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SparbuchvergleichLiebling der Deutschen – und Geldvernichter

Die Deutschen halten dem Sparbuch die Treue. Doch die Zinsen sind so gering wie nie zuvor und gleichen nicht einmal die Inflation aus. Welche Banken ein bisschen mehr bieten, zeigt das Tool der FMH Finanzberatung.Julia Groth 02.12.2016 - 20:13 Uhr Artikel anhören

Statt ihr Geld zu investieren, parken viele Deutsche es auf dem Sparbuch.

Foto: dpa

Köln. Die Deutschen machen ihrem Ruf als Sparweltmeister alle Ehre. Mehr als die Hälfte der Bürger hat zuhause ein Sparbuch in der Schublade. Eine aktuelle Umfrage der Direktbank Comdirect zeigt: 52 Prozent der deutschen Anleger nutzen diese Anlageform. Damit ist das Sparbuch die beliebteste Art der Geldanlage, gefolgt vom Tagesgeld mit 36 Prozent.

Banken und Sparkassen wollen die Sparwut ihrer Kunden sogar noch befördern, mit Aktionen wie dem Weltspartag, der seit mehr als 90 Jahren stattfindet. Auch in diesem Jahr brachten am 28. Oktober viele Kinder ihr Sparschwein zur Bank und eröffneten ihr erstes Sparbuch. Investmentgesellschaften finden das alles andere als niedlich. „Angesichts niedriger Zinsen fällt die Rendite klassischer Sparinstrumente sehr gering aus“, kritisiert Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege beim Fondsanbieter J.P. Morgan Asset Management.

So legen die Deutschen an
Deutsche Anleger bleiben ihrem Sparbuch sowie dem Tagesgeldkonto treu (77,3 Prozent) – und das obwohl zwei von drei Befragten davon ausgehen, dass das niedrige Zinsniveau in Europa noch mindestens drei bis fünf Jahre anhalten wird (65,4 Prozent). Auf dem zweiten Platz folgen Aktien bzw. Aktienfonds, in die 26,1 Prozent der Befragten investiert sind. Immobilien- oder Immobilienfondsanlagen halten 19,1 Prozent, Anleihen oder Rentenfonds 12,4 Prozent der Anleger. 9,5 Prozent der Befragten haben derzeit kein Geld in einer der genannten Anlageformen investiert. Quelle: Goldman Sachs Asset Management/TNS Infratest (Oktober 2015)
Sicherheit bleibt unverändert das wichtigste Kriterium bei der Entscheidung über die eigene Geldanlage (61,8 Prozent). Die ständige Verfügbarkeit des Geldes ist 29,4 Prozent der Anleger am wichtigsten, eine hohe Rendite nannten lediglich 6,8 Prozent der Befragten als wichtigstes Kriterium.
Als größte Risiken für ihre Geldanlage sehen private Investoren wirtschaftliche Krisen (42,9 Prozent). Mit deutlichem Abstand folgen Inflation und politischen Krisen (22,1 Prozent bzw. 15,6 Prozent). Staatsverschuldung und Deflation spielen, wie im vergangenen Jahr, eine vergleichsweise untergeordnete Rolle.
60,4 Prozent der Anleger, die ein Sparbuch oder Tagesgeldkonto haben, sind eher unzufrieden oder sogar äußerst unzufrieden mit ihrer Geldanlage. Mit ihren Erträgen bei Aktien/Aktienfonds, die gerade im aktuellen Niedrigzinsumfeld bessere Renditen versprechen, sind 69,2 Prozent sehr zufrieden oder eher zufrieden, mit Anleihen/Rentenfonds 62,7 Prozent. Am zufriedensten sind Immobilien- bzw. Immobilienfondsanleger mit ihren Erträgen: Hier geben über drei Viertel der Anleger an, sehr zufrieden oder eher zufrieden zu sein (78,4 Prozent).

Finanzexperte Christian Röhl von der Research-Plattform Dividendenadel findet noch deutlichere Worte: „Es wäre an der Zeit, diesen alten Zopf endlich abzuschneiden und durch einen Weltanlagetag zu ersetzen“, sagt er.

Fondsanbieter wie J.P. Morgan Asset Management wollen ihre eigenen Produkte verkaufen. Mit ihrer Kritik am Sparbuch haben sie trotzdem Recht. Die FMH Finanzberatung hat für das Handelsblatt die Sparbuchzinsen von Banken und Sparkassen verglichen. Das Ergebnis: „Die Sparzinsen lagen nie tiefer als jetzt“, sagt FMH-Chef Max Herbst. Ein Vergleichstool der FMH zeigt eine laufend aktualisierte Auswertung.

Der ernüchternde Zinsvergleich bezieht sich auf Online-Angebote mit einer Kündigungsfrist von drei Monaten, pro Monat sind bis zu 2000 Euro frei verfügbar. Im Mittel liegt der Sparbuchzins derzeit bei 0,06 Prozent. Das heißt: Wer 5000 Euro aufs Sparbuch legt, kann nach einem Jahr im Schnitt gerade einmal drei Euro Zinsen vereinnahmen. Damit lässt sich nicht einmal die Inflation ausgleichen. Einige Banken bieten sogar nur 0,001 Prozent Zinsen. Bei einer Anlagesumme von 5000 Euro bekommen Anleger nach einem Jahr also gerade einmal fünf Cent obendrauf. „Diese Banken könnten ehrlicherweise direkt null Zinsen anbieten“, sagt Herbst.

Am besten schneidet beim FMH-Vergleich die Merkur Bank ab, eine deutsche Privatbank mit Sitz in München. Dort bekommen Sparer 0,5 Prozent Zinsen für ihr Geld. Auf Platz zwei steht die BMW Bank mit 0,35 Prozent, gefolgt von der GEFA Bank und der VTB Direktbank mit jeweils 0,3 Prozent Zinsen. Alle diese Angebote gelten bundesweit.

Wie die Welt im Jahr 2015 ihr Geld anlegt
Anlageklassen in Prozent des Brutto-GeldvermögensBankeinlagen: 14 ProzentWertpapiere: 51 ProzentVersicherungen und Pensionen: 32 ProzentSonstige Forderungen: 3 Prozent Quellen: Allianz Wealth Report (Nationale Zentralbanken und Statistikämter, Allianz SE)
Bankeinlagen: 30 ProzentWertpapiere: 27 ProzentVersicherungen und Pensionen: 40 ProzentSonstige Forderungen: 3 Prozent
Bankeinlagen: 54 ProzentWertpapiere: 28 ProzentVersicherungen und Pensionen: 10 ProzentSonstige Forderungen: 8 Prozent
Bankeinlagen: 44 ProzentWertpapiere: 41 ProzentVersicherungen und Pensionen: 13 ProzentSonstige Forderungen: 2 ProzentHinweis: Japan ist in dieser Kategorie nicht gelistet
Bankeinlagen: 53 ProzentWertpapiere:18 ProzentVersicherungen und Pensionen: 28 ProzentSonstige Forderungen: 1 Prozent
Bankeinlagen: 23 ProzentWertpapiere: 24 ProzentVersicherungen und Pensionen: 52 ProzentSonstige Forderungen: 1 Prozent
Bankeinlagen: 23 ProzentWertpapiere: 41 ProzentVersicherungen und Pensionen: 33 ProzentSonstige Forderungen: 3 Prozent

Bei den regionalen Angeboten zeigt sich ein besonders klägliches Bild. An der Spitze steht hier die PSD Bank Koblenz, die Sparern 0,2 Prozent Zinsen bietet. Bei der PSD Bank München gibt es aufs Sparbuch nur 0,15 Prozent, ab einer Anlagesumme von 50.000 Euro immerhin 0,25 Prozent. Beim drittplatzierten Regionalanbieter, der PSD Bank Nürnberg, bekommen Sparbuchkunden schon nur noch 0,1 Prozent Zinsen.

Alle untersuchten Banken und Sparkassen unterliegen der gesetzlichen Einlagensicherung. Sparguthaben sind bis zu einer Höhe von 100.000 Euro abgesichert, falls das Institut pleitegeht. Mehr als die gesetzlich abgesicherte Summe sollte angesichts der mickrigen Zinsen ohnehin niemand auf dem Sparbuch bunkern – wenn überhaupt. Trotz allem ist das Sparbuch nicht totzukriegen. Obwohl Anleger wegen der Inflation bei den meisten Angeboten unterm Strich Geld verlieren, halten sie dem Sparbuch die Treue.

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Höhere Zinsen sind nicht in Sicht. Zwar hat die Chefin der US-Notenbank Fed, Janet Yellen, angekündigt, den Leitzins anheben zu wollen. In Deutschland hat die Bundesbank Immobilienkäufer jüngst vor steigenden Zinsen gewarnt. „Sparer sollten sich aber nicht zu früh freuen“, sagt Hubert Thaler, Vorstand der Starnberger Vermögensverwaltung TOP Vermögen AG. „Aus politischem Kalkül werden die Zinsen niedrig bleiben.“ Sowohl in den USA als auch in Europa wollen Notenbanker die Inflation ankurbeln. Das geht nur, wenn die Zinsen unterhalb der Inflationsrate bleiben. „Hohe reale Zinsen wird es auf absehbare Zeit nicht geben“, sagt Thaler. Das Sparbuch bleibt also ein Geldvernichter.

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