre später das Einlagengeschäft in Deutschland gestartet.

Die besten Konditionen für Festgeld (Stand: 27.4.2015)
Crédit Agricole*Zins für sechs Monate: -Zins für zwölf Monate: 1,20 Prozent
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