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Öl, Lithium, SojaNach der Wahl in Argentinien: Das könnten die Auswirkungen auf das Rohstoffangebot sein

Der radikal-libertäre Javier Milei plant eine Dollarisierung des Landes und will Staatsausgaben radikal kürzen. Agrarunternehmen freuen sich, Minenunternehmen sind skeptisch.Judith Henke 04.12.2023 - 12:10 Uhr

Frankfurt. Argentiniens neuer Präsident will mit extremen Maßnahmen seinem Land aus der Krise helfen: Staatsausgaben will er radikal kürzen und den US-Dollar als Zahlungsmittel einführen. Ob Javier Milei, der sich selbst als „Anarchokapitalist“ bezeichnet, für seine Reformen Mehrheiten im Kongress findet, ist allerdings fraglich.

Falls doch, könnte das deutliche Auswirkungen auf die globale Rohstoffversorgung haben. Denn Argentinien ist weltweit einer der größten Exporteure von Soja und Mais. Zudem ist Argentinien nach Australien und Chile der drittgrößte Lithiumproduzent. Und laut der Internationalen Energieagentur (IEA) hat Argentinien die zweitgrößten Schiefergasreserven und die viertgrößten Schieferölreserven der Welt.

So könnten sich Mileis Maßnahmen auf die Rohstoffe des Landes auswirken.

1. Agrarrohstoffe: Verkäufe könnten steigen

Die argentinische Agrarlobby hat Reuters zufolge große Erwartungen an den neuen Staatschef. Schon seit Jahren fordern die großen Getreide- und Viehproduzenten die Abschaffung von Steuern, die aus ihrer Sicht die Exporte von Agrargütern beeinträchtigen. Derzeit besteuert Argentinien den Export von Sojaprodukten mit 33 Prozent, Mais und Weizen mit zwölf Prozent.

In den Wochen vor der Wahl hielten sich die Produzenten, die auf einen Wahlsieg Mileis und somit auf niedrigere Exportsteuern hofften, mit dem Getreidehandel zurück, wie der Finanzdienstleister S&P Global in einer Analyse schreibt.

Das sorgt derzeit dafür, dass das argentinische Getreideangebot relativ knapp ist, zumal die Sojabohnenernte in diesem Jahr deutlich unter den Erwartungen blieb. Zudem würden die Landwirte derzeit laut S&P Global Getreide horten, um sich gegen die mit einer Teuerungsrate von 142 Prozent extrem hohe Inflation abzusichern.

Milei plant, den Peso abzuschaffen und die argentinische Wirtschaft zu dollarisieren. Bloomberg zufolge könnte eine solche Maßnahme die Verkäufe von Soja und Co. wieder ankurbeln, da die Produzenten lieber in US-Dollar statt in der schwachen Landeswährung bezahlt werden wollen. 

2. Lithium: Branche ist skeptisch

Argentinien verfügt Daten von S&P Global zufolge über die weltweit größten Lithiumreserven und -ressourcen. Bei der Lithiumproduktion belegt es laut offiziellen US-Daten nur den vierten Platz.

2027 könnte Argentinien laut S&P Global aber Chile überholen. Die Strategien der beiden Nachbarländer könnten sich zukünftig deutlich unterscheiden: Chile setzt auf eine Zentralisierung und Verstaatlichung des Bergbaus – eine Maßnahme, die dem libertären Milei eher fernliegen würde. Statt finanzieller staatlicher Unterstützung würde er Bloomberg zufolge eher auf Steuersenkungen und flexiblere Arbeitsgesetze setzen. 

In Letzterem könnte aber auch ein Risiko liegen: Laut Michael Meding, Ressortleiter im Bergbauunternehmen McEwen, seien die anderen Präsidentschaftskandidaten besser geeignet, um den für Investitionen erforderlichen sozialen Zusammenhalt aufrechtzuerhalten. „Ich halte ihn nicht für eine gute Wahl für die Bergbauunternehmen“, sagte er gegenüber Bloomberg.

Ein weiteres Risiko liegt in Mileis kritischer Haltung gegenüber China. Denn China ist der zweitwichtigste Handelspartner Argentiniens und investiert auch kräftig in die Lithiumproduktion. 

Profitieren könnte der Sektor allerdings von Mileis Bestrebung, Wechselkurse zu vereinheitlichen. Derzeit versucht Argentinien, mit rigiden Kapitalverkehrskontrollen zu verhindern, dass die Argentinier Dollar kaufen und der Peso somit weiter abwertet. Die Folge: Es gibt rund zwei Dutzend verschiedene Wechselkurse zum Dollar. 

So müssen Bergbauunternehmen für Importe aus dem Ausland sehr hohe Preise zahlen, da der Peso schwach ist. Die US-Dollar, die sie durch ihre Exporte einnehmen, müssen sie zu einem für sie unvorteilhaften künstlichen Wechselkurs in die heimische Währung umtauschen. 

3. Öl: Privatisierung des größten Konzerns

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Als erste Maßnahme als neuer Präsident kündigte Milei Privatisierungen an, darunter den Verkauf des 51-prozentigen Anteils des Staates am Öl- und Gasunternehmen YPF. Die Aktie von YPF stieg nach der Wahl um bis zu 43 Prozent, auch, weil der neue Präsident ankündigte, Exporthindernisse zu beseitigen und die Preise für argentinischen Kraftstoff nicht mehr zu begrenzen.

YPF führt die Entwicklung des Vaca-Muerta-Schieferbeckens an, das als eine der größten Ölschiefer-Lagerstätten der Welt gilt. „Wenn Exportbeschränkungen, Kapitalkontrollen, Energiepreiskontrollen und Infrastrukturbeschränkungen vollständig aufgehoben werden, könnte Vaca Muerta bis 2030 zusätzliche 40 Prozent bei den Rohöl- und 30 Prozent bei den Erdgasvolumina produzieren“, schreiben die S&P-Global-Analysten Ford Tanner und Pedro Martinez in einem Kommentar.

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