Pädophilie-Debatte
„Ich bin entsetzt“

Handelsblatt-Online-Kolumnist Marek Dutschke ist überzeugter Grüner. Jürgen Trittins Fehler in der Pädophilie-Debatte hält er für unverzeihlich. Nach der Wahl, so fordert Dutschke, sollte Trittin in die zweite Reihe.
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Ich bin seit mehr als zehn Jahren Parteimitglied und habe bei fast jeder Wahl die Grünen - zumindest mit der Zweitstimme - gewählt. Soll ich mich für diese Wahlentscheidungen jetzt schämen, soll ich sie bedauern oder gar bereuen? Oder ist das alles Schnee von gestern?

Die Vermutung liegt nahe, dass einige Bürger ihre Stimmen deswegen den Grünen verwehren werden. Ich bin selbst zweifacher Vater und kann diese Entscheidung nachvollziehen. Dass meine eigene Partei in ihren Anfängen pädophilen Gruppen eine Plattform ermöglicht hat, kotzt mich an. Nachmittags auf dem Spielplatz muss ich mich schon als Grüner rechtfertigen und es fällt mir eigentlich nichts ein.

Es ist hinlänglich bekannt, dass die frühen Grünen ein Sammelsurium verschiedener politischer Strömungen waren, aber die Verbindung zu pädophilen Gruppen kann nicht mit dem Hinweis auf die verrückten Anfangsjahre oder einem vorgeblichen damaligen Zeitgeist verteidigt werden. Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin hat damals einen schwerwiegenden Fehler begangen.

Ich glaube zwar nicht, dass er absichtlich pädophiles Gedankengut geduldet hat, wahrscheinlich hat er wirklich nicht so genau gewusst, was da alles im Programm stand. Doch als Politiker ist und war er verantwortlich. Hier wurde eine rote Linie überschritten. Der Protest gegen die damalige Gesellschaft und ihre krustigen Strukturen war das Leitmotiv der Alternativen, es beinhaltete natürlich auch ein neues Familienbild, das die Jüngeren mehr in den Vordergrund rückte und sich vom autoritären Patriarchen und den rigiden Erziehungsmethoden distanzierte.

Doch genau hier wurden diese Ideen von jenen Kräften infiltriert, die unter der mündigen Behandlung von Kindern ganz andere Dinge verstanden. Dass dies in seiner ganzen Entsetzlichkeit nicht erkannt und gebannt wurde, ist nun zu einem Riesenproblem für die Grünen geworden. Urgrüne wie Jürgen Trittin, die für sich in Anspruch nehmen, damals erkämpft zu haben, was heute Mainstream ist und propagieren, immer ihrem Gewissen und nie der vorherrschenden Meinung gefolgt zu sein, sind stark beschädigt. Ist er auch damals seiner Überzeugung gefolgt?

Die Parteigeschichte der Grünen ist bunt und wild, aber auch dunkel. Grüne sind keine besseren Menschen. Der Versuch, die eigene Geschichte auszusitzen, ging nach hinten los. Die Beauftragung der Aufarbeitung kam viel zu spät. Die Grünen werden es am Wahlergebnis merken. Ich habe bereits vor Monaten kundgetan, dass ich mir einen anderen Spitzenkandidaten gewünscht hätte, weil ich mir beim Spitzenpersonal mehr Erneuerung erhoffte.

Jetzt ist Trittin zur Belastung geworden und wird den Grünen am Sonntag Stimmen kosten. Nach der Wahl sollte sich die Fraktion genau überlegen, in welcher Funktion sie an ihm festhalten möchte. Nichtsdestotrotz werde ich am Sonntag grün wählen und werbe für grüne Politik.

Ich bin entsetzt über die Vergangenheit meiner Partei, aber wichtiger ist es mir, die verfehlte Politik der schwarz-gelben Koalition abzuwählen. Die Grünen haben ein überzeugendes Wahlprogramm vorgelegt, und bei der Abwägung am Wahltag sollten die Grünen auf diese Grundlage bewertet werden.

Kommentare zu " Pädophilie-Debatte: „Ich bin entsetzt“"

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  • Ich würde mir wünschen, dass Seehofer die Pädophilie-Debatte auch in der nach meinem Wissen größte pädophile Ansammlung, der katholischen Kirche, ausdehnt. Aber dazu ist er wieder nicht in der Lage.

    Im Gegenteil die CDU/CSU unterstützt diese auch noch durch die Nicht-Aufklärung der kirchlichen Missbrauchsvorgänge und durch Delegieren der Aufklärung in Kirchen interne Stellen und den damit verbundenen Vertuschungsmöglichkeiten durch die Kirche.

    Erst vor kurzem wurde ja durch den Freisinger(Bayern) Bischof Marx der begonnene wissenschaftliche Aufklärungsversuch über ein Kriminologisches Forschungsinstitut einseitig abgebrochen nach dem Vorwürfe der Vernichtung von Missbrauchsakten aufkamen und sich die wissenschaftliche Seite sich nicht der Zensur der Ergebnisveröffentlichung durch Marx beugen wollte.

    Wirkliche Aufklärung der pädophilen Vorgänge in der katholischen Kirche sieht definitiv anders aus!

    Wenn ich vor derartigem Hintergrund die Grünen Debatte anschaue, läuft es mir über die Heuchelei Seehofers eiskalt den Rücken hinunter.

  • @Herr Dutschke,

    ich glaube Ihnen das Zitat: Ich glaube zwar nicht, dass er absichtlich pädophiles Gedankengut geduldet hat, wahrscheinlich hat er wirklich nicht so genau gewusst, was da alles im Programm stand.

    Aber ich glaube es nicht den Grünen. Folgender Grund. Wir als Bürger bekommen oft nur gefilterte Wahrheiten mitgeteilt und erfahren viele Vorkommsisse nicht, weil sie in den deutschen Medien nicht gemeldet werden. Überlegen sollten sich alle mal, wie wir mit grünen Politikern im Ausland wirken, deren pädophilen Neigungen offen dargelegt wurden. Wir als Bürger werden dann nämlich so angesehen, als fänden wir alles verzeihlich, halb so schlimm oder verwehrt. Und egal wie lange das her war, war es damals auch schon falsch und widerlich.

    Des weiteren ist es nicht so lange her, dass wir im Ausland mit pädophil-geneigten Politikern der Grünen uns selber beschämend schadeten. (Und das ist NICHT 32 Jahre her!!) Hier ein Auszug über diesjährige Vorkommnisse im Ausland. (http://german.ruvr.ru/2013_05_03/Die-Grunen-die-Padophilenpartei/) Ich war entsetzt als ich das gelesen hatte und habe von diesen Besuchen über die deutschen Medien nichts gehört.
    Außerdem frage ich mich auch, warum man Leute noch mit Preisen auszeichnet, die in Büchern von Sex mit Kindern schwärmen. So unwissend kann man als grünes Parteimitglied wirklich nicht sein!

  • @Herr Dutschke,

    ich glaube Ihnen das Zitat: Ich glaube zwar nicht, dass er absichtlich pädophiles Gedankengut geduldet hat, wahrscheinlich hat er wirklich nicht so genau gewusst, was da alles im Programm stand.

    Aber ich glaube es nicht den Grünen. Folgender Grund. Wir als Bürger bekommen oft nur gefilterte Wahrheiten mitgeteilt und erfahren viele Vorkommsisse nicht, weil sie in den deutschen Medien nicht gemeldet werden. Überlegen sollten sich alle mal, wie wir mit grünen Politikern im Ausland wirken, deren pädophilen Neigungen offen dargelegt wurden. Wir als Bürger werden dann nämlich so angesehen, als fänden wir alles verzeihlich, halb so schlimm oder verwehrt. Und egal wie lange das her war, war es damals auch schon falsch und widerlich.

    Des weiteren ist es nicht so lange her, dass wir im Ausland mit pädophil-geneigten Politikern der Grünen uns selber beschämend schaden. Hier ein Auszug über diesjährige Vorkommnisse im Ausland. (http://german.ruvr.ru/2013_05_03/Die-Grunen-die-Padophilenpartei/) Ich war entsetzt als ich das gelesen hatte und habe von diesen Besuchen über die deutschen Medien nichts gehört.
    Außerdem frage ich mich auch, warum man Leute noch mit Preisen auszeichnet, die in Büchern von Sex mit Kindern schwärmen. So unwissend kann man als grünes Parteimitglied wirklich nicht sein!

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