Zahnarztkrimi um Uniklinik
Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen

Der Ex-Chef der Uniklinik Düsseldorf ließ einen wissenschaftlichen Mitarbeiter für sich arbeiten und kassierte. Vor Gericht zeigt sich: Viele in der Uni-Spitze wussten offenbar davon, nur niemand will es genehmigt haben.
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DüsseldorfMan trifft sich im Leben mindestens zweimal. Nicht alle Treffen sind gleich angenehm. Dienstag, der 13. Dezember 2016, die 14. Große Strafkammer des Landgerichts Düsseldorf. Um kurz nach 9.30 Uhr betritt Helmut Mattonet den Saal E137. Der ehemalige Ministerialdirigent ist als Zeuge geladen. Als er die Tür öffnet, sieht er einen Mann, mit dem er einst viel zu besprechen hatte: den prominenten Düsseldorfer Zahnarzt Professor Wolfgang Raab. Der ist angeklagt.

Die Staatsanwaltschaft wirft Raab Untreue im besonders schweren Fall vor. Der Professor soll sich an der Arbeitskraft vor allem eines Mitarbeiters der Düsseldorfer Uniklinik bereichert haben. Das Geschäftsprinzip: Der Mitarbeiter der Uniklinik arbeitetet auf Raabs Rechnung, sein Gehalt aber zahlte die Universität.

Angeblicher Schaden: rund 350.000 Euro. Bei einer Verurteilung drohen Raab bis zu fünf Jahre Haft oder Geldstrafe und der Verlust seiner Ansprüche als Beamter. Der Angeklagte weist die Vorwürfe zurück.

Es ist zehn Jahre her, dass Mattonet und Raab sich schon einmal trafen. Das Uni-Klinikum steckte tief in den roten Zahlen. Als Aufsichtsratschef setzte Mattonet den damaligen Klinikchef vor die Tür, den vierten innerhalb weniger Jahre. Er brauchte dringend einen Nachfolger.

Mattonet bat Raab, den Posten zu übernehmen. Der hatte eine Bedingung: Er wolle auch als Klinikchef weiterhin in seiner Privatpraxis arbeiten, die er sich auf dem Klinik-Campus eingerichtet hatte. Mattonet sagte zu. Raab wurde Klinik-Chef. „Um im Training zu bleiben“, wie es hieß, durfte er vier bis sechs Stunden in der Woche Privatpatienten behandeln.

Das Arrangement war an der Universität keineswegs geheim. Im Gegenteil. Der damalige Dekan der Hochschule etwa, Bernd Nürnberg, ließ sich in Raabs Privatpraxis auf dem Uni-Gelände nicht nur selbst die Zähne machen, sondern schickte auch seine Familie dort hin. Auch der damalige Kanzler der Universität, Ulf Pallme König, hörte zu Hause Geschichten aus der Praxis. Termine waren gar nicht leicht zu bekommen. Die Privatambulanz von Professor Raab hatte einen exzellenten Ruf. Das Geschäft boomte. Nur: Mit vier bis sechs Arbeitsstunden in der Woche war der Patientenansturm wohl nicht zu bewältigen.

Betriebswirtschaftlich fiel das erst später auf. Uni-Rektor Hans Michael Piper erinnerte sich im Zeugenstand, wie er an einem Februartag 2010 die Abrechnungen der Chefärzte des Uni-Klinikums sortierte. Piper stieß auf sechsstellige Abrechnungen von Professor Raab. Als der wenig später zusätzliche Mitarbeiter für seine Privatpraxis angefordert habe, schrieb der Rektor einen Brief ans Ministerium. Dann forderte er im Klinikum Raabs Personalakte an. Den Vertrag, den er sehen wollte, bekam er jedoch nie vollständig ausgehändigt, sagte Piper.

So blieb alles beim Alten. Als Ärztlicher Direktor kassierte Raab pro Jahr 120.000 Euro und mehr plus Bonuszahlungen, mit seiner Privatpraxis verbuchte er im Laufe der Zeit einen Gewinn von über 750.000 Euro. Allerdings: 99,9 Prozent der abgerechneten Behandlungen soll vor allem der eine wissenschaftliche Mitarbeiter erledigt haben, den die Universität bezahlte.

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Uni-Verantwortliche bestreiten Zuständigkeit

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  • "Herr Fritz Porters - 18.11.2016, 11:43 Uhr

    @ Herr Hoffmann

    ich habe nicht diesen enormen politischen Sachverstand wie Sie, aber die von Ihnen beschriebene "Grünen-Sozialistischen Vernichtungspolitik".... ist das sowas wie ein "Gemüseauflauf"? :-D
    Herrlich, die Kommentare sind echt Comedy... einige Artikel im HB sind echt besorgniserregend, aber die Kommentare können einem das Lachen zurückzaubern. Danke ...muss weiter arbeiten...aber nachher schaue ich noch mal in die Kommentare...will doch auch später noch was zu schmunzeln haben..."

    @Porters

    VIELEN DANK Herr Porters,
    es ist wirklich ein immenser Zeitaufwand, von morgens bis abends zu jedem Artikel so witzige Kommentare zu schreiben.
    Bei manchen Artikeln sogar mehrere.
    Schön das Sie das zu schätzen wissen.

    Aber die Ehre gebührt nicht mir alleine. An den Comedy-Kommentaren sind noch weitere Leute beteiligt die auch gewürdigt sein wollen:
    Paff, von Horn, Vinci Queri, Delli, Bollmohr, Caruso, Mücke, Ebsel, Dirnberger....

    ohne sie wäre ich hier sehr einsam !

    Aber besonders erwähnen möchte einen, der wirklich den ganzen Tag, und damit meine ich von morgens bis abends, aber auch wirklich jeden Artikel kommentiert (er ist fleisiger als ich), und auch die meisten Artikel mehrmals kommentiert.....

    das ist unser geliebter

    TRAUTMANN

    Danke

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