Unfallversicherungen im Test: Gut versichert in der Freizeit
Bei der Hausarbeit passieren viele Unfälle.
Foto: dpaKöln. Die schlimmsten Unfälle passieren im Haushalt. An dieser Binsenweisheit ist etwas Wahres dran, zeigt eine aktuelle Studie der Minijob-Zentrale, die sich auf Daten der Statistischen Landesämter stützt. Demnach ereigneten sich im vergangenen Jahr in deutschen Haushalten 9.815 tödliche Unfälle – fast dreimal so viele wie im Straßenverkehr. Oft waren Stürze die Ursache, beispielsweise beim Fensterputzen. Auch andere Freizeitbeschäftigungen haben mitunter böse Folgen. Beim Reiten oder Fahrradfahren kann man stürzen, beim Waldspaziergang lauern Zecken im Gebüsch, die mit ihren Bissen Borreliose übertragen können. Für all diese Schäden zahlt die gesetzliche Unfallversicherung nicht.
Eine private Unfallversicherung kann deshalb nützlich sein. Sie springt ein, wenn sich in der Freizeit ein schwerer Unfall ereignet, der bleibende Gesundheitsschäden zur Folge hat. Bei Unglücken, die zu Invalidität führen, zahlt der Versicherer einmalig eine hohe Summe. Damit können Betroffene ihr Haus oder ihre Wohnung barrierefrei umbauen oder Einkommensverluste ausgleichen. Im Todesfall können Angehörige eine zuvor festgelegte Summe ausgezahlt bekommen.
Verbraucherschützer zählen die Unfallversicherung nicht zu den Muss-Policen. Wer sich für den Fall absichern will, nicht mehr arbeiten zu können, sollte stattdessen eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen, raten sie. Für bestimmte Personengruppen kann eine Unfallversicherung aber sinnvoll sein: etwa für Menschen, die wegen Vorerkrankungen keine Berufsunfähigkeitsversicherung bekommen. Oder für Menschen mit erhöhtem Unfallrisiko. Dazu zählen zum Beispiel Sportler, die eine Risikosportart wie Motorradfahren oder Snowboarden ausüben. Sie sollten allerdings vor Vertragsabschluss prüfen, ob ihr Hobby mitversichert ist. Einige Versicherer schließen bestimmte Freizeitaktivitäten aus.
Eine passende Unfallversicherung ist nicht leicht zu finden. „Die Leistungs- und Konzeptunterschiede sind beträchtlich“, sagen die Experten des Analysehauses Franke und Bornberg. Manche Versicherer bieten viele Zusatzleistungen an, übernehmen etwa die Kosten für eine Haushaltshilfe. Andere verzichten auf solche Extras und konzentrieren sich auf eine hohe Versicherungssumme. „Beide Ansätze haben ihre Berechtigung“, urteilen die Experten. Aber nicht jede Police passt für jeden Kunden.
Versicherungsnehmer sollten grundsätzlich auf eine hohe Progression achten. Das bedeutet: Ab einem Invaliditätsgrad von 25 Prozent erhöht sich durch die Progression die Grundsumme der Versicherung. Bei einer Grundsumme von 100.000 Euro und einer Progression von 500 Prozent bekommen Versicherte bei Invalidität 500.000 Euro ausgezahlt. Man sollte sich durch eine hohe Progression allerdings nicht dazu verleiten lassen, eine günstige Police mit sehr niedriger Grundsumme zu wählen, warnen Verbraucherschützer. Sonst drohen Nachteile, wenn bei einem Schadensfall die Invaliditätsgrenze unter 25 Prozent bleibt.
Die Experten von Franke und Bornberg haben für das Handelsblatt Unfallversicherungen unter die Lupe genommen. Alle getesteten Policen fallen in die Kategorie Topschutz: Sie erfüllen bestimmte Kriterien, umfassen etwa Leistungen für kosmetische Operationen oder versichern auch Verletzungen durch Tiere. Policen dieser Kategorie eignen sich für Verbraucher, die einen umfassenden Unfallschutz benötigen und auch finanzieren können, heißt es von dem Research-Haus. Die Experten haben bei ihrem Test durchweg Angebote mit einer Progression von 500 Prozent gewählt, um die Policen besser vergleichen zu können. In zwei Fällen – bei „komfort Extra“ von Axa und „lifeconcept komfort Paket“ von WWK – liegt die Progression bei 600 Prozent, weil 500 Prozent nicht angeboten wurden. Die Grundsumme beträgt stets 100.000 Euro.
Die Analysten von Franke und Bornberg haben sowohl die Leistungen als auch die Kosten verschiedener Unfallversicherungen analysiert. Ein FFF-Rating entspricht einer Top-Leistung. Das Rating geht mit 70 Prozent in die Endnote ein, die Höhe der Prämie mit 30 Prozent. So konnten auch teure Policen im Test eine sehr gute Note bekommen – sofern die Leistung stimmt. Umgekehrt schnitten günstige Policen nicht notwendigerweise gut ab. Bezüglich der Prämie haben die Tester zwei Musterfälle definiert: einen Bankkaufmann (Gefahrengruppe A) und einen Maler (Gefahrengruppe B), geboren im Jahr 1990. Der Bankkaufmann fällt bei Versicherern in eine niedrigere Gefahrengruppe als der Handwerker und zahlt dementsprechend niedrigere Beiträge.
Der Ranking-Sieger, die „Unfallversicherung Top VIT“ von der Gegenseitigkeit Versicherung Oldenburg, hat sowohl bei der Leistung als auch bei der Höhe der Prämien die volle Punktzahl erreicht. Der Bankkaufmann zahlt für die Police 101,86 Euro pro Jahr, der Maler 166,60 Euro. Einige andere Versicherer verlangen mehr als das Doppelte, bei teilweise deutlich schlechterer Leistung. Insgesamt bekamen 13 Produkte die Note „sehr gut“, darunter Policen von Hanse Merkur, Volkswohl Bund und Helvetia.
Besonders schlecht schnitten die „Exklusivdeckung“ der BGV-Versicherung und die „Unfallversicherung Spezial“ der Öffentlichen Sachversicherung Braunschweig ab. Erstere liegt bei den Preisen im Mittelfeld, fiel aber bei der Leistungsprüfung durch. Bei Letzterer war es umgekehrt. Immerhin: Die Police der Öffentlichen Sachversicherung Braunschweig gehört zu den wenigen Unfallversicherungen, bei deren Abschluss keine Gesundheitsfragen gestellt werden. Diese Tarife eignen sich insbesondere für Menschen mit Vorerkrankungen.
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