Else Beitz ist tot Eine kluge und mutige Frau

Im Zweiten Weltkrieg hat sie jüdische Kinder versteckt. Mit 58 Jahren holte sie ihr Abitur nach, mit 73 promovierte sie mit Auszeichnung. Nun ist Else Beitz, Witwe des Krupp-Stiftungs-Chefs Berthold Beitz, gestorben.
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Berthold und Else Beitz bei der Verleihung der Ehrenbürger-Urkunde 2007 in Essen. Quelle: dpa

Berthold und Else Beitz bei der Verleihung der Ehrenbürger-Urkunde 2007 in Essen.

(Foto: dpa)

EssenElse Beitz, die Ehefrau des langjährigen Krupp-Stiftungschefs Berthold Beitz, ist im Alter von 94 Jahren in Essen gestorben. Das bestätigte die Familie am Montag.

Else Beitz starb am vorvergangenen Sonntag (14.9.). Sie litt seit langem an einer schweren Demenzerkrankung, aus der ihr Ehemann öffentlich kein Geheimnis gemacht hatte. Else Beitz war weit über 70 Jahre mit Berthold Beitz verheiratet, der Ende Juli 2013 in seinem Ferienhaus auf Sylt gestorben war.

An seiner Beerdigung und der späteren Trauerfeier konnte sie schon nicht mehr teilnehmen. Über ihren Tod hatte zuerst die „Bild“-Zeitung berichtet.

Else Beitz war eine mutige und kluge Frau an der Seite des Krupp-Großindustriellen. Zu Beginn der 1940er-Jahre hat sie im von Nazi-Deutschland besetzten polnischen Boryslaw zusammen mit ihrem Mann unter Lebensgefahr jüdische Kinder im gemeinsamen Haus versteckt, wenn Razzien der Nazis anstanden.

Sie setzte sich für die Verfolgten ein und half ihnen etwa mit Lebensmittelpaketen. Berthold Beitz arbeitete in dieser Zeit als Ölmanager in der Region.

Dass ihr Mann in den besetzten Ölgebieten mehreren hundert verfolgten Juden das Leben rettete, indem er sie aus den Todeszügen der SS zog und zu unabkömmlichen Raffineriearbeitern erklärte, wäre ohne Elses Unterstützung auch nicht denkbar gewesen. „Ohne deine Liebe hätte ich diese Zeit nicht überstehen können“, sagte Beitz später einmal zu seiner Frau bei einem Festakt.

Nach dem Krieg bemühte sich Else Beitz zusammen mit ihrem Mann aktiv um die Versöhnung mit Israel. 2008 erhielt sie für ihren Mut und ihre Entschlossenheit die selten an Deutsche verliehene Auszeichnung „Gerechte unter den Völkern“ in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem.

Die gebürtige Hamburgerin hatte zusammen mit ihrem Mann drei Töchter und zahlreiche Enkel. Mit 58 Jahren holte sie das Abitur nach, studierte Erziehungswissenschaften und promovierte mit 73 Jahren mit Auszeichnung über ein Krupp-Thema.

2012 bekam Else Beitz das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik. „Menschen wie Frau Beitz haben durch ihre Taten, durch ihr Vorbild, durch ihr Beharren die moralischen Werte über die Zeit getragen“, sagte der damalige Kanzleramtschef Ronald Pofalla (CDU), als er ihr die Auszeichnung übergab.

  • dpa
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