Gastbeitrag: Luxus lässt sich kaum besteuern, Reichtum schon

Gastbeitrag
Luxus lässt sich kaum besteuern, Reichtum schon

Angesichts kräftig gestiegener Spitzeneinkommen können Reiche wesentlich mehr zum Gemeinwohl beitragen. Eine Luxussteuer ist aber der falsche Weg. Stattdessen sollte man an anderer Stelle die Steuerschraube anziehen.
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Die hohe Kunst der Steuerpolitik besteht darin, den Staat zu finanzieren ohne einzelne Gruppen übermäßig zu belasten und die wirtschaftliche Entwicklung zu gefährden. „Optimal taxation“ heißt das auf Neudeutsch. Luxussteuern haben dabei auf den ersten Blick große Vorteile. Sie treffen keine Armen und lösen auch keine große Steuervermeidung aus, soweit mit dem Luxuskonsum Exklusivität, Distinktion und Sozialstatus demonstriert werden. Aber was genau soll belastet werden und kann man mit Luxussteuern ein nennenswertes Aufkommen erzielen?

Wirkliche Luxusgüter lassen sich kaum wirksam besteuern. Jachten am Mittelmeer oder in der Karibik kann das deutsche Finanzamt nur schwer bewerten. Privatflugzeuge werden gerne auch dienstlich genutzt. Schmuck und Edelmetalle kann man leicht im Ausland kaufen. Kunst oder andere wertvolle Sammlungen in Privatwohnungen aufzuspüren und zu bewerten ist auch nicht leicht.

Ein größeres Steueraufkommen lässt sich nur erzielen, wenn man gehobene Konsum-güter breiter belastet. Früher gab es für solche Produkte in vielen Ländern höhere Mehrwertsteuersätze und Sonderverbrauchsteuern. Sie wurden Anfang der 90er Jahre abgeschafft, als mit der Einführung des Europäischen Binnenmarkts die Zollkontrollen wegfielen. Wenn solche Sondersteuern wieder eingeführt werden sollen, müsste dies wohl europaweit koordiniert werden, um Direktkäufe über die Grenzen zu begrenzen. Dazu ist Einstimmigkeit im EU-Ministerrat erforderlich, die sich nur langwierig erreichen lässt.

Größere nationale Handlungsspielräume gibt es bei den Steuern auf Kraftfahrzeuge, von denen die skandinavischen Länder weidlich Gebrauch machen. In Dänemark beträgt die Zulassungsteuer 105 Prozent auf Preise bis 11.000 Euro und 180 Prozent für übersteigende Beträge. Dergestalt alle Autos zum Luxusgut zu machen geht in der Autofahrernation Deutschland natürlich gar nicht.

Zumindest könnte man hierzulande schwere Dienstfahrzeuge und SUVs mit solchen Abgaben belasten. Doch das führt schnell zu skurrilen Abgrenzungsproblemen und Gestaltungen, von denen die Steuergeschichte voll ist. Als in den 70er Jahren in Italien eine empfindliche Sondersteuer auf Autos mit mehr als 2 Liter Hubraum galt, wurden dort prompt Sportwagen mit speziellen Turboladern angeboten, um trotzdem eine standesgemäße Beschleunigung zu erreichten. „Ferrari fiscale“ nannte der Volksmund diese Modelle liebevoll.

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"Sozialneiddebatten wie in Frankreich vermeiden"

Kommentare zu " Gastbeitrag: Luxus lässt sich kaum besteuern, Reichtum schon"

Alle Kommentare
  • Da hat der Link nicht geklappt, interessant und lesenswert zum Tema Luxus: www.nobelio.de Eine Luxusdefinition findet sich hier: http://www.nobelio.de/wohnen-und-lifestyle/luxus-ein-ausdruck-der-personlichkeit-3057.html

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Der 'DIW-Reichtum' bezieht nicht den Millionen-Reichtum überhöhter Polit-Pensionen und betrieblicher Manager-Renten ein. Warum wohl?
    Liegt es daran: 'Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing.' ? Ist diese Diskussion nicht auch von den heimlichen Reichen und linken Parteipolitikern von Trittin bis Nahles, Lafontaine und Gysi in Szene gesetzt worden ohne die eigenen, unglaublich hohen Reichtumspensionen in Frage zu stellen?
    Solange die Reichtumsdiskussion nicht die Vermogenswerte der völlig überhöhten Pensionen und Managerrenten mit einbezieht, bleibt sie unglaubwürdig UND z.B. gegenüber einem Mittelständler, dessen Rente ausschließlich kapitalbasiert und risikoreich ist und schon der aktuellen finanziellen Repression unterliegt ungerecht und völlig UNFAIR.
    Dazu siehe z.B. http://www.handelsblatt.com/meinung/gastbeitraege/wolfgang-clement-steuererhoehungen-sind-unnoetig/7063628.html oder
    http://www.handelsblatt.com/meinung/kolumnen/kurz-und-schmerzhaft/walter-direkt-die-heimlichen-reichen/7025464.html
    Sollte sich diese UNFAIRNESS in Gesetzen zur weiteren Umverteilung niederschlagen ohne die 'heilige Kuh der höheren Pensionen und Renten' mit einzubeziehen, ist jeglicher Widerstand gegen diese Form des staatlichen Diebstahls völlig legitim.

  • Was für ein Unfug. Wir haben viel zu viele Steuern und Abgaben. Diese müssen für alle gleich gesenkt werden. Das Problem sind nicht die Steuern sondern der viel zu große Staat.
    Alle Subventionen streichen, Bundesländer zusammen legen, Parlament reduzieren, Ministerien schließen, BND auflösen, raus aus Afghanistan etc. Bei den viel zu hohen Sozialabgaben sämtliche ausländische Bezieher ausweisen. EU Austritt keine Haftung und Überweisungen für den EURO sondern zurück zur DM. Schwups reichen 10 % Steuer FLATTAX!Man schaue sich prosperierende Ländern wie Hongkong, Singapur, Paraguay, Chile, Brasilien etc. an.

  • Bei "Optimal taxation“ geht es um die hohe Kunst der Steuererhebung .... leider nicht um hohe Kunst der sinnvollen Steuerverwendung.

    Die ganze Politik in diesem Land dreht sich leider nur noch darum, wie das Steueraufkommen erhöht wedern kann, nicht jedoch um das Problem, dass die Mittel dann in völlig sinnlose Projekte wie die Euro- und Bankenrettung gesteckt werden.

    Dabei ist es ganz einfach: wenn ich einen Teil der Bevölkerung besteuere und das Geld im Land "umverteile", dann bleibt der Wohlstand des Landes im ersten Schritt gleich. Wenn ich die Steuern jedoch an angelsächische Investmentbanken oder griechische Beamte überweise, dann senke ich den Wohlstand Deutschlands erheblich.

    Die so verwendeten Steuern verbrennen den Wohlstand des Landes. Außer der Genugtuung der Linken, dass nun endlich alle gleich "arm" sind, hat nämlich von so einer Politik niemand etwas.

  • So ein Blödsinn kommt also vom DIW. Wasch mich aber mach mich nicht nass. Das DIW scheint wirklich ein Sprachrohr der Superreichen zu sein.

    Wenn uns dieser Staat nicht um die Ohren fliegen soll werden die Reichen bald ihren Beitrag leisten müssen. Auch wenn sie über ihre Lobyisten faktisch die Bundesregierung steuern.

    Die Lösung ist ganz einfach. Dazu benötigt es nur zwei Kategorien:

    1) Progressive Besteuerung der leistungslosen Einkommen aus Kapital und geringere Besteuerung der Leistungseinkommen aus Arbeit oder unternehmerischer Tätigkeit.
    2) Besteuerung großer Vermögen (Vermögenssteuer wieder aktivieren) und hohe Erbschaftssteuer mit angemessenen Freibeträgen.

    Schwierig ist das Ganze nur, weil es auf dem Leistungsprinzip basiert. Und das ist zusammen mit dem Prinzip von Verantwortung und Haftung irgendwo im entfesselten Turbokapitalismus abhanden gekommen.

  • Den (volks)wirtschaftlichen Kollateralschaden provozieren Sie, werter Herr Bach, indes auch mit Ihrer - per se rechtlich nicht nur hinsichtlich damit vollzogener Doppelbesteuerung ohnehin schon fragwürdig ausgestalteten - Abgeltungssteuer: Dies wird 1. den Exodus aus Aktien, wo er in Dtld. schon seit geraumer Zeit vakant ist und darüber immer mehr Firmen unter Auslandskontrolle geraten, und 2. einen ohnehin zu erwartenden Aderlass bei Zinspapieren promovieren. Des weiteren promoviert das eine, wie inzwischen wohl kaum mehr zu übersehen, ohnehin unheilvolle Institutionalisierung der hiesigen Finanzmärkte, wie sie ansonsten, besonders gerne namentlich von (ehemals) verantwortlichen Fiskalpolitikern, kritisiert wird.

    Finanzielle Repression ist eine, vl. leider nötige, Sache - rigide Investiv- ergo Risiko(!)kapitalbesteuerung eine andere, vl. noch richtig schädliche.

  • @Oekonom

    Was Sie in Ihrer langen Liste verlangen, ist ein Freudenfest für Politiker. Das ist nämlich genau das was die den ganzen Tag machen. Umverteilen, beeinflussen und steuern.

    Wie wäre es mit einer alternativen Regel: Die gesetzliche Zahllast muss jedes Jahr um 10% reduziert werden.

    Fertig.

    Bedeutet in Konsequenz:
    - Jedes Jahr hat die Politik weniger Geld zum umverteilen, wird also zur Sparsamkeit gezwungen.
    - Die Steuerlast für Unternehmen reduziert sich. Zumindest in Bereichen in denen ein vernünftiger Wettbewerb existiert (Lebensmittel, Mieten, ...) werden sich die Preise reduzieren
    - Die Einkommen von Privatleuten erhöhen sich.
    - Die Luxusgüter werden billiger und gleichzeitig können sich mehr Menschen Luxus leisten, wodurch Luxusgüter Alltagsgüter werden (Luxusgüter sind ja immer nur vorübergehend Luxus, warmes Wasser aus der Leitung ist heute normal, war aber vor 50 Jahren extremer Luxus für Superreiche)
    - Mehr Geld für Unternehmen und mehr Geld für Privatleute bedeutet höhere Investition in Unternehmen, dadurch mehr Arbeitsplätze
    - freier Zugang für Bildung: Mit steigendem Einkommen steigen die Bildungsmöglichkeiten für die, die wollen. Die, die nicht wollen ... warum muss ich trotzdem dafür bezahlen?

    Auch meine Liste lässt sich endlos fortsetzen. Der Unterschied ist: Wenn die Politik das Problem ist, dann kann man das Problem nicht mit mehr Politik lösen, sondern muss das Gegenteil versuchen.

  • Die ganze Diskussion kommt mir etwas spanisch vor.
    Mir scheint, der Ruf nach gerechter Umverteilung soll in geordnete und gemäßigte Bahnen gelenkt werden, der Skandal entskandalisiert werden. Wer dennoch nicht von seiner Empörung lassen will, der wird dem Verdacht ausgesetzt, ein neurotischer Neidling zu sein, der die Zeichen der globalisierten Echtzeit nicht zu erkennen vermag, und noch immer der Illusion verfallen ist, hierzu gäbe es gangbare glokale Alternativen.
    Nein! Der übergeordnete Standort ist das Nonplusultra, der schlechthinnige Faktor für das betriebswirtschaftliche Überleben einer Volkswirtschaft. Sei sie nun national, kontinental oder transatlantisch gemanagt. Und da Transaktions- und Vermögenssteuern dem abgehobenen Management ein insgeheimer Greuel sind, lässt es seine institutionalisierten Hofschranzen immer von neuem verlautbaren, dass sie im internationalen Wettbewerb eh nicht praktizierbar sind und Alleingänge katastrophale Nachteile nach sich ziehen werden.
    So die Mentalität der DIWler und ihrer weltweit wirkmächtigen Glaubenskongregation, in der größtenteils Mitstreiter versammelt sein dürften, die von einer TAS oder VS höchstpersönlich betroffen wären.
    Dann doch lieber die Kirche im Dorf lassen und beruhigende Scheindebatten anzetteln, wie man das scheue Rehlein des Kapitals behutsam bindet, damit es nicht Reißaus nimmt.
    Und vor allem Respekt, Respekt und immer wieder Respekt! - vor seiner segensreichen Lebensleistung, auch wenn diese stellenweise Flurschäden verursacht. Aber warum sich aufregen? Gerade dem fortlaufenden Wiederaufforsten der Bestände verdanken die Hinterwäldler schließlich ihr tagtägliches Aus- und Einkommen.
    Läuft doch alles wie geschmiert!? Jedem sein standesgemäßes Bestechungsgeld und alle stehen schmiere, dass nicht die Wildsau Einzug hält.

  • Wahrscheinlich müsste sich jemand mal hinsetzen und ein Konzept schreiben.
    Solange “der Markt mit Subventionen und Steuergeschenken“ das beherrschende
    Instrumentarium unserer Wirtschaft ist, wird es mit einer etwas gerechteren
    Lebensweise nichts. Dabei wäre es doch ganz einfach:
    - jeder sollte die Möglichkeit haben sein Leben durch eigenes Einkommen zu
    ermöglichen
    (jede gesellschaftliche Arbeit, die nötig ist, muss bezahlt werden – keine
    Förderung von Ehrenämtern, sondern Anerkennung durch Bezahlung)
    - ein gerechtes Vergütungssystem
    - Lebenshaltungskosten gering halten (Grundnahrungsmittel, Energie, Fern- und
    Nahverkehr, usw.)
    - Freier Zugang zur Bildung und Unterstützung für schwache Schüler
    - Förderung des sozialen Wohnens
    - Zugang zur Medizin für alle
    - Luxusgüter höher versteuern
    - Kapitalerträge erst ab 6.000,00 € (Grundfreibetrag erhöhen)
    und dann wieder höher besteuern
    - Ausbau der Infrastruktur, so dass auch strukturschwache Gebiete leicht erreichbar
    sind
    usw., usw.

    Damit wäre es vielleicht mal wieder möglich für normale Bürger normal
    zu leben, das heißt: arbeiten, wohnen, einrichten, essen, Urlaub, Friseur,
    einkleiden, erholen…

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