Was die Institutschefs in NRW verdienen: Gut versorgt bei der Sparkasse
Zumindest die Chefs der allergrößten NRW-Sparkassen scheinen ähnlich gut zu verdienen wie Topmanager in privaten und genossenschaftlichen Banken.
Foto: dpaFrankfurt. Mehr als ein Jahr lang haben sich Arndt Hallmann, Chef der Stadtsparkasse Düsseldorf, und der Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel gezofft. Sie stritten um die Höhe der Ausschüttung des Sparkassengewinns. SPD-Politiker Geisel, zugleich Verwaltungsratschef, wollte mehr Geld für die Stadt. Hallmann wollte vor allem die Reserven stärken. Jetzt muss Hallmann gehen, sein Vertrag läuft noch bis Mitte des Jahres. Sollte er danach keinen neuen Job finden, würde er weich fallen: Rund 300.000 Euro, die Hälfte seines Festgehalts, wären ihm sicher.
Dabei hat Hallmann nicht einmal einen besonders lukrativen Vertrag. Die meisten öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute gewähren ihren Vorständen eine großzügige Versorgung im Alter oder für den Fall, dass ihr Vertrag nicht verlängert wird. Ein teures Unterfangen, denn angesichts der Minizinsen müssen die Geldhäuser immer höhere Pensionsrückstellungen bilden. Experten halten diese Vergütungspraxis für überholt und warnen, dass die Sparkassen gegensteuern müssen.
Wie groß das Problem ist, zeigt sich an den Summen, die die gut 100 NRW-Sparkassen für den Ruhestand ihrer Chefs beiseitelegen: Insgesamt beliefen sich die Pensionsrückstellungen, konkret der Barwert, per Ende 2015 für alle Vorstände auf 250 Millionen Euro, wie eine Auswertung des Handelsblatt ergibt.
Für alle Vorstandsmitglieder summierte sich der Barwert auf zuletzt gut 570 Millionen Euro. Zum Vergleich: Im Jahr 2015 verdienten die nordrhein-westfälischen Sparkassen nach Steuern rund 530 Millionen Euro. Aktuellere Zahlen sind nicht verfügbar, weil einige Sparkassen ihren Jahresabschluss für 2015 erst Ende 2016 veröffentlicht haben.
Bereits seit 2011 müssen die NRW-Sparkassen die Gehälter ihrer Vorstände einzeln veröffentlichen. Auch die Pensionsrückstellungen sind vermerkt. Dabei erhalten die Sparkassenvorstände, je nachdem, wie lange sie im Amt sind, bis zu 55 Prozent des bisherigen Grundgehalts. „Direktzusage“ nennen die Sparkassen diese Form der Ruhegelder, „leistungsorientierte Zusage“ heißt es im Fachjargon auch. In Einzelfällen liegen die Pensionsansprüche sogar bei 75 Prozent des Grundgehalts – ein Relikt aus der Zeit, als Sparkassenvorstände noch als Beamte galten.
75 Prozent des Grundgehalts wird im Ruhestand zum Beispiel Uwe Samulewicz, Chef der Sparkasse Dortmund, erhalten. Volker Goldmann, Chef der Sparkasse Bochum, bekommt 70 Prozent. Auch in anderen Bundesländern können die Ruhegelder üppig ausfallen. In Bayern steigen sie bei sehr langen Amtszeiten auf gut 70 Prozent von Jahresfestgehalt und Zulage.
Das Geld, das nötig ist, um die Direktzusagen zu erfüllen, müssen die Sparkassen beiseitelegen. Und zwar umso mehr, je niedriger die Zinsen sind. Sie können derzeit – wie jeder Sparer – nicht damit kalkulieren, von erklecklichen Zins- und Zinseszinseffekten zu profitieren.
Minizinsen werden zum Problem
Experten mahnen, dass die Sparkassen gegensteuern müssen: „Nur noch fünf Dax-Konzerne haben leistungsorientierte Zusagen für ihre künftigen Vorstände“, sagt Thomas Jasper, der bei der Beratungsfirma Willis Towers Watson den Bereich betriebliche Altersversorgung leitet. Die Firmen wollten die Risiken begrenzen. Diese Erkenntnis setzt sich nach Druck aus der Politik auch bei den NRW-Sparkassenverbänden Rheinland und Westfalen durch. Sie gaben 2016 neue Vergütungsempfehlungen aus. Darin vorgesehen ist, jedenfalls im Rheinland, dass neu bestellte Vorstände mehr verdienen sollen. Dafür fallen die Direktzusagen für die Altersvorsorge weg. In eine ähnliche Richtung gehen die Empfehlungen in Westfalen.
Ralf Jasny ist damit noch längst nicht zufrieden. „Ob es Direktzusagen bei den Pensionen gibt oder die Sparkassenvorstände mehr verdienen und selbst vorsorgen müssen – de facto ändert sich nichts daran, dass die Altersversorgung bei den Sparkassen zu hoch ist“, sagt der Finanzprofessor der Frankfurt University of Applied Sciences. Wenn ein Vorstand 200.000 oder auch 500.000 Euro verdiene, könne er auch selbst für sein Alter vorsorgen.
Aber werden die Sparkassenvorstände tatsächlich zu großzügig entlohnt? Der Vergleich mit ähnlich großen Geldhäusern fällt schwer. Genossenschaftsbanken schweigen lieber, wenn es um Gehälter geht. Nur zwei der zehn größten Volks- und Sparda-Banken geben die Gesamtvergütung des Vorstands im Jahresabschluss preis. Während Sparkassen aus Hessen und Schleswig-Holstein ebenfalls die Gehälter je Vorstandsmitglied veröffentlichen, geben Sparkassen anderswo meist nur die Gesamtvergütung im Vorstand an.
Zumindest die Chefs der allergrößten Sparkassen scheinen ähnlich gut zu verdienen wie Topmanager in privaten und genossenschaftlichen Banken. „Nach unserer Auswertung der 50 größten Banken in Deutschland zeigt sich, dass Manager in öffentlich-rechtlichen Kreditinstituten sehr ähnlich vergütet werden wie Manager in vergleichbaren privaten und genossenschaftlichen Banken, sagt Petra Knab-Hägele von der Beratung HKP Group.
Die Vergütung der NRW-Sparkassenvorstände ist im Jahr 2015 noch einmal gestiegen, im Schnitt über alle Vorstände um 3,8 Prozent. Die Gehälter der Vorstandschefs kletterten um 2,9 Prozent. Den größten Sprung gab es bei der Sparkasse Lüdenscheid, ein Plus von satten 16 Prozent für Markus Hacke. Die Argumentation der Sparkasse: Der Anstieg bezieht sich noch auf das Gehalt des Vorgängers, denn Hacke ist erst seit dem 1. Januar 2015 im Amt. Während bei Hacke die Pensionsansprüche 55 Prozent des Grundgehaltes betragen, waren es bei seinem Vorgänger sogar 70 Prozent. Deshalb erhält Hacke ein höheres reguläres Gehalt. Bei der Stadtsparkasse Haan und der Sparkasse Neuss erhielten die Vorstände eine zusätzliche oder höhere erfolgsabhängige Vergütung
Bei den Topverdienern unter den Sparkassenchefs hat sich dagegen wenig verändert. Alexander Wüerst, Chef der Kreissparkasse Köln, des zweitgrößten Instituts in NRW, verdiente 913 000 Euro. Einen Sprung machte der Aachener Hubert Herpers, der 2015 immerhin gut elf Prozent mehr erhielt. Die Sparkasse wollte sich zu dem deutlichen Vergütungsplus nicht äußern.
Die Sparkassen verteidigen das Gehaltsniveau. Die Vergütung und Altersvorsorge der Sparkassenvorstände entspreche den üblichen Branchenmaßstäben, teilt der westfälische Sparkassenverband mit. „Andere, vergleichbare Kreditinstitute zahlen eine vergleichbare Vergütung und Altersvorsorge.“ Der Verband verweist auch auf „hohe fachliche Anforderungen“.
Wenn es um die Vergütung der Sparkassenvorstände geht, geraten vor allem die Häuser aus NRW in den Blick. Der Grund: Ein Transparenzgesetz verlangt von ihnen, dass sie die Gehälter je Vorstandsmitglied offenlegen. Inzwischen kommen auch alle Sparkassen dem nach, zwei hatten es für die Zukunft zugesagt. In ähnlicher Form gibt es eine solche Pflicht auch in Hessen und in Schleswig-Holstein, so dass immerhin 140 von rund 400 Sparkassen in ganz Deutschland die Zahlen melden müssen. Die Pensionsrückstellungen, konkret die Barwerte der Pensionsansprüche der jeweiligen Vorstände, allerdings geben nur die NRW-Sparkassen flächendeckend an.
Dabei fällt auch ins Auge, dass einzelne NRW-Sparkassen die Regelung für die Altersvorsorge ihrer Vorstände schon geändert haben. Vorreiter ist die Sparkassen Hagen-Herdecke. Ihr Chef, Frank Walter, der seit 2010 an der Spitze der Sparkasse steht, verdient zwar mehr als die Vorstände ähnlich großer Sparkassen, nämlich zuletzt 559.000 Euro. Er muss aber selbst fürs Alter vorsorgen, die Sparkasse keine Pensionsrückstellungen in Millionenhöhe bilden.