Alte Kunst: Russen liefern sich aufregende Bietgefechte
Theodor Grolls "Nachmittag in Venedig" (1907) erzielte 58.750 Euro (Taxe 15.000-20.000 Euro). (Ausschnitt)
Foto: Van HamRussisches Kaufinteresse bescherte Van Ham am 15. November 2013 einige aufregende Bietgefechte und ein gutes Ergebnis für Alte Kunst. Am meisten profitierte davon erwartungsgemäß das bestens aufgestellte Angebot an 19. Jahrhundert-Malerei. Zwar landete Konstantin Alekseewich Korowins Spätwerk „Junge Dame mit Rosenstrauß“ am Ende im US-Handel. Doch ohne die zahlreichen russischen Mitbieter hätte das zum unteren Schätzpreis bei 80.000 Euro aufgerufene Bildnis nie die 375.000 Euro inkl. Aufgeld erzielt.
Ausschnitt aus Julius Sergius von Klevers Gemälde "Fischerdorf am Peipussee, Winterabend".
Foto: Van HamErstaunliche Preiskarrieren machten auch Gemälde von Pimen Nikititsch Orlow und dem in Petersburg verstorbenen Julius von Klever. Beide Werke gingen in Moskauer Privatbesitz. Orlows traurige, aber sehr schöne junge Dame konnte ihre obere Taxe versechsfachen und kam auf 92.500 Euro; an Klevers dramatisch beleuchtetem Fischerdorf im Schnee hängten sich sechs russische Telefonbieter, die für ein Ergebnis von 52.500 Euro sorgten (20.000 bis 30.000 Euro). Russen waren auch für den internationalen Auktionsrekord für Theodor Groll (1857-1913) verantwortlich. Dessen stimmungsvolle und detailreich erzählte Venedigansicht trieben sie von geschätzten 15.000 bis 20.000 Euro auf 58.750 Euro.
Ein Meister stiller Waldgewässer: Peder Mork Monsted (1859-1941). "Angler im Boot auf einem Waldbach" erzielte 56.250 Euro. (Ausschnitt)
Foto: Van HamIm sehr viel schmaler ausgestatteten Angebot Alter Meister sicherte sich russische Kundschaft für 85.000 Euro das Porträt der mächtigen alten Wettereiche, das Jan van Goyen als 36-Jähriger malte (Taxe 40.000 bis 60.000 Euro). Es stammt aus dem eklektizistischen Nachlass des Bergwerksunternehmers Victor Rolff (1934-2012), dem Van Ham einen eigenen Katalog gewidmet hat. Sicher hätte es ohne Craquellée und Doublierung mehr bringen können, zumal es ein motivisches Pendant im Rijksmuseum Amsterdam gibt.
Johann Geyers (1807-1875) "Ballonfahrt" kletterte von 2.000 auf 27.500 Euro. (Ausschnitt)
Foto: Van HamEin offenbar bedeutenderer Künstler könnte das Bildnis eines jungen Mannes mit Hut geschaffen haben. Etwas Licht fällt auf die äußere Hutkrempe und die untere Hälfte seines Gesichts. Van Ham-Experte Reinhard Singer staunte nicht schlecht, als das auf nur 2.500 bis 3.000 Euro geschätzte Werk, das er der Leidener Schule des 18. Jahrhunderts zugeschrieben hatte, dank französischer Bietlust auf sensationelle 35.000 Euro kletterte. Die humorvolle Darstellung dreier Männer auf „Ballonfahrt“ von Johann Geyer kam von geschätzten 2.000 bis 3.000 Euro auf 27.500 Euro.
Insgesamt konnte Van Ham 70 Prozent seines Angebots an Alter Kunst verkaufen und spielte damit 2,5 Millionen Euro ein, zehn Prozent mehr als erwartet. Schwächer als in den letzten Jahren schnitt mit 750.000 Euro der Schmuck ab, was durch die etwas besseren Einnahmen für das Kunstgewerbe (1,35 Millionen Euro) kompensiert wurde. Top-Los wurden hier zehn Silber getriebene und feuervergoldete Relieftafeln eines mittelalterlichen Goldschmieds, für die ein kanadischer Bieter 106.250 Euro bewilligte, etwas mehr als die obere Taxe. Unterbieter war ein renommiertes deutsches Museum. Gut über ihre obere Taxe schaffte es auch die elegante Barockkommode (um 1750), die Victor Rolff einst bei Albrecht Neuhaus erwarb, während die etwa zeitgleich entstandene, ebenfalls bei Neuhaus erworbene Cartel-Uhr zurückging.
Die Gesamteinnahmen summieren sich auf 4,6 Millionen Euro, eine halbe Million Euro mehr als im Frühjahr. Die sehr starken Herbstauktionen von 2012 konnte Van Ham-Chef Markus Eisenbeis jedoch nicht toppen.