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Doppelmord in Oberbayern21-Jähriger gesteht Mord an den Eltern seiner Ex-Freundin

Der Doppelmord an einem Ehepaar erschüttert die Einwohner des idyllischen Notzing. Der 21-jährige Ex-Freund gestand den zweifachen Mord. Auch die 17-jährige Tochter des Ehepaars steht unter Verdacht. 02.04.2012 - 16:38 Uhr Artikel anhören

Weiße Planen verdecken den Fundort der zwei Leichen im Garten der Opfer.

Foto: dpa

Notzing. Bayerische Dorfidylle pur - Bauernhöfe und schmucke Einfamilienhäuser, der Maibaum in der Ortsmitte, erhöht steht die katholische Pfarrkirche mit weithin sichtbarem Glockenturm. Doch nun ist die Beschaulichkeit in Notzing, einem Ortsteil von Oberding knapp 20 Kilometer vom Münchner Flughafen entfernt, dahin. Als am Palmsonntag zum Beginn der Karwoche die Prozession durchs Dorf zieht, liegen im Garten eines unauffälligen Häuschens zwei Leichen, verscharrt im Gemüsebeet, die Opfer erstochen in der eigenen Wohnung.

Der 21 Jahre alte Ex-Freund der Tochter der beiden Opfer hat gestanden, das Ehepaar im Alter von 60 und 54 Jahren umgebracht zu haben. Mehrere Messer wurden sichergestellt, der Tatverdächtige gilt laut Polizei als psychisch auffällig, war bereits gegen seine eigenen Eltern gewalttätig geworden. Bereits am Freitag erstach er seine Opfer und grub die Leichen in der folgenden Nacht im Garten ein.

Doch was weiß die Tochter? Schließlich lebte sie im Haus der Eltern. Die 17-Jährige soll am Sonntagabend, als ihr sieben Jahre älterer Bruder nach Notzing kam und das blutverschmierte Treppenhaus sah, zu Hause gewesen sein. Die Kripo ermittelt jedenfalls auch gegen sie. Wie es hieß, soll sie nicht direkt an der Tötung ihrer Eltern beteiligt sein, wohl aber an der Beseitigung der Leichen. Die junge Frau hatte sich erst vor wenigen Wochen von ihrem Freund, einem Anlagenmechaniker, getrennt. Das Verhältnis zu Mutter und Vater soll unproblematisch gewesen sein.

Der Garten des an einer Straßenbiegung liegenden Häuschens in unmittelbarer Nähe zur Pfarrkirche St. Nikolaus ist am Montag mit schwarzen Planen vor neugierigen Blicken geschützt. Die Stelle, wo die Leichen ausgegraben wurden, ist mit weißen Folien zugedeckt. Scheinwerfer, mit denen die Kripo in der Nacht zum Montag den Tatort ausgeleuchtet hatte, stehen noch im Garten.

Die Eingangstür zum Haus der Familie. Hier soll der Täter die Eltern seiner Ex-Freundin ermordet haben.

Foto: dpa

Vor fünf Jahren erst hatte das Ehepaar das Einfamilienhaus gebaut, der vor kurzem in Rente gegangene 60-Jährige aus der Kfz-Branche und die Hausfrau, die gelegentlich putzen ging, zogen vom nahen Goldach nach Notzing. Die Tochter kam mit, der Sohn (24) blieb in Goldach.

„Das ist unvorstellbar“, sagt Hildegard Neumaier, Frau des Pfarrmesners, über das Verbrechen in der Nachbarschaft. Die 59-Jährige deutet zum Tatort und sagt kopfschüttelnd: „Das waren doch ganz normale nette Leute.“ Der Familienvater habe erst vor wenigen Wochen eine Feier zu seinem 60. Geburtstag gegeben - „und nun das“.

In Notzing mit seinen knapp tausend Einwohnern duzen sich die Menschen, in der Metzgerei am Ortseingang ist die Bluttat das Gesprächsthema. Dorfbewohner erzählen, dass die Eheleute am Freitag noch beim Zeitunglesen im Garten saßen. Sie spekulieren, wie es passieren kann, dass zwei Leichen nachts im Garten an einer vielbefahrenen Durchgangsstraße verscharrt werden, und es keiner bemerkt.

Ein Polizeihundeführer, der am Sonntag am Tatort war und über 30 Jahre Berufserfahrung hat, sagt über seine Erkenntnisse zu der Bluttat nur: „So etwas Verrücktes habe ich noch nicht erlebt.“ Derweil versuchen die Menschen in Notzing wieder zur Normalität zurückzufinden. Ob das so schnell gelingt, erscheint jedoch fraglich. Während die Frau des Mesners von ihrem Garten noch immer auf den Tatort schaut, fährt eine alte Frau mit ihrem Auto vorbei, hält an, kurbelt das Fenster herunter und ruft Hildegard Neumaier zu: „Jetzt wird Notzing berühmt.“

dpa
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