Weimers Woche
Alternative gegen Deutschland

Die „Alternative für Deutschland” mischt den langweiligen Wahlkampf auf. Das bürgerliche Lager wird nervös. Denn was Steinbrück nicht vermag, ist den Eurokritikern zuzutrauen: Merkels Wahlsieg ernsthaft zu gefährden.
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Die Linke beschimpft sie als rechts-reaktionär. Die Liberalen diffamieren sie als nationalistisch. Die Union verfemt sie als verantwortungslos, Grüne witzeln über „deutschtümelnde Protest-Professoren” und Piraten versuchen sie als „D-Mark-Opas” abzustempeln. Die neuen Eurokritiker „Alternative für Deutschland” (AfD) provozieren das parteiliche Establishment und haben binnen weniger Wochen die politische Szenerie aufgemischt.

Mit erstaunlichem Zulauf und einem gewaltigem Medienecho sammelt sich eine zutiefst bürgerliche Protestbewegung, wie sie Deutschland schon lange nicht mehr gesehen hat. Frustrierte Konservative, die sich über die Sozialdemokratisierung der CDU ärgern, treffen auf Deutschnationale, Europaskeptiker und Wirtschaftsliberale, die den europäischen Schuldensozialismus heraufziehen sehen. Dazu gesellen sich Protestwähler mancher Couleur und all die, die der repressiven Korrektheit und dem politischen Gleichsprech endlich einmal den diskursiven Ungehorsam zeigen wollen.

Die „Alternative für Deutschland” hat dabei drei Vorteile, die aus dem Nischengeraune rasch eine Massenbewegung machen könnten: Erstens vertritt sie mit der Euro-Kritik ein wichtiges, brisantes Thema, das in Deutschland 20 bis 30 Prozent der Wähler unmittelbar anspricht. Die Tabuisierung der grundsätzlichen Eurokritik bei den jetzigen Bundestagsparteien verschafft ihr eine Ventilfunktion für Sorgen, die von den klassischen Parteien nicht adressiert werden, aber massenweise in der Gesellschaft vorhanden sind. Zweitens hat die neue Partei ein verblüffend seriöses Spitzenpersonal. Ein Kreis von Professoren, Wirtschaftswissenschaftlern und Publizisten bilden den akademischen Kern in einer zutiefst bürgerlichen Formation, der verhindert, dass die Partei in Extremismus oder Klamauk abgleitet.

Alle Versuche, die AfD in eine rechtsextreme oder unernste Ecke zu stellen, dürften daher scheitern und die Bewegung gerade wegen ihres Eintretens für politische Unkorrektheit eher stärken. Der dritte Startvorteil liegt in der grundsätzlichen Bereitschaft großer Wählergruppen kurzerhand einmal etwas ganz Neues zu wählen. Wie beim Piratenboom vor Jahresfrist können daher auch hier plötzlich erdrutschartige Wählervoten entstehen.

Diese Umstände führen dazu, dass insbesondere bei Union und FDP die Nervosität von Tag zu Tag wächst. Man spürt, wie es im eigenen Lager rumort. Manches erinnert an die Absetzbewegungen von klassischen SPD-Wählern hin zur WASG-Linkspartei während der Agendapolitik. Und ähnlich wie damals könnten auch diesmal die Protestbewegten genau das Gegenteil von dem bewirken, was sie eigentlich wollen.

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Die Prozente der AfD könnten Merkel fehlen

Kommentare zu " Weimers Woche: Alternative gegen Deutschland"

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  • Ich stimme Ihnen in den meisten Punkten zu. Mit der AfD verbinde ich ebenfalls die Erwartung, sie könne, erst einmal im Bundestag angekommen, sowohl europa- als auch innenpolitisch als Regulativ zu den jeweils Regierenden dienen. Und zwar als eines mit (Zitat) "geballter Sachkompetenz" (Zitat Ende). Auch mit CDU/CSU und evtl. mit Frau Dr. Merkel in Regierungsverantwortung käme es dann womöglich zu einer (Zitat) "Regeneration des bürgerlichen Lagers" (Zitat Ende). Die AfD ist eine Partei, der niemand ernsthaft vorwerfen kann, sie handele gegen die Grundwerte unserer Gesellschaft und gegen das Grundgesetz. Wähler, die bisher vom Opportunismus der gewählten Parteien (man könnte auch sagen, von deren Macchiavellismus, wenn man richtig ernüchtert ist, aber so weit möchte ich dann doch nicht gehen) nach den Wahlen regelmäßig entmutigt worden sind, wären dann im Bundestag durch die AfD vertreten. Was ich mir ebenfalls wünsche.

  • fransch
    ja stimmt. Das macht wirklich bedenklich
    Wir nähern uns immer mehr einer DDR 2.0

  • Die AFD wird vielleicht Schwarz/Grün die Mehrheit kosten, ok,,kannmsein, was geschiehtndann:

    Rot/Grün wäre natürlich das Schlimmste, was uns passieren könnte, doch wenn sie die Mehrheit bekommen werden sie es machen.
    Grün ist mittlerweile genauso regierungsschädlich wie die Freiemdeutsche Partei beeinflussbarer Politiker, sprich FDP?
    Grün hat die Solarindustrie an die Wand gefahren, da sie mit einer vollkommen überzogenen Förderung ein Baby fett gemacht hatten, dass nie lernte auf dem Weltmarkt zu laufen.
    Die katastrophale Wärmedämmverordung von ROT/GRÜN sorgte für feuchte Wände und erheblichen Sanierungsbedarf nach ein paar Jahren bei sanierten und neuen Häusern.
    Im Bereich Gesundheit sind sie fast genauso tot wie unser Gesundheitsminister Bahr/FDP.
    Um es noch ein wenig zu überspitzen, es sind tote Leichen.
    Grün ist mittlerweile Purpur, ausser gegen Atomkraft zu sein, dälltndenen nichts mehr ein.
    Ein grinsender "Tritt Ihn" und eine Claudia Roth die in türkischen Krimis auftritt um Wählerdtimmen von Deutsch/Türken zu ergattern, obwohl danach Vergewaltigungs- und Unterdrückungs Novelas im türkischen Fernsehen laufen, was soll man davon halten?

    SPD zu wählen in der Hoffnung, es komme SCHWARZ/ROT kann schief gehen und schon haben wir den Salat, SCHWARZ/ROT bestellt und ROT/GRÜN erhalten und schon verderben wir uns den Magen mit einer Kombination die fast bar jeglicher Wirtschaftskompetenz wäre und das in diesen Zeiten!

    Also, was tun? Ich wähle schwarz, wobei ich auch mit der FD sympatisiere, denn dort ist, was anderen fehlt, wirtschaftliche Kompetenz. Doch auch hier ist mir das Risiko zu gross, dass eine zu starke AFD ROT/GRÜN erwirkt, also hebe ich mir die AFD als Nchtisch f.d. nächste Landtagswahl vor, dannnhaben die auch einigermassen brauchbare Strukturen geschaffen.

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