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Virtual RealityDer Laden in deinem Kopf

Die riesigen Brillen bergen nicht nur für Gaming-Fans, sondern auch für den Einzelhandel große Chancen. Händler wollen mit spektakulären Filmen ihre Kunden zum Kauf bewegen – oder virtuell durch ihren Laden führen.Astrid Dörner 13.03.2016 - 11:49 Uhr Artikel anhören

Besucher der Elektronikmesse CES in Las Vegas schauen dank der Brille in weit entfernte Welten.

Foto: AP

Austin. Shoppen auf Amazon.com war gestern. Wer in Zukunft Online einkaufen möchte, der setzt sich eine Virtual-Reality-Brille auf, wählt den Einzelhändler und taucht ein, in die virtuelle Shopping-Welt. Von Regal zu Regal spazieren, Produkte aus dem Regal nehmen und sogar live mit einem Verkäufer reden – das alles könnte in absehbarer Zeit Wirklichkeit werden.

Virtual Reality ist das große Thema auf dem Technologie-Festival „South by Southwest“ in Austin. „Vor einem Jahr haben wir uns noch gefragt, ob das nur ein vorübergehender Trend sein wird“, sagt Stephanie Llamas vom Analysehaus SuperData Research. Heute ist klar, dass die virtuelle Realität eine ganze Reihe von Branchen umkrempeln wird. Marketing-Experten experimentieren bereits mit neuen Wegen, ihre Produkte dank Brille besser zu verkaufen.

Die Bekleidungsmarke-Marke North Face etwa ködert die Kunden mit spektakulären Natur-Filmen. Wer beispielswesie in New York eine Filiale besucht und sich nicht so recht überwinden kann, hunderte von Dollar für ein Outdoor-Outfit auszugeben, dem kann die Brille auf die Sprünge helfen.

Virtual-Reality-Brillen
Ob Oculus Rift, Playstation VR oder HTC Vive: Alle Virtual-Reality-Brillen funktionieren nach dem gleichen Prinzip. Im Sichtfeld zeigt ein Bildschirm die virtuelle Umgebung an, Linsen sollen für einen Rundum-Effekt sorgen. Das Bild wird bei jeder Bewegung des Kopfes angepasst – Sensoren messen jede Veränderung, der Computer errechnet blitzschnell das neue Bild.
Gründer Palmer Luckey baute eine erste Datenbrille aus Smartphone-Komponenten zusammen. Inzwischen hat die Facebook-Tochter die Technik so verfeinert, dass 2016 eine erste Verbraucherversion von Oculus Rift fertig sein soll. Viele Entwickler experimentieren bereits mit der Hardware und schreiben Programme. Ohne leistungsfähigen PC werden Nutzer aber nichts davon haben.
Samsung bietet die Datenbrille Gear VR als Zubehör fürs Smartphone an – es wird in die Halterung geschoben und dient als Display, die zwei Linsen in der Brille sorgen für die 3D-Optik. Damit ist das System nicht so leistungsfähig wie Konkurrenzprodukte, aber mobil. Die Technik stammt übrigens von Oculus VR.
Der Elektronikhersteller HTC entwickelt seine Virtual-Reality-Brille Vive gemeinsam mit dem Spielespezialisten Valve. Um die Position des Spielers möglichst genau zu ermitteln, werden im Raum zwei Lasersensoren montiert, die mit den Sensoren am Gerät permanent in Kontakt sind. Eine Besonderheit: Nutzer können sich damit im Raum bewegen. Einführung: noch 2016.
Die virtuelle Realität muss nicht teuer sein: Mit Cardboard hat Google eine zusammenfaltbare Pappkonstruktion entwickelt, in die Nutzer ihr Smartphone schieben können. Eine App bereitet die Bilder passend auf. Technisch sind die anderen Systeme überlegen, Cardboard lässt aber erahnen, welche Möglichkeiten es gibt. Der Internetkonzern soll auch anderen Produkten arbeiten.

Die virtuelle Realität versetzt den Kunden in den kalifornischen Yosemite-Nationalpark. Er kann sogar über eine atemberaubende Klippe schauen – Drohnen, 360-Grad-Kameras und ein mutiges Video-Team, das per Fallschirm über die Klippe gesprungen ist, machen es möglich. „Wenn jemand in unsere Läden geht, die Brille aufsetzt und Lust bekommt, mehr Zeit in der Natur zu verbringen, dann ist unsere Aufgabe erfüllt“, sagt Eric Oliver, der das digitale Marketing bei North Face leitet.

Die Technologie steht noch ganz am Anfang. Doch genau das sehen viele Marketing-Experten als Chance, um die Produkte als innovativ zu positionieren – und möglicherweise neue, technologieaffine Kunden anzuziehen. Der Zeitpunkt ist geschickt gewählt. Ende März kommt die Virtual-Reality-Brille der Facebook-Tochter Oculus Rift auf den Markt, was dem neuen Medium weiteren Schub verleihen wird.

Virtual Reality könnte in diesem Jahr zu einer vier Milliarden Dollar schweren Branche heranwachsen, so die Schätzungen der Analysten. Und mit der neuen Hardware steigt auch der Bedarf nach guten Inhalten.

So war etwa Samsungs virtuelle Achterbahn-Fahrt der Renner auf dem Festival. Gemeinsam mit dem Vergnügungspark Six Flags hat der koreanische Technologie-Konzern ein authentisches Erlebnis geschaffen – auch, weil die Sitze ruckeln, um das Erlebnis dadurch noch intensiver wird. McDonald’s lässt die Besucher virtuell die Innenseite einer Happy-Meal-Box dekorieren.

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Auch die Lufthansa lässt ihre Kunden in die virtuelle Realität eintauchen. Wer sich für ein Ticket der ersten Klasse interessiert, kann sich mit der Brille ein genaues Bild davon machen, wie es in der Luxusklasse aussieht, bevor er zuschlägt. Die Airline will mit dem Medium auch die Lust aufs Reisen steigern und hat dafür 360-Grad-Videos von Städten wie New York, Hongkong und Japan anfertigen lassen. Denkbar sei auch, dass die Brillen eines Tages auch Teil der Unterhaltungssysteme an Bord werden, sagt Torsten Wingenter, Leiter der digitalen Innovation bei der Lufthansa. So könnte sich selbst ein Flug in der Economy-Klasse in einen Kurzurlaub verwandeln.

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