Kleinleins Klartext
Was Kunden über die neue Allianz-Rente wissen sollten

Die Allianz wirbt für eine neue Privatrente ohne den klassischen Garantiezins. Die Konstruktion des Produktes ist kompliziert. Wer sie durchschaut, entdeckt handfeste Nachteile für die Kunden.
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Mit der neuen „Perspektive“ der Allianz habe ich mich schon mehrfach beschäftigt, etwa mit dem Garantiezins und auch der Intransparenz. Ein Vermittler hat mich daraufhin angeschrieben. Er beschwerte sich darüber, dass ich ja eigentlich nur sehr akademische Betrachtungen vornehmen würde. Den Kunden bräuchte meine Kritik an der „Perspektive“ daher gar nicht richtig zu interessieren. Schließlich gäbe es ja in der Ansparfrist eine um 0,3 Prozent höhere Verzinsung als beim klassischen Vertrag. Unterm Strich würde der Kunde durch die höheren Überschüsse mit der „Perspektive“ also doch besser abschneiden.

Klingt erst mal recht plausibel und vernünftig. Doch neben der neuartigen Form der Garantiverzinsung hat sich die Allianz bei der Perspektive ja noch einen weiteren Gimmick einfallen lassen: Zu Rentenbeginn werden alle Rechnungsgrundlagen neu festgelegt. Das heißt, die Allianz setzt dann den zu diesem Zeitpunkt bei ihr üblichen Rechnungszins an. Auch als Sterbetafel wählt sie genau die Tafel, die sie dann für richtig erachtet.

Die Allianz ändert ja des Öfteren diese Rechnungsgrundlagen – wie alle anderen Versicherer auch. Meist müssen das die Unternehmen auch tun, weil etwa der Gesetzgeber den Höchstrechnungszins senkt oder aber die Aufsichtsbehörde zusammen mit der Aktuarvereinigung neue Sterbetafeln empfiehlt. So änderte sich etwa der maximale Rechnungszins in den letzten 30 Jahren ganze sechs Mal, und alleine für Renten wurden im gleichen Zeitraum vier neue Sterbetafeln eingeführt.

Es ist also der Normalfall, dass ein Kunde zum Beispiel einen Rentenvertrag mit bestimmten Konditionen abschließt und zum Zeitpunkt des Rentenbeginns sind dann gänzliche andere Rechnungsgrundlagen üblich. Bei den bisher verkauften Verträgen brauchte sich der Kunde kaum um diese neuen Rechnungsgrundlagen scheren. Bei der „Perspektive“ der Allianz sieht das nun aber anders aus! Denn wenn sich die Rechungsgrundlagen ändern, dann wird die gesamte Rente neu berechnet.

Um die Auswirkung einer Änderung der Rechnungsgrundlagen zu untersuchen, hilft vielleicht ein Blick in die Vergangenheit. Dann geht um die Frage, welcher Vertrag wohl besser gelaufen wäre: Der „klassische“ Vertrag oder aber ein Vertrag mit identischen Kosten, mit einer um 0,3 Prozent höheren Überschussbeteiligung und einer Verrentung nach den dann einschlägigen Rechnungsgrundlagen. Was tippen Sie, welcher Vertrag gewinnt?

Kommentare zu " Kleinleins Klartext: Was Kunden über die neue Allianz-Rente wissen sollten"

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  • @Buerokaufmann
    Auch ich teile Ihre Ansicht nicht, bin aber verwundert, dass sich die BAFin und nicht zuletzt das Verbraucherministerium einschalten und Klartext reden.

    Ich möchte nicht ausschließen, dass dies mit der Herkunft der Präsidentin, Frau König, und vorher, mit der fehlenden Erfahrung von Herrn Sanio im Zusammengang steht.

    Was Ihre Bemerkung "versicherungsmathematischer Unsinn" angeht, teilen Sie uns mit, dass Sie kein Versicherungsmathematiker sind. Versicherungsprodukte in ihrer Konstruktion sind Ihnen fremd.

    Sie können aber auch nicht in der Versicherungsbranche tätig sein. In diesem Fall würden Sie Ihre Defizite verstecken wollen, hätten den Kommentar gewiß nicht geschrieben.

  • Diese ganzen Versicherungen sind nur gut für die Vers.-Unternehmen

  • Das ist der erste wirklich gute Kommentar den ich seit Monaten lese. Si ehaben ja sooo recht. Was man alles für einen Unsinn lesen muss, ist schon nervend. Und: Es fehlt bei der ganzen Meckerei auch immer eine Alternative. Wo ist sie ?
    Göcker, ERGO und Konsorten haben der Branche soviele Mühlsteine an den Hals gehängt, dass man sich allerdings auch über das Bashing nicht wirklich wundern darf.

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